„Voyager 1“

„Pale Blue Dot“: Nasa-Bild zeigt, wie klein und unbedeutend die Erde ist

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Der „Pale Blue Dot“ im rechten Drittel des Bilds ist die Erde. „Das ist hier. Das ist Zuhause. Das sind wir“, schrieb der US-Astronom Carl Sagan dazu. Dieses Bild ist eine Neubearbeitung anlässlich des 30. Jahrestages des Bilds.

„Pale Blue Dot“ ist eines der berühmtesten Nasa-Bilder aus dem Weltall. Am Valentinstag 1990 fotografierte die Raumsonde „Voyager 1“ die Erde.

  • Das Bild „Pale Blue Dot“ zeigt die Erde aus einer Entfernung von sechs Milliarden Kilometern
  • Aufgenommen wurde es von der Raumsonde „Voyager 1“ am Valentinstag 1990
  • Am 14. Februar 2020 wurde das berühmte Bild 30 Jahre alt

Aus dem Weltall betrachtet ist die Erde eine fragile, überwiegend blaue Kugel, die im schwarzen, lebensfeindlichen Nichts schwebt. Das stellten zuerst die Astronauten der „Apollo 8“-Mission der US-Raumfahrtorganisation Nasa fest, als sie an Weihnachten 1968 als erste Menschen überhaupt den Mond umkreisten - und plötzlich sahen, wie die Erde hinter dem Mond aufging. Das Bild „Earthrise“*, das diesen Moment festhielt, hat zur Entstehung der weltweiten Umweltbewegung beigetragen.

Ein zweites Bild, das noch deutlicher zeigt, wie klein sowie unbedeutend die Erde und die Menschheit eigentlich sind, wird am 14. Februar 2020 30 Jahre alt: „Pale Blue Dot“ („blassblauer Punkt“). Im Gegensatz zu „Earthrise“, das den Planeten Erde in all seiner Schönheit und im starken Kontrast zum lebensfeindlichen Mond zeigt, ist auf „Pale Blue Dot“ kaum etwas von der Erde zu sehen - und es wurde auch nicht von Menschen aufgenommen.

Bild „Pale Blue Dot“ zeigt die Erde - aufgenommen von Raumsonde „Voyager 1“

Eines der berühmtesten Bilder der Geschichte: „Earthrise“, aufgenommen von den Astronauten von „Apollo 8“, die an Weihnachten 1968 den Mond umrundeten.

Die Raumsonde „Voyager 1“, die 1977 aufbrach, um das äußere Planetensystem zu erkunden, blickte aus einer Entfernung von etwa sechs Milliarden Kilometern zurück zur Erde - und fotografierte den Heimatplaneten der Menschheit am Valentinstag 1990. Zu sehen ist die Erde auf dem Bild allerdings kaum: Wer genau hinschaut, entdeckt im rechten Drittel des Bildes einen kleinen, hellen Punkt, nur etwa 0,12 Pixel groß. Die Streifen, die das Bild durchziehen, sind nach Angaben der Nasa Artefakte der Kamera, die durch Sonnenlicht entstanden.

Die Kamera war nicht dafür gemacht, in Richtung der Sonne zu fotografieren und auch das Bild war eigentlich gar nicht geplant. Carl Sagan, ein US-Astronom, der 1990 im Imaging-Team der „Voyager“-Mission arbeitete, hatte die Idee, „Voyager 1“ ein letztes Mal zur Erde zu drehen und das Abschiedsfoto aufzunehmen.

„Pale Blue Dot“: US-Astronom Carl Sagen findet passende Worte für das Bild der Erde

In seinem Buch „Pale Blue Dot“ fand Sagan 1994 die richtigen - mittlerweile berühmten - Worte für das atemberaubende Bild: „Look again at that dot. That‘s here. That‘s home. That‘s us. On it everyone you love, everyone you know, everyone you ever heard of, every human being who ever was, lived out their lives.“ („Schau nochmal auf den Punkt. Das ist hier. Das ist zuhause. Das sind wir. Auf ihm hat jeder, den du liebst, jeder den du kennst, jeder, von dem du jemals gehört hast, jeder Mensch, der jemals existiert hat, sein Leben gelebt.“)

Carl Sagan unveils the Pale Blue Dot, 1990 from The Planetary Society on Vimeo.

Bei der Vorstellung des „Pale Blue Dot“-Bildes erklärte US-Astronom Carl Sagan: „Diese Perspektive unterstreicht unsere Verantwortung dafür, diesen blauen Punkt zu erhalten und wertzuschätzen. Er ist das einzige Zuhause, das wir haben“. Am 25. Jahrestag der „Pale Blue Dot“-Aufnahme erklärte Nasa-Mitarbeiter Ed Stone, das Bild rege immer wieder „zum Staunen über den Ort an, den wir als Zuhause bezeichnen“.

„Voyager 1“ macht „Familienporträts“ des Sonnensystems - eins der Bilder ist „Pale Blue Dot“

„Pale Blue Dot“ ist Teil einer Serie von 60 Bildern, auf denen insgesamt sechs der (damals noch) neun Planeten zu sehen sind: Jupiter, Erde, Venus, Saturn, Uranus und Neptun, außerdem die Sonne. Die Planeten Merkur und Pluto (der seit 2006 kein Planet mehr ist) waren zu klein, um von der „Voyager 1“-Kamera erfasst zu werden. Der Mars befand sich zu nah an der Sonne und wurde von deren Licht überstrahlt.

Nachdem „Voyager 1“ die „Familienporträts“ unseres Sonnensystems zur Erde geschickt hatte, wurden die Kamerasysteme deaktiviert und die Sonde setzte ihren Weg an den Rand des Sonnensystems fort. Im August 2012 erreichte „Voyager 1“ als erstes von Menschen gebaute Objekt den interstellaren Raum*, die Schwestersonde „Voyager 2“ folgte im November 2018*. Auch heute senden beide Raumsonden noch Daten zur Erde. „Voyager 1“ ist etwa 22,2 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, „Voyager 2“ hat etwa 18,5 Milliarden Kilometer zwischen sich und die Erde gebracht.

Vogelperspektive: Aus dem All betrachtet verschwinden die Grenzen der Erde

Bilder, die die Erde aus dem All zeigen, liefern derzeit hauptsächlich Satelliten und die Astronauten, die an Bord der ISS leben und arbeiten. Und bereits auf ihren Bildern – aus einer Höhe von etwa 400 Kilometern geschossen – zeigt sich eins: Von oben betrachtet, verschwinden die Grenzen, die auf der Erde so oft für Konflikte und Kriege sorgen.

Alle Astronauten, die zur Erde zurückkehren, betonen, wie schützenswert unser blauer Planet ist. Offenbar benötigt die Menschheit den Blick von oben, um das zu erkennen. „Apollo 8“-Astronaut Jim Lovell hat es nach seiner Mondumrundung 1968 so formuliert: „Die Menschen sagen oft, dass sie hoffentlich in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Tatsächlich ist es doch so: Man kommt in den Himmel, wenn man geboren wird“.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Eine gigantische Explosion eines schwarzen Lochs im Ophiuchus-Galaxienhaufen reißt einen so großen Krater, dass die Milchstraße 15 Mal hineinpassen würde.

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