Corona-Impfstoff

„Hochwirksamer Wirkstoff“: Experten weisen Kritik an Astrazeneca zurück

Er hat keinen guten Ruf: Der Impfstoff von Astrazeneca geriet zuletzt immer häufiger in die Kritik. Was ist dran am schlechten Image des Vakzins?

Münster – Ist er ein Impfstoff zweiter Klasse? Diese Befürchtung haben derzeit viele Bürger in Deutschland in Bezug auf das Vakzin des schwedisch-britischen Unternehmens Astrazeneca, das hierzulande noch immer Mangelware ist.

Fakt ist: Der Impfstoff von Astrazeneca hat eine etwas geringere Wirksamkeit als die von Biontech und Moderna. Mit 70 bis 80 Prozent wird der Schutz gegen das Coronavirus berechnet. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich deswegen in der „Rheinischen Post“ gegen eine Astrazeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus. Doch ist die Skepsis wirklich begründet?

ImpfstoffAstrazeneca
ForschungsnameAZD1222 (ChAdOx1)
Art des ImpfstoffsNicht replizierender viraler Vektor
ApplikationsformIntramuskuläre Injektion

Arzt aus Münster empfiehlt Impfung mit Astrazeneca

Nein, sagt Dr. Peter Münster, ärztlicher Leiter am Impfzentrum Münster. Das Produkt von Astrazeneca sei ein „hochwirksamer Wirkstoff“, der gut verträglich sei und darüber hinaus noch ausreichenden und guten Schutz gegen die aktuell kursierenden Viren biete. Neben dem Schutz vor dem Coronavirus seien Impflinge mit Astrazeneca auch gegen die Corona-Mutationen geschützt.

Der Arzt aus Münster ruft daher alle unter 65-Jährigen, die in ambulanten Pflegediensten arbeiten, dazu auf, sich mit dem Wirkstoff gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Das Vakzin von Astrazeneca sei ein sogenannter Vektorimpfstoff, „also eher aufgebaut wie beispielsweise ein klassischer Grippeimpfstoff“, so Dr. Peter Münster. Auch ein prominentes Gesicht aus der Politik setzt sich seit einiger Zeit für den Impfstoff ein.

Fünf Prozent der Bevölkerung in Münster bereits geimpft

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, macht sich stark für den Impfstoff, der nach Biontech und Moderna als Drittes in der EU zugelassen worden war. Als ein klares Bekenntnis zu Astrazeneca wollte sich der Politiker mit dem Vakzin impfen lassen, das er als „gut und sicher“ bezeichnet. Derweil zeigt sich Dr. Peter Münster erfreut über den Stand der Impfungen in der Domstadt.

Der Impfstoff von Astrazeneca wird mittlerweile auch in der EU eingesetzt.

Bislang wurden über 15.000 Menschen in der Stadt gegen das Coronavirus geimpft. „Das ist gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Münster gar nicht so viel Impfstoff zugeteilt bekommt“, betont der Leiter des Impfzentrums. Relativ schnell konnten alle Pflegeheim-Bewohner ihre Impfungen bekommen. Knapp fünf Prozent der münsterschen Gesamtbevölkerung hätten ihre Dosis bereits erhalten. „Das klingt nach nicht viel – aber insbesondere die Schwachen und Schwächsten haben wir zuerst geimpft. Und ich glaube, das kann sich sehen lassen.“

Rubriklistenbild: © Gareth Fuller/dpa

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