Corona-Impfung

Astrazeneca: Stiko ändert offenbar Impfempfehlung für Menschen unter 60 Jahren

Fünf der sechs Uni-Kliniken in NRW fordern, dass der Corona-Impfstoff Astrazeneca nicht mehr an junge Frauen verimpft werden soll. Das Risiko sei zu hoch.

Update: 30. März, 16.26 Uhr. Nachdem sich die Ärztlichen Direktoren von fünf der sechs Uni-Kliniken in NRW für einen Impfstopp von Astrazeneca bei jungen Frauen ausgesprochen hatten, wurde nun bekannt, dass offenbar auch die Ständige Impfkommission (Stiko) eine neue Impfempfehlung herausgeben wolle. Medienberichten zufolge soll das Vakzin nur noch für Menschen über 60 Jahren empfohlen werden – unabhängig vom Geschlecht.

Laut Stiko sollten jedoch Impfungen bei Menschen unter 60 Jahren „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich“ bleiben, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Der Redaktion liege ein entsprechender Beschlussentwurf der Stiko vor. Ob Impfpatienten, die bereits eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben, auch bei der zweiten Spritze weiterhin das Vakzin erhalten sollen, dazu äußerte sich die Stiko demnach noch nicht. Die Kommission wolle aber bis Ende April dazu Stellung nehmen. Derzeit würden noch Studien dazu geprüft, ob für die Zweitimpfung auch ein mRNA-Impfstoff wie der von Biontech und Pfizer* verwendet werden könne. Mehr zum Thema Corona-Zweitimpfung mit Astrazeneca* erfahren Sie bei owl24.de.

Astrazeneca: Uni-Kliniken in NRW fordern Impfstopp für junge Frauen

Erstmeldung: 30. März, 14.26 Uhr. NRW – Mit einem Brief wenden sich die Ärztlichen Direktoren von fünf der sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen an die Bundes- und Landesgesundheitsminister. In ihrem Schreiben fordern sie, dass der Coronavirus-Impfstoff Astrazeneca vorerst nicht mehr bei jungen Frauen verimpft werden solle.

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der das zweiseitige Schreiben aus NRW vorliegt, schätzen die Leiter der Uni-Kliniken das Risiko für weitere Todesfälle bei jungen Frauen nach einer Astrazeneca-Impfung als zu hoch ein. Deswegen plädieren sie für einen vorläufigen Impfstopp, wie msl24.de* berichtet.

Impfstoff:Astrazeneca
Gründung des Unternehmens:6. April 1999
CEOPascal Soriot

Astrazeneca-Impfung bei jungen Frauen: Risiko überwiege den Nutzen – Klinik-Direktoren aus NRW warnen

In ihrem Schreiben beziehen sich die Klinik-Leitungen auf die Thrombose-Fälle, die nach Impfungen mit Astrazeneca bei mehreren Patienten festgestellt wurden und mediale Aufmerksamkeit erhalten hatten. Laut Paul-Ehrlich-Institut sind in Deutschland bisher 31 Fälle von Sinusvenenthrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin des schwedisch-britischen Herstellers registriert worden. (Lesen Sie bei msl24.de* mehr über die verschiedenen Coronavirus-Impfstoffe.*)

Im Vergleich zu den gesundheitlichen Folgen einer Covid-19-Erkrankung spreche das Verhältnis von Risiko und Nutzen bei einer Impfung mit Astrazeneca* für junge Frauen eine eindeutige Sprache, wie die Direktoren der Uni-Kliniken in ihrem Schreiben ausführen: „Zusammenfassend muss man feststellen, dass am Beispiel der Gruppe der 20- bis 29-jährigen Frauen nach jetzigem Erkenntnisstand ein äußerst ungünstiges Nutzen/Risiko-Profil für den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffes vorliegt“, heißt es dort. „Im Lichte dieser Überlegungen erscheint uns der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs bei jüngeren Frauen gegenwärtig nicht gerechtfertigt.“

NRW: Uni-Kliniken wollen Impfempfehlungen für Astrazeneca erarbeiten

Aus dieser Feststellung leite sich ein „dringender Bedarf“ für eine neue Impfempfehlung ab, schreiben die Leitungen der Unikliniken in NRW. Bis zum Nachmittag würden sie dem Landesgesundheitsministerium unter Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (CDU) eine entsprechende Empfehlung vorlegen. Die Uniklinik in Köln empfehle ihren Mitarbeiterinnen unter 55 Jahren aktuell „zumeist keine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff“, wie ein Klinik-Sprecher einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung bestätigte.

Erst vor Kurzem hatte eine 47-Jährige wenige Tage nach ihrer Astrazeneca-Impfung eine Sinusvenenthrombose entwickelt und war daran verstorben. Ebenso sei eine 28-Jährige nach ihrer Impfung an dieser Thrombose-Form erkrankt, wie der Kreis mitteilte. Dort wird nun vorerst keine Frau unter 55 Jahren mehr Astrazeneca verimpft. Auch Berlin stoppte die Impfungen für Frauen unter 60 Jahren.

Corona: Tierärzte wollen mitimpfen (Symbolfoto).

Erst vor wenigen Wochen waren in Deutschland und weiteren EU-Ländern die Impfungen nach dem Auftreten von Thrombose-Fällen mit dem Vakzin ausgesetzt worden. Nur wenige Tage später jedoch gab die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) wieder grünes Licht für den Einsatz des Wirkstoffs. Kurzzeitig hatten zuvor bereits mehrere deutsche Kliniken die Impfungen ihres Personals mit Astrazeneca wegen heftiger Impfreaktionen ausgesetzt. (*msl24.de und owl24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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