Meinung

Coronavirus: Nein, Covid-19 ist nicht einfach nur wie eine Grippe

Weil das Coronavirus angeblich ja nur so schlimm wie eine Grippe sei, pfeifen manche Menschen auf die Maßnahmen der Regierung. Corona und Influenza sind aber gleich verheerend, das sollten die Menschen endlich begreifen.

  • Das Coronavirus breitet sich in Deutschland immer weiter aus. 
  • Mehr als 16.000 Menschen in Deutschland sind bereits positiv getestet worden.
  • Dennoch erkennen einige Menschen den Ernst der Lage nicht.

"Ich verstehe die Aufregung nicht, Corona ist doch nur wie 'ne Grippe" - solche oder ähnliche Sätze liest man noch immer hier und da in den sozialen Medien. Oder man hört sie so wie ich erst heute beim Einkaufen im Supermarkt von einem leicht aufdringlichen Kunden, während ich auf eine Distanz von 1,50 Meter mit der Kassiererin redete und mir währenddessen sorgsam die Hände mit Desinfektionsgel einrieb. Oder diese Sätze fallen in Gruppen von Menschen, die sich – trotz ausreichender Aufklärung – in Freundesgruppen treffen und sich über die "Panikmache" lustig machen.

Am Donnerstag (19. März) geisterten erschreckende Bilder aus Italien durch die Nachrichtenformate im Fernsehen - von Militärkonvois, die die Toten massenweise aus den Städten transportierten, weil die Krematorien überfüllt waren. Und völlig erschöpfte Ärztinnen aus Italien berichteten, dass sie wegen fehlender Beatmungsgeräte Covid-19-Patienten schlichtweg sterben lassen müssen. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben in dem Land 627 Menschen (Stand: 20. März, 18 Uhr). Dennoch scheinen manche Menschen immer noch zu glauben, die aktuellen Maßnahmen gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 seien dann doch ein bisschen übertrieben.

Während das Coronavirus in der Welt wütet, wüten amerikanische Studenten beim Spring Break.

Coronavirus und Grippe: Diese Unterschiede kann man nicht wegdiskutieren

Noch einmal ganz deutlich: Nein, die durch das vermutlich neuartige Coronavirus ausgelöste Lungenerkrankung Covid-19 und eine Grippe sind nicht gleichermaßen verheerend. Wie Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), am Freitag (20. März) während einer Pressekonferenz noch einmal zusammenfasste, gibt es ernstzunehmende Unterschiede:

  • Für die Grippe-Viren gibt es (kostenlose) Impfstoffe – für die Coronaviren keinen.
  • Für Grippe-Patienten gibt es Medikamente, die helfen – für Covid-19-Patienten bisher nicht.
  • Bei der Verbreitung der Grippe-Viren spielen Kinder eine große Rolle – bei Corona sind es, nach aktuellem Stand, Menschen jeden Alters.
  • Die Anzahl der Menschen, die sich mit Coronaviren anstecken, die dann an Covid-19 erkranken, die schwere Symptome entwickeln und die in der Folge sterben, ist bei Corona höher als bei Grippeviren. Und die Verbreitung läuft viel schneller ab.

In Deutschland haben wir glücklicherweise ein Gesundheitssystem, das vermutlich viele der schweren Verläufe von Covid-19 auffangen wird, wenn wir es schaffen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Aber andere Länder haben das nicht. Wenn sich das Coronavirus dort dann ungebremst ausbreitet (was wir zum Glück bisher noch nicht erleben mussten), zum Beispiel in Afrika, dann könnte eine humanitäre Katastrophe drohen.

Die Corona-Krise wird zeigen, wie solidarisch wir wirklich sind

Was machen wir jetzt mit der Coronavirus-Krise? Es ist ganz einfach: Möglichst viel Zuhause bleiben, mal ein gutes Buch lesen, nur so viel Klopapier kaufen, wie auch gebraucht wird, beim Einkaufen Nudeln und Mehl für andere übrig lassen (oder backt ihr Zuhause etwa ernsthaft alle euer eigenes Brot?), Hände waschen nicht vergessen und für die Omi und den Opi nebenan auch mal einkaufen gehen – und lasst eure Kinder bitte nicht mit anderen Kindern spielen, egal ob drinnen oder draußen. Tut es einfach nicht. Echt jetzt.

Es geht nämlich nicht nur um euch, es geht um uns alle und es geht um die Schwächsten in der Gesellschaft. Denn an unserem Verhalten den Schwächsten gegenüber zeigt sich erst, was für Menschen wir wirklich sind. Und wer tatsächlich glaubt, dass die ganze Corona-Sache nur Geldmacherei sei, liebe Freunde der Verschwörungstheorien: Hört euch die deutlichen Worte des Chef-Virologen Christian Drosten gut an. Vielleicht fällt dann ja doch noch der Groschen. Ich hoffe es zumindest für die Omi und den Opi von nebenan.

Rubriklistenbild: © Fotomontage: dpa/pexels

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