Coronavirus

Astrazeneca ab jetzt für alle – Bund und Länder heben Impf-Prio auf

Der Astrazeneca-Impfstoff ist nicht gerade heißbegehrt. Bund und Länder beschlossen nun, die Impfreihenfolge für den Wirkstoff aufzuheben.

Update: 6. Mai, 18.35 Uhr. In Arztpraxen können sich die Menschen in Deutschland künftig mit dem Vakzin von Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Impfreihenfolge bei dem Wirkstoff aus dem Vereinigten Königreich wurde von Bund und Ländern am Donnerstag (6. Mai) aufgehoben. Damit kann sich nun jeder mit „Vaxzevria“ immunisieren lassen – auch entgegen der Empfehlung der Stiko.

Zudem wurde beschlossen, dass die Zweitimpfung nicht mehr zwingend nach zwölf Wochen verabreicht werden soll. Hausärzte können ab sofort gemeinsam mit ihren Patienten entscheiden, wann der Impfstoff ein weiteres Mal verabreicht wird, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Laut Hersteller kann die Zweitimpfung in einem Zeitraum von vier bis zwölf Wochen gegeben werden – jedoch gilt: Je später in diesem Intervall, desto wirksamer ist die gesamte Impfung.

Gleichzeitig hatte der Gesundheitsminister ein ambitioniertes Ziel für die Impfung von zwölf- bis 18-Jährigen verkündet: Dieser Gruppe soll in Deutschland bis Ende August ein Impfangebot mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gemacht werden. Darauf einigten sich Bund und Länder am Donnerstag. Die Länder sollen bis Ende Mai ein Konzept dafür erarbeiten, wie genau die Impfungen vorgenommen werden können. Voraussetzung für diesen Zeitplan ist jedoch, dass der Biontech-Impfstoff im Frühsommer für Personen ab zwölf Jahren zugelassen wird. Die Zulassung soll im Juni erfolgen.

Astrazeneca ab sofort für alle? Jens Spahn will Impf-Prio streichen

Erstmeldung: 6. Mai. Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt sich für die sofortige Aufhebung der Priorisierung bei Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin ein. Dies teilte Spahn am Mittwoch mit. Somit könnte sich bereits in Kürze auch in NRW jede und jeder mit Astrazeneca impfen lassen, unabhängig von Alter oder Vorerkrankungen. Wenn es nach dem Bundesgesundheitsminister ginge, würde dies unverzüglich umgesetzt werden: „Für Astrazeneca jetzt schon sofort, das ist mein Vorschlag.“

Bereits am Donnerstag (6. Mai) wolle sich der CDU-Politiker mit den Gesundheitsministern der Länder dazu beraten, wie er in der Sendung „Aktuelle Stunde“ des WDR sagte: „Wir werden generell – und darüber möchte ich morgen mit Karl-Josef Laumann (NRW) und den anderen 15 Landesministerkollegen reden – bei Astrazenca eindeutig sagen, für Arztpraxen wie für Impfzentren, dass es dort keine Priorisierung mehr gibt“, sagte Spahn. (Am selben Tag kündigte Laumann an, dass in NRW Menschen der Prio-Gruppe 3 einen Impftermin machen können – lesen Sie bei uns, welche Personengruppen nun berechtigt sind.)

Impfstoff:Vaxzevria
Hersteller:AstraZeneca, Universität Oxford
Forschungsname:AZD1222 (ChAdOx1)
Art des Impfstoffs:Nicht replizierender viraler Vektor

Jens Spahn will Astrazeneca-Impfstoff für alle verfügbar machen

Der Impfstoff von Astrazeneca liegt in den Hausarztpraxen vielfach ungenutzt rum, etliche Termine platzen – davon wurde in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder berichtet. Offenbar lehnen viele über 60-Jährige eine Impfung mit dem Vakzin „Vaxzevria“ ab. Vermutlich liegt die Hauptursache dafür in der Verunsicherung der Menschen durch die Meldungen über Hirnvenenthrombosen, die in Zusammenhang mit einer Impfung auftauchten. Laut Paul-Ehrlich-Institut wurden bis zum 21. April 63 Fälle in Deutschland gemeldet. Vor allem Frauen unter 60 Jahren können von dieser ernsten aber dennoch sehr seltenen Impfreaktion betroffen sein. Nach wie vor empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) das Vakzin deshalb nur für über 60-Jährige. Eine Empfehlung, über die sich Spahn mit seinem Vorschlag, die Priorisierung aufzuheben, hinwegsetzt.

Das Argument, vor allem über 60-Jährige mit dem Astrazeneca-Vakzin zu impfen, damit Jüngeren der Biontech-Impfstoff nicht weggenommen würde – zum Beispiel über eine verbindliche Verimpfung von Vaxzevria für diese Gruppe – lehnt Jens Spahn jedoch ab. Es gebe dafür auch nicht genug Impfstoffdosen, erklärte der Bundesgesundheitsminister. „Wir brauchen vor allem für die über 60-Jährigen alle Impfstoffe verfügbar, weil wir besonders schnell und zuerst ja auch die über 60-Jährigen impfen lassen wollen.“

Ungenutzter Astrazeneca-Impfstoff: Sind die bevorstehenden Freiheiten der Grund für die Ablehnung?

Doch es gibt vermutlich einen weiteren Grund dafür, dass ältere Menschen eine Impfung mit „Vaxzevria“ ablehnen: Die Zweitimpfung bei diesem Impfstoff erfolgt in der Regel zwölf Wochen nach der Erstimpfung. Durch die hohe Wirksamkeit der ersten Verabreichung und aufgrund von Impfstoffknappheit ist der Abstand relativ weit gestreckt worden. Bei dem mRNA-Impfstoff von Biontech ist der Abstand viel geringer und liegt bei nur sechs Wochen – das Ziel größerer Freiheiten von den Corona-Regeln liegt zeitlich also sehr viel näher für die Impflinge. (Mehr Informationen zu den unterschiedlichen Coronavirus-Impfstoffen erhalten Sie bei uns.)

Laut Jens Spahn könne die Zeitspanne bei Vaxzevria künftig noch angepasst und das Intervall verringert werden, wie er in dem WDR-Interview sagte. Laut Hersteller kann die zweite Spritze grundsätzlich bereits nach vier Wochen gesetzt werden. Somit erhielten auch diese Impf-Patienten ihre Freiheiten schneller zurück. Fraglich bleibt, ob unter 60-Jährige dann in die Situation kommen, dass sie ihre Impftermine wieder absagen müssten, weil sie nur den Astrazeneca-Impfstoff angeboten bekämen, den sie wegen Bedenken aber ablehnten. Auch merkur.de* berichtete über die Aufhebung der Impf-Priosierung von Astrazeneca.

Jens Spahn will die Impf-Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff unverzüglich aussetzen. (Archivbild)

Über die Rückgabe von Rechten für doppelt Geimpfte und Genesene berät nun auch der Bundestag. Diese Personengruppen könnten dann bundesweit aus der Testpflicht herausfallen und weitere Freiheiten von den Corona-Regeln erhalten. In NRW wurden bereits Lockerungen für vollständig Geimpfte und Genesene beschlossen. Vor allem im Sommer rückt dann das Thema Urlaub für viele Menschen in den Fokus. Bayern hat bereits angekündigt, Gastronomie und Tourismus jetzt wieder hochzufahren –zieht NRW bald nach? (*merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

Rubriklistenbild: © Pedro Fiuza/dpa

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