Corona-Bekämpfung

Virologe aus Münster befürwortet Bundes-Notbremse und Ausgangssperren

Sind nächtliche Ausgangssperren sinnvoll oder sinnlos? Der Virologe Stephan Ludwig aus Münster hält die Maßnahme für geeignet, um die Inzidenz deutlich zu senken.

Münster – Die Bundes-Notbremse ist eine sinnvolle Maßnahme gegen die ansteigende dritte Corona-Welle, da ist sich Prof. Dr. Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sicher. In einem Interview mit dem Radiosender Antenne Münster erklärte der Virologe zudem, warum nächtliche Ausgangssperren ein sinnvolles Mittel im Kampf gegen das Coronavirus sein können.

Stadt:Münster
Einwohner:knapp 312.970
Bundesland:NRW

Virologe aus Münster erwartet positiven Effekt von Ausgangssperren

Denn vor allem Ausgangssperren werden derzeit kritisch diskutiert. In einem offenen Brief wiesen jüngst mehrere Aerosol-Forscher darauf hin, dass die Gefahr einer Ansteckung an der frischen Luft eher gering sei und sich Infektionen vor allen in geschlossenen Räumen abspielten. Einige Kritiker sahen sich dadurch in ihren Argumenten gegen die strikte Corona-Maßnahme bestärkt. Dass die umstrittene Ausgangssperre aber durchaus wirksam sein könne, erklärte nun Prof. Dr. Stephan Ludwig im Gespräch mit Antenne Münster.

Der Virologe der Uni Münster machte dabei klar, dass der Sinn hinter den Beschränkungen nicht sei, dass Menschen nicht mehr hinaus dürften, sondern, dass private Zusammentreffen verhindert würden. „Bei diesen Ausgangssperren geht es ja nicht um die Treffen draußen“, sagte Ludwig. „Es geht darum, dass Menschen von einem Ort zum anderen fahren und sich dann eventuell im privaten Bereich mit vielen anderen treffen, und diese Dinge werden dann eben verhindert.“

Man könne angesichts der „Sinnhaftigkeit“ von Ausgangssperren geteilter Meinung sein, sagte Prof. Dr. Ludwig vom Virologie-Institut der Uni Münster weiter. Doch Erkenntnisse der Forschung, zum Beispiel aus Frankreich, würden den Effekt dieser Maßnahmen stützen: „Dort konnte man zeigen, dass in Städten mit sehr hoher Inzidenz durch solche Ausgangssperren sehr effizient die Zahlen runtergedrückt werden konnten.“

Virologe Stephan Ludwig aus Münster: Föderales System hat bei Corona-Bekämpfung versagt

Dass die Maßnahmen nun per Bundes-Notbremse und nicht mehr einzeln durch die Länder beschlossen werden, sieht der Forscher aus Münster ebenfalls positiv. Denn nach dessen Auffassung habe die bisherige Strategie nicht funktioniert: „In diesem Fall hat aus meiner Sicht in der Corona-Bekämpfung das föderale System versagt“, lautet das klare Urteil des Virologen. „Es kann nicht sein, das in Ministerpräsidenten-Runden Dinge in langen und zähen Gesprächen beschlossen werden und dann jeder Ministerpräsident nach Hause fährt und diese Beschlüsse für sich alleine wieder nach Wählerwillen interpretiert.“ So gebe es im Grunde keine andere Lösung als eine zentrale und verbindliche Regelung, so Ludwig.

Bei nächtlichen Ausgangssperren dürften Menschen zwischen 21 und 5 Uhr nur aus triftigen Gründen ihr Zuhause verlassen – dazu zählen zum Beispiel medizinische Notfälle oder die Arbeit.

Am Dienstag (12. April) hatte das Bundeskabinett die angekündigte Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Diese ermöglicht die Durchführung einer einheitlichen Bundes-Notbremse. Liegt die Inzidenz eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt drei Tage in Folge über 100, werden Lockerungen zurückgenommen und Verschärfungen durchgeführt, zu denen unter anderem die Schließung des Einzelhandels und die besagte nächtliche Ausgangssperre in der Zeit von 21 bis 5 Uhr zählen.

Auch im Münsterland würden diese Maßnahmen eingeführt werden, sollte die Inzidenz über den kritischen Wert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen steigen. Die Inzidenz von Münster liegt am Mittwoch (13. April) bei 81,5. Ob Münster am kommenden Montag offiziell zur Modellregion wird, dazu äußerte sich bereits der Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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