Pandemie

„Besorgniserregend“: Britisches Gesundheitsministerium warnt vor Corona-Mutation

Droht eine dritte Welle durch die Mutationen des Coronavirus? In Großbritannien wurden Kombinationen von zwei verschiedenen Mutanten nachgewiesen. Eine wurde nun als „besorgniserregend“ eingestuft

Update: 11. Februar. Als in England vor einigen Tagen eine neue Variation der Corona-Mutation B.1.1.7 aufgetaucht war, verfolgten britische Wissenschaftler diese Entwicklung bereits mit Sorge. Denn die neue Mutanten-Kombi schien sich auch auf die Immunität bei Geimpften auszuwirken. Jetzt schlägt das dortige Gesundheitsministerium Alarm.

Die zuerst in der britischen Stadt Bristol entdeckte Variation des Coronavirus wird vom Gesundheitsministerium als „besorgniserregend“ eingestuft. Sie soll der Variante aus Südafrika, die bereits auch in Deutschland angekommen ist, sehr ähnlich sein. Dr. Christoph Specht warnt jedoch vor vorschneller Panik.

„Wenn sich Viren vermehren, treten zufällige Veränderungen auf“, betonte der Arzt. Zwar könne die Teilmutation E484K dem Immunsystem möglicherweise besser ausweichen sowie infektiöser sein, automatisch gefährlicher sei sie aber nicht unbedingt. „Die Impfstoffe wirken immer noch so gut, dass sie das Wesentliche verhindern: einen schweren Verlauf und den Tod.“ So sei auch in Zukunft mit weiteren Mutationen des Coronavirus zu rechnen, sagte Dr. Chrstioph Specht.

Neue Coronavirus-Mutation in England entdeckt

Erstmeldung: 2. Februar. Beunruhigende Nachrichten gibt es aus Großbritannien. Dort grassiert seit mehreren Monaten eine mutierte Variante des Coronavirus: Die Version B.1.1.7. Diese ist deutlich ansteckender als der ohnehin schon infektiöse Urtyp des Erregers. Forscher versuchen derzeit noch herauszufinden, ob sie auch tödlicher verläuft.

Mutierte Varianten des Coronavirus aus England und Südafrika haben sich kombiniert

Vom Coronavirus gibt es weltweit zahlreiche verschiedene Mutationen. So wurde in Südafrika die Variante B.1351 nachgewiesen, die ebenfalls eine erhöhte Ansteckungsrate aufweist. Besonders fatal wäre es, wenn sich mehrere Versionen des Erregers miteinander verbinden – und das ist jetzt in Großbritannien passiert. Bereits 150 Fälle seien nachgewiesen worden, berichtete Gesundheitsminister Matt Hancock am Montag.

Experten befürchten, dass der mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus bei einer Kombination der Mutationen nicht wirken könnte. So zeigt das Vakzin des US-Herstellers Novavax, das in Deutschland bislang noch keine Zulassung erhalten hat, beim Erreger aus Südafrika ersten Studien zufolge nur 50 Prozent Wirkung. Gegen die britische Version waren es immerhin noch 90 Prozent.

Südafrika-Mutation ist „supergefährlich“ – Lauterbach fordert Anpassung des Impfstoffes

Viele Menschen, die sich mit der B.1351-Mutante angesteckt haben, waren zuvor bereits mit der Standardversion des Coronavirus infiziert. Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, bezeichnet die Südafrika-Variante daher als „supergefährlich“. Auch die Impfstoffe von Moderna und Biontech hätten eine deutlich geringere Wirksamkeit gegen diese Version, wie der Politiker bei Twitter schreibt.

Deshalb geht der Mediziner davon aus, dass es für eine solch starke Mutation des Coronavirus eine Herdenimmunität von 80 Prozent brauche, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Zudem fordert er eine Anpassung der Impfstoffe und insbesondere eine schnelle Umsetzung der Immunisierung in Deutschland.

Coronavirus-Mutation: Deutschland hinkt mit dem Impfen hinterher

Passend dazu hat am Montag (1. Februar) der Corona-Impfgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel stattgefunden. Ein Gesprächsthema dabei war die bislang eher von Pannen geprägte Vergabe der Impftermine sowie die Erstellung eines Impfplans. Laut der Kanzlerin sollen bis Ende September alle Menschen in Deutschland geimpft worden sein, die dies wünschen.

Derweil läuft die Impfkampagne in Großbritannien deutlich schneller. Dort sind Anfang Februar bereits rund neun Millionen Menschen geimpft worden, wie der Nachrichtensender BBC berichtet. Zum Vergleich: In Deutschland sind es annähernd 2,5 Millionen. Die Bundesregierung stand bereits in der Kritik, weil sie sich nach der Zulassung nicht genügend Impfstoff gesichert haben soll.

In Deutschland sind bislang nicht annähernd so viele Menschen geimpft, wie in Großbritannien. (Symbolbild)

Lauterbach: Dritte Welle durch Coronavirus-Mutation in Deutschland?

Lauterbach befürchtet indes, dass der Lockdown in Deutschland gegen das mutierte Virus nicht ausreichen wird. „Wir müssen viel mehr sequenzieren, wir sind in Deutschland im Blindflug gegen diese Mutationen unterwegs. Außerdem wirkt unser Lockdown zu schwach, die mutierten Varianten sind so nicht zu stoppen“, schreibt er bei Twitter. Sonst könnte es zu einer dritten Welle mit noch ernsteren Folgen kommen.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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