Bundespressekonferenz

RKI-Chef Wieler warnt eindringlich: Dritte Welle könnte die schlimmste Welle werden

Die dritte Corona-Welle ist nicht mehr aufzuhalten, mahnt Lother Wieler auf der Bundespressekonferenz. Jens Spahn betont: Im April könne das Gesundheitssystem bereits an seine Grenzen stoßen.

Berlin – Mit deutlichen Worten warnte am Freitag Lothar Wieler vor der dritten Coronavirus-Welle. „Uns stehen sehr schwere Wochen bevor“, setzte der Chef des Robert-Koch-Instituts an, als er bei der wöchentlichen Bundespressekonferenz gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* über die aktuelle Pandemie-Lage informierte.

Wieler betonte dabei, dass die Coronavirus-Mutation* B.1.1.7 dazu führen könne, dass die dritte Welle schlimmer werde als die zurückliegenden, wie msl24.de* berichtet: „Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann, als die ersten beiden Wellen.“

„Wissenschaft einig“: RKI-Chef warnt vor schweren Folgen der dritten Welle

Dies liege auch daran, dass die Variante B.1.1.7 „bekanntermaßen noch ansteckender und noch gefährlicher“ sei als der Wildtyp, wie Wieler erklärte. Deswegen sei die Mutante auch schwerer einzudämmen. Dies könne dramatische Folgen haben: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Fallzahlen stark steigen, dass wieder mehr Menschen schwer erkranken, dass Kliniken überlastet werden und dass viele Menschen auch sterben werden.“

Noch stünde Deutschland am Anfang dieser Entwicklung. Doch wenn jetzt nicht eingegriffen werde – und zwar massiv –, würden „die Folgen gravierend sein“, warnte Wieler eindringlich. „Da ist sich die Wissenschaft einig.“ Bereits vergangene Woche sei ein Zuwachs an Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zu beobachten gewesen, da B.1.1.7 auch öfter als der Wildtyp für einen schweren Krankheitsverlauf sorge. „Bislang sind in unserem Land mehr als 75.000 Mitmenschen gestorben“, betonte Wieler.

Im Moment deuten alle Indikatoren darauf hin, dass sich die Situation in den nächsten Wochen verschlechtern wird. Die 7-Tage-Inzidenz steigt schnell. [...] Die Fallzahlen nehmen rasant zu.

Lothar Wieler

Wieler/RKI: Besonders Berufstätige, Kinder und Jugendliche von Corona-Infektionen betroffen

Derzeit seien alle Altersgruppen von steigenden Infektionsfällen betroffen – vor allem jedoch Berufstätige beziehungsweise Menschen unter 65 Jahren, wie Wieler sagte. Doch auch Kinder und Jugendliche steckten sich vermehrt mit dem Coronavirus* an. „Die Inzidenzen steigen aber auch bei den Älteren. Auch bei den Über-80-Jährigen, aber nicht so stark, wie bei den anderen Altersgruppen. Dies ist tatsächlich ein Erfolg der Impfung.“

Laut Wieler sei ein Zuwachs an Corona-Infektionen sowohl im privaten Bereich als auch in Schulen, Kitas und am Arbeitsplatz zu beobachten. Oftmals könne aber nicht mehr genau nachvollzogen werden, wo genau die Infektionen letztlich tatsächlich stattgefunden haben, wie Wieler sagt: „Denn prinzipiell, das wissen wir ja auch, kann man sich ja überall anstecken. Dort, wo Menschen zusammenkommen. Das Virus verbreitet sich überall dort, wo Menschen zusammenkommen.“

Dritte Welle ist nicht mehr zu verhindern – Wieler appelliert an Bevölkerung und mahnt zu Vorsicht

In diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund, dass die Mutante viel ansteckender sei als der Wildtyp, sei es laut Wieler auch für die Gesundheitsämter viel schwieriger, Infektionsketten nachzuvollziehen und gezielt zu unterbrechen. Auch die Impfungen würden derzeit noch nicht ihre volle Wirkung auf die Bevölkerung entfalten, dies werde noch dauern. Deswegen müssten „alle Werkzeuge“ zur Infektionsvermeidung genutzt werden. Es sollten trotz erster Impfungen und Schnelltest-Angebote weiterhin die Hygieneregeln beachtet werden – also Abstand, Hygienemaßnahmen, Masken, Treffen an der frischen Luft oder konsequentes Lüften in Innenräumen.

„Schützen Sie bitte sich und andere konsequent mit den Regeln, die wir seit einem Jahr nun fast haben. [...] Und denken sie daran, und das ist das Tückische an dieser Covid-19-Erkrankung: Denken Sie daran, dass man schon ansteckend sein kann, bevor Symptome auftreten. Etwa die Hälfte der Viruslasten wird schon vor Symptombeginn ausgeschieden.“ Zwar könne die dritte Corona-Welle nicht mehr verhindert werden – es müsse jedoch versucht werden, sie bestmöglich abzuschwächen. Deswegen sollten die Bürger trotz ausgefallener Osterruhe* Kontakte so gut es geht reduzieren.

Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler äußern sich zur Corona-Lage.

Jens Spahn: Steigende Infektionszahlen schmälern Wirkung der Corona-Impfungen

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnte davor, dass das deutsche Gesundheitssystem bereits im April an seine Grenzen kommen werde, sollte das Infektionsgeschehen nicht abgebremst werden. „Wir sehen jetzt auch schon stärker steigende Zahlen von Intensivpflichtigen Covid-19-Patienten.“ Das Land NRW kündigte bereits an, wegen zu hoher Inzidenz die Corona-Notbremse zu ziehen.

Trotz steigender Mengen an Impfstoff-Dosen* sei die Lage weiterhin ernst: „Der Effekt des Impfens wird durch die steigenden Infektionszahlen aktuell geschmälert“, sagte Jens Spahn. Dies sei auch in Israel und Großbritannien zu beobachten: „Alle internationalen Beispiele zeigen: je höher die Inzidenz, desto weniger hilft das Impfen, um die Zahlen zu drücken.“ (*msl24.de ist ein Angebot von IPPEN-MEDIA)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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