Man sollte nicht alles glauben, was im Fernsehen erzählt wird

Stimmt das? Der Fakten-Check zum neuen Tatort aus Münster

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Thiel als Aushilfskraft im Zoo? So einfach geht das nicht.

Stimmt das eigentlich?, fragten sich die Zuschauer in verschiedenen Szenen. Und: War das jetzt wirklich in Münster? Die msl24-Redaktion hat den großen Faktencheck zum neuen Tatort „Schlangengrube“ gemacht. 

Münster - Nach dem Tatort ist vor dem Tatort? Nein, denn jetzt heißt es erstmal abwarten. Die erste Folge aus der Domstadt ist in diesem Jahr auch die letzte. Eine weitere soll es 2018 nicht geben. Schlimm genug für viele Fans. Schlimmer noch, wenn sie merken, dass nicht alles stimmt, was sie gerade gesehen haben. 

Dass man nicht alles glauben soll, was im Fernsehen gezeigt wird, ist weitläufig bekannt. Auch in Folge 33 in der Serie über das münsterische Ermittlerduo Thiel und Boerne gab es ein paar deutliche Ungereimtheiten.

Eine Seifenfabrik in Münster? Wohl kaum.

33 Drehtage wurden für den Film gebraucht. Davon fanden aber nur vier auch wirklich in Münster statt. Damit wird schnell klar: Besonders viel von der Fahrradhauptstadt hat der Zuschauer nicht zu Gesicht bekommen, und einiges wurde dreist erfunden. Ein paar Beispiele: 

  • Die Chopinstraße, in der Staatsanwältin Klemm das Haus Nr. 54 bewohnt, gibt es gar nicht. 
  • Auch der Fahrradladen „Bens Bike Repair“ ist frei erfunden. Doch das ist noch nicht alles: Laut Thiel befindet er sich „bei der alten Seifenfabrik“ und auf dem Schild ist deutlich die Straße "Am Westkai II" zu erkennen. Nichts davon lässt sich in Münster finden. 
  • Gleiches gilt für die Metzgerei (oder wie Thiel sagt: den Meat-Shop) "Fleisch + Blut" und das vegane Restaurant "Blatt und satt".
  • Zwar stimmt es, dass sich der Allwetterzoo an der Sentruper Straße 315 befindet. Doch dessen Direktor heißt nicht Schönweis, sondern Dr. Thomas Wilms

Elefantenmist wegmachen? Dafür braucht es eine Ausbildung!

Apropos Zoo: In der Tatort-Folge wird Ermittlerin Nadeshda Krusenstern auf eine Aushilfsstelle auf 450-Euro-Basis in dem münsterischen Tierpark aufmerksam. Wie die Tierpflegerin ihr erklärt, müsse man vor allem den Elefantenmist wegmachen. Thiel besetzt die Stelle letztlich, um Undercover zu ermitteln. Doch geht das so einfach?

Nein! Um in einem Zoo mit Tieren zu arbeiten, ist eine dreijährige Ausbildung zum Tierpfleger notwendig. Einfach so einen Job im Allwetterzoo zu bekommen, ist fast unmöglich. Aus Kapazitätsgründen werden schon längere Zeit nicht mal mehr Praktika oder FÖJ-Plätze angeboten. Nur in der Zoo-Gastronomie wird Personal gesucht. Aber an die Tiere darf man da (hoffentlich) nicht.

Doch eine gute Nachricht gibt es: Der Pinguinmarsch im Allwetterzoo findet wirklich statt. Schließlich brauchen die Tiere ihren Auslauf.

Muss ein Testament wirklich handgeschrieben sein?

Eine Nachlassbekundung ist keine leichte Sache. Da gibt es Vieles aus § 2247 BGB zu beachten. Demnach muss ein Testament...

  • handschriftlich verfasst, 
  • mit vollem Namen unterschreiben
  • sowie mit Ort und Datum versehen sein.

Denn sobald Zweifel an dem Dokument aufkommen, kann es angefochten werden. Beispielsweise wenn die Unterschrift anders aussieht als sonst oder wenn durch fehlendes Datum und Uhrzeit die Testierfähigkeit angezweifelt werden kann.

Und selbst dann ist mit einem Testament nicht alles in Stein gemeißelt: „Einige Dinge können nicht festgelegt werden. So haben zum Beispiel bis auf wenige Ausnahmen Ehepartner und Kinder immer das Recht, den sogenannten Pflichtteil zu fordern. Aussagen wie: ‚Erwin erbt alles, Bertha bekommt nichts‘, sind also in der Regel nicht durchsetzbar“, erklärt die Anwaltskanzlei Frohberg und Meurer aus Münster. 

Damit stellt sich die nächste Frage:

Kann eine Halbschwester überhaupt alles erben?

Auch hier behält Thiel recht: Ja, Bente Frommer hatte ein Motiv. Denn eine Halbschwester kann zur alleinigen Erbin werden. Zumindest wenn alle anderen Familienmitglieder - und so scheint es im Fall der verstorbenen Patrizia Merkens zu sein - auch bereits unter der Erde liegen. 

Generell gilt das Repräsentationsprinzip. Soll heißen: Ehepartner, Kinder oder Eltern werden nach der „ersten Ordnung der gesetzlichen Erbfolge“ berücksichtigt, wie es im Fachjargon heißt.

Einen Löwenschweif essen? Besser rauchen!

Der exzentrische Millionär Dr. Richard Stockmann hat in „Schlangengrube“ eine Vorliebe für eher ungewöhnliche Tierarten auf seiner Speisekarte. Robbenfleisch zur Vorspeise und Pinguin-Ragout als Hauptgericht sollen ihm zum Geburtstag serviert werden. Für das kommende Jahr wünscht er sich einen Löwenschweif. Aber sind diese ungewöhnlichen Wünsche überhaupt genießbar?

  • Sie watscheln süß, aber schmecken sie auch? Die Antwort ist eindeutig: Nein! Grund ist der hohe Fettgehalt ihres Fleisches. Pinguine haben eine enorme Speckschicht und ihr Muskelfleisch ist mit dicken Fettadern durchzogen. Kaloriengehalt pro 100 Gramm: 550. Im Vergleich: Gänsefleisch kommt nur auf 279 Kcal. “Derart fettiges Fleisch wird heutzutage von fast keinem Gaumen mehr als schmackhaft empfunden", schreibt Manuela Bauer von der Helpster-Redaktion
  • Robben gehören aufgrund mangelnder Alternativen zur Hauptnahrung der indigenen Völker in den Regionen des nördlichen Polarkreises, also der Inuits und der Tschuktschen. Das Fleisch wird als dunkel, fast schwarz, fettarm und sehr mager beschrieben. „Es schmeckt sehr intensiv und ist schon von daher nicht Jedermanns Sache“, heißt es auf der Plattform paradisii.de. Klar wird mit diesen Infos aber auch: Was der Schauspieler Robert Hunger-Bühler in seiner letzten Szene da isst, kann kein Robbenfleisch sein. Es ist nicht dunkel genug.
  • Es ist schon eine verrückte Idee, den Schweif eines Löwen essen zu wollen. Der Grund kann lediglich reine Exzentrik sein. Schon weil das Ding eigentlich nur aus Haaren und Sehnen besteht. Man kann nur vermuten, dass Dr. Richard Stockmann hier vielleicht gar nicht von einem tierischen Produkt gesprochen hat. Schließlich gibt es auch eine Pflanze mit diesem Namen. Besser bekannt als Herzgespann oder Marihuanilla. Das Kraut gilt in Deutschland als legale Alternative zum verbotenen Marihuana. Das macht sich als Dessert in ein paar Brownies also ganz wunderbar. 

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