Gründer im Gespräch

Ein Beitrag zu mehr Lebensqualität: Wie Gustav Grün zur Erfolgsstory wurde

Essen von Gustav Grün
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Das Essen von Gustav Grün ist vegan und wird täglich frisch zubereitet.

Eigentlich sollte es nur Plan B auf dem Weg zur Selbstfindung sein: Jetzt leiten die Benoua-Brüder vier Lokale in Münster. Einer der Gründer spricht über Konkurrenz, Selbstständigkeit und den Wert der Gastronomie für die Gesellschaft

  • "Gustav Grün"-Erfinder über ihren Werdegang
  • Vier Eröffnungen in vier Jahren
  • Weiteres Lokal geplant

Münster – Es ist eine schöne Geschichte: Zwei Brüder aus ganz normalen Verhältnissen, die gemeinsam erfolgreich werden. Für Kerim und Anton Benoua fing alles mit einem Lokal an – heute betreiben sie neben der "Waffelschmiede" noch das "Áro" und "Gustav Grün". 

Die gebürtigen Bremer haben während ihres Studiums – einer BWL, einer Kommunikationswissenschaft – in verschiedenen Städten gejobbt. Kerim Benoua sammelte seine ersten Erfahrungen in der Gastronomie. Doch als das Studium sich dem Ende zuneigte, war für ihn noch nicht klar, wie es nun weitergehen sollte. "Ich hatte ein Jobangebot vorliegen – aber irgendwie hat sich das nicht richtig angefühlt", berichtet der 30-Jährige. 

Sein Bruder war in einer ähnlichen Situation. Also nahmen die beiden ihr Erspartes in die Hand und investierten es 2015 in ihr erstes eigenes Lokal in Münster: die "Waffelschmiede". Um Geld zu sparen, haben sie fast alles selbst gemacht: Von der Verlegung der Kabel über die Montur der Toiletten bis hin zum Fliesenlegen. "Da steckt richtig viel Herzblut drin", sagt Benoua.  

Das zweite Lokal: Hummus und Falafel bei "Gustav Grün" 

Zunächst sollte das Café, auf dessen Speisekarte Waffeln und Shakes stehen, nur eine zeitlich begrenzte Unternehmung sein – doch Kerim Benoua hatte die Idee für ein weiteres Konzept. Er war während seines Studiums in Wien in den Genuss der "Middle Eastern"-Küche gekommen und wollte diese nun nach Münster bringen. 

So eröffneten die Brüder 2017 ein weiteres Restaurant: "Gustav Grün" an der Wolbecker Straße. Gäste bekommen dort Salate, Wraps und Falafel mit verschiedenen Hummus-Sorten. Besonders bei Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, ist der Laden eine bekannte Adresse, denn er bietet veganen Kebap an. Vegetarisch ist in dem Lokal sowieso alles: "Wir wollten ein Geschäft eröffnen, in dem jeder alles essen kann. Und Gemüse wird bislang von noch keiner Religion verboten", erklärt Benoua schmunzelnd. 

Doch nicht nur fleischlos soll es sein, sondern auch nachhaltig: Bei "Gustav Grün" wird nichts weggeschmissen. "Wir produzieren nicht auf Verdacht, sondern füllen ständig nach", erklärt der Gründer. Da kann es schon einmal passieren, dass am Abend die Tomaten ausgegangen sind und einer der Brüder spontan in den Großmarkt fahren muss. 

Vier Eröffnungen in vier Jahren: Zweite Filiale von "Gustav Grün" seit 2018

Bei zwei Lokalen ist es jedoch für die Geschwister nicht geblieben: Heute führen sie bereits vier Läden in Münster – mit 70 Angestellten. Eine weitere Filiale von "Gustav Grün" eröffnete 2018 – und einige Monate später der Reis-Bowl-Laden "Áro", der sich ebenfalls an der Wolbecker Straße befindet. Dieser stellt das gesunde Pendant zur "Middle Eastern"-Kitchen von "Gustav Grün" dar.

Doch an der Wolbecker Straße gibt es für Hungrige besonders viel Auswahl: Erst vor wenigen Wochen eröffnete direkt gegenüber mit "Bantu Bowl" ein weiteres Reis-Lokal in Münster. Was Benoua darüber denkt? "Ganz ehrlich: Ich freue mich über jedes neue Lokal. Meiner Meinung nach wird der Wert der Gastronomie für die Lebensqualität einer Stadt unterschätzt. Je mehr Restaurants, desto besser." Auch die "Waffelschmiede" bekam vor wenigen Monaten Konkurrenz: Die Nachtisch-Kette "Wonder Waffel" eröffnete eine Filiale am Bahnhof in Münster

"Gustav Grün" wird zum Franchise: Weitere Filialen geplant

Fest zum Unternehmen der Brüder gehören inzwischen die Oecotrophologen Greta Boeske und Aaron Jöcker sowie der Wirtschaftsinformatiker Armin Roosen. Sie sind ins tägliche Geschäft involviert und ermöglichen es den Benouas, das große Ganze im Blick zu behalten. Dabei ist es Kerim Benoua wichtig, dass es im Team gut läuft: "Wir waren schon befreundet, bevor wir zusammengearbeitet haben. Es geht mir nicht darum, dass jemand besonders gut ausgebildet ist – es muss auch menschlich stimmen."

Für die Brüder hat sich der Schritt in die Selbstständigkeit gelohnt: "Ich würde es wieder tun", resümiert Kerim Benoua. Das liege unter anderem an der familiären Aufteilung: "Ganz alleine selbstständig zu sein, ist glaube ich schwer. Aber mein Bruder und ich ergänzen uns: Er hat die Zahlen im Blick, ich entwickele die Ideen." 

Und wie sieht die Zukunft aus? Die Benouas steigen ins Franchise ein: Eine Filiale von "Gustav Grün" in Paderborn wurde bereits eröffnet, die nächste in Bielefeld ist fest geplant – Berlin und Essen sind ebenfalls im Visier. Zunächst aber steht Expansion in der Domstadt an: Im Frühjahr 2020 soll eine weitere Filiale des "Áro" eröffnet werden. Dann können die Brüder noch mehr hungrige Münsteraner versorgen. 

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