Gegen Verbot geklagt

Nun doch: Forscherin des illegalen Labors darf weiterhin Tierversuche durchführen

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77 Mäuse wurden 2017 im illegalen Tierlabor an der Uni Münster gefunden. Das Forschungs-Verbot gegen eine Betreiberin wurde nun gekippt.

Sechs Mäuse waren in einem so schlechten Zustand, dass sie getötet werden mussten: Im Juni vergangenen Jahres flog ein illegales Tierlabor an der Uniklinik Münster auf. Die Forscher wurden mit einem Verbot für Tierversuche belegt. Dagegen hatte sie geklagt: Mit Erfolg.

Update 27. September – Gericht beschließt: Forscherin darf weiter Tierversuche machen

Nachdem das illegale Tierlabor an der Uniklinik Münster im Juni 2017 aufgeflogen ist, kamen die Betreiber im vergangenen August ohne Strafe davon. Die Ermittlungen gegen die beiden Forscher wurden eingestellt. Doch es wurde ihnen damals zumindest verboten, weiterhin an Tieren zu arbeiten. 

Gegen diese Entscheidung hatte eine Forscherin beim Oberverwaltungsgericht Münster geklagt. Das Verbot wurde nun am Mittwoch (26. September) in einem Eilbeschluss ausgesetzt: Die Forscherin darf weiter Tierversuche durchführen.

Die Stadt Münster hatte der Frau vorgeworfen, für den Zustand und das Leid der Mäuse verantwortlich zu sein. Das Gericht widersprach: Es sei zweifelhaft, ob diese Vorwürfe wirklich zuträfen und ob die Forscherin gegen das Tierschutz-Gesetz verstoßen habe. Das Verbot, so das Gericht, "hindere sie an der Ausübung ihrer grundrechtlich geschützten Arbeit als Wissenschaftlerin".

Erstmeldung vom 21. August

Münster – Die Verantwortlichen der Uni Münster waren geschockt: „Wir sind entsetzt über diesen Vertrauensbruch und über dieses Verhalten, weil sich die Universität einem verantwortungsvollen Umgang mit Tierexperimenten verpflichtet fühlt“, sagte Dr. Johannes Wessels, Rektor der Universität Münster, im vergangenen Jahr. Im Juni 2017 flog ein illegales Tierlabor in der Hautklinik der Hochschule auf. Die Stadt hatte danach Strafanzeige gegen drei Mitarbeiter gestellt.

Diese müssen jedoch nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Denn die Ermittlungen wurden gegen die Betreiber des illegalen Tierlabors eingestellt – wegen Geringfügigkeit. Als Grund nannte Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape gegenüber den WN, dass die Beschuldigten bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten seien. 

Illegales Labor in Münster: Uni-Mitarbeiter dürfen nicht mehr mit Tieren arbeiten

Zudem habe das Veterinäramt bereits veranlasst, dass zwei der Betreiber des illegalen Labors nicht mehr mit Tieren arbeiten dürfen. Das, so der Staatsanwalt, seien ausreichende Maßnahmen gegen die Beschuldigten, damit sich so ein Vorfall nicht mehr wiederhole.

Der Vorfall kam im vergangenen Jahr zum Vorschein, nachdem es einen anonymen Hinweis an die Hautklinik gab. In dem Tierlabor wurden daraufhin 77 Mäuse gefunden. Für diese Einrichtung lag seitens der Universität Münster keine Erlaubnis vor.

Tierversuche in Deutschland: Alleine 2016 rund 2,8 Millionen Tiere betroffen

Insgesamt ist die Zahl der (legalen) Tierversuche in Deutschland gestiegen. An rund 2,8 Millionen Tieren haben Wissenschaftler 2016 Versuche gemacht. Die meisten davon waren Mäuse. Unter den Versuchstieren waren auch fast 4000 Hunde, rund 2460 Affen und Halbaffen sowie rund 770 Katzen. 

Besonders stark ist die Zahl der sogenannten "schweren" Tierversuche gestiegen: um rund 2500 auf mehr als 100.000 Tiere. Dabei werden zum Beispiel Ratten durch Elektroschocks sowie Mäuse durch Schwimmen so sehr zur Verzweiflung getrieben, um eine menschliche Depression zu simulieren.

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