Corona-Pandemie

Impfprio fällt, Betriebsärzte dürfen impfen: Doch es mangelt an Impfstoff

Ab Montag dürfen alle Personen ab zwölf Jahren geimpft werden. Auch die Hausärzte werden in die Impfkampagne einbezogen. Doch ohne Impfstoff bringt das alles nicht viel.

Münster – Unter anderen Umständen wäre der Montag (7. Juni) ein freudiger Tag für alle Impfwilligen gewesen: Nicht nur, dass endlich die Impfpriorisierung wegfällt, wie es von vielen Seiten bereits eher gefordert worden war, auch dürfen ab sofort die Betriebsärzte mitimpfen. Auch hier waren im Vorfeld bereits kritische Fragen laut geworden, warum letztere nicht zeitgleich mit den Hausärzten beginnen konnten.

Doch wie in so vielen Belangen während der Corona-Pandemie gab es auch zu der Impfstrategie in Deutschland viele Meinungen, viele Argumente und viel Unverständnis. Das letzte Wort hat nach wie vor meistens Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Was ändert sich also ab Montag für die impfwilligen Menschen in Deutschland? Zunächst nicht viel.

Impfpriorisierung aufgehoben – und nun?

Ab sofort darf sich jede Person ab zwölf Jahren in Deutschland um einen Impftermin bemühen, unabhängig vom Impfstoff, der Berufsgruppe oder des Gesundheitszustands. „Bemühen“ trifft es in diesem Zusammenhang besonders gut, denn nur, weil man theoretisch geimpft werden dürfte, heißt das noch lange nicht, dass ein Termin verfügbar ist. Der Grund ist, dass es in NRW und ganz Deutschland noch immer zu wenig Impfstoff gibt.

Der Kampf um einen Impftermin sah bislang meist so aus, dass man sich diesbezüglich nicht nur an seine Hausarztpraxis wandte, sondern sich auch bei diversen anderen Praxen auf Listen setzen ließ, während gleichzeitig die Terminvergaben des örtlichen Impfzentrums im Auge behalten wurde. Ohne viel Glück oder persönliche Beziehung war kaum etwas zu machen. Der Stichtag am 7. Juni wird daran auch vorerst nichts ändern, im Gegenteil. Durch die Aufhebung der Priorisierung und Freigabe aller Impfstoffe wird die Jagd auf den ersehnten Termin noch anstrengender und aussichtsloser werden, mehr Impfstoff gibt es dadurch nämlich nicht.

Betriebsärzte dürfen ab sofort impfen

Auch, dass die Betriebsärzte ab sofort impfen dürfen, ist ein schwacher Trost. Denn auch hier wird nicht plötzlich ein zuvor versteckter Vorrat an Impfstoff angezapft werden können. In der ersten Woche erhalten die Betriebsärzte in ganz Deutschland nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur 702.000 Impfdosen von Biontech – angekündigt waren ursprünglich 6,6 Millionen.

In den meisten Betrieben sind die Vorbereitungen wie Raum-, Personal- und Ablaufplanung bereits seit längerem fertig, alles was fehlte ist der Impfstoff.

Thomas Meier, Landesvorsitzende Nordrhein-Nord im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte, gegenüber dpa

Jeder Betrieb soll eine zugesicherte Mindestmenge von 102 Dosen erhalten, höchstens jedoch 804 Dosen pro Arzt. Da einige große Betriebe bis zu zehn Ärzte beschäftigen, befürchten kleinere Firmen, bei der Verteilung das Nachsehen zu haben. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, bemängelte die Zahl der bei den Betriebsärzten zur Verfügung stehenden Impfdosen gegenüber der Bild am Sonntag:

Die Unternehmen berichten von sehr geringen Mengen Impfstoff, die zugeteilt werden. Einige zögern sogar, schon anzufangen, weil sie von Tausenden Mitarbeitern nicht ein paar Dutzend bevorzugen wollen.

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Aufgrund der unübersichtlichen Lage und der extrem geringen Mengen an Impfstoff, raten viele Betriebsärzte den Angestellten weiterhin, sich bei ihrem Hausarzt um eine Corona-Impfung zu bemühen. Doch nicht nur im Münsterland macht sich der eklatante Impfstoffmangel bemerkbar: Im Impfzentrum Bielefeld werden aktuell keine Erstimpfungen mehr durchgeführt*. (*Owl24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

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