Die Klima-Kolumne (5)

Glückwunsch zum "Earth Overshoot Day" – Das haben wir toll gemacht!

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Solange die Menschen nicht noch ein paar Erden auftreiben, sollten wir schonender mit unserem Planeten umgehen – denn seine Ressourcen sind endlich. 

Wir haben es geschafft: Die Menschheit hat im Juli 2019 bereits so viele Ressourcen verbraucht, wie unser Planet sie innerhalb eines Jahres erneuern kann. Aber keine Sorge, die Politik wird das bestimmt richten.

Glückwunsch, das war es jetzt: In den kommenden fünf Monaten leben wir auf Pump. Denn am 29. Juli konnten wir bereits den "Earth Overshoot Day" feiern. Bedauerlicherweise haben wir damit keinen neuen Rekord aufgestellt, denn schon im 2018 galt der 29. Juli als Stichtag. So viel zur Behauptung, es gäbe keinen Klimawandel.

Damit werden wir unserem stetigen Anstieg der vergangenen Jahre leider nicht ganz treu. Abzug in der Klimawandel-Note. 1970, am 29. Dezember, wurde der "Earth Overshoot Day" erstmalig eingeführt. An diesem historischen Tag hatten der menschliche Verbrauch erstmals die globalen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, vorzeitig aufgebraucht. 

Erde-Einheiten: Der Klimawandel in Zahlen

Seitdem hat sich der Termin in unseren Kalendern nur in den seltensten Fällen nach hinten verschoben. Während der "Earth Overshoot Day" damals noch im Dezember lag, rückte der Termin anschließend kontinuierlich nach vorne im Kalender. So fand er 1979 erstmals schon im November statt, 1986 im Oktober, 1997 im September, 2005 im August, 2018 im Juli. Wer da noch glaubt, es gäbe den Klimawandel nicht, der glaubt auch, wir hätten derzeit einen ganz normalen Sommer

Wir dürfen uns also beglückwünschen, denn seit dem 29. Juli leben wir für den Rest des Jahres auf Pump. Die Ressourcen, welche die Natur uns zur Verfügung stellt, haben wir also innerhalb von sieben Monaten aufgebraucht. Forscher zum Klimawandel beschreiben diesen Zustand in "Erde-Einheiten": Wie viele Planeten bräuchten wir, um unserem Verbrauch gerecht zu werden?

Bis 1970 ließ die Inanspruchnahme der weltweiten Ressourcen noch Reserven übrig. Doch danach reichte unser Planet nicht mehr aus – es hätte 1,01 Erden gebraucht, um die Ökosysteme bis zum Jahresende nicht zu überlasten. 2019 liegt dieser Wert bei 1.75, das heißt: Wir verbrauchen unsere Welt 1,75 mal schneller, als die Natur es eigentlich zuließe. Dadurch entsteht dann übrigens auch der Klimawandel, so als Randnotiz.

Klimawandel: Nur 51 Länder unbeteiligt am "Earth Overshoot Day" 

Diese Schulden, mit denen wir in den kommenden fünf Monaten leben müssen, verdanken wir vor allen Dingen den USA und Australien. Denn wenn alle Menschen so haushalten würden, wie die Einwohner dieser Länder, dann bräuchten wir 5,0 beziehungsweise 4,1 Erden. Aber bevor hier irgendwer den Finger hebt und spöttisch über den großen Teich schaut: Die Deutschen sind nicht besser. 

Zwar stehen wir "nur" auf Platz 37 der Weltrangliste, dennoch verbraucht Deutschland rund drei Erden pro Jahr – gefolgt von der Schweiz (2,8), dem Vereinigten Königreich (2,7), Frankreich (2,7), Italien (2,7), Portugal (2,5) und Spanien (2,5), also ein Großteil Europas. Erst viel später kommt beispielsweise China (2,2). 

Von den 194 Ländern dieser Erde hinterlassen nur 51 keinen ökologischen Fußabdruck – den übrigens auch jeder für sich selbst errechnen kann. Alle anderen überlasten die Ökosysteme. In Europa gibt es kein einziges Land, das mit den Ressourcen der Welt haushalten kann. Nicht eins! 

Jeder kann helfen im Kampf gegen den Klimawandel

Aber dieser Missstand ist ja nur noch eine Frage der Zeit, schließlich hat Ursula von der Leyen bereits verkündet, dass sie die Klimaneutralität in der EU als ein Hauptziel sieht. Also Hände in den Schoß und weitermachen? Die Politik wird das schon regeln, oder? Klar, können wir so machen, ist dann aber halt doof. 

Stattdessen könnte jeder einzelne von uns schon mal ein paar Maßnahmen ergreifen, wenn es ihm gerade in den Zeitplan passt. Wer nicht erst warten will, bis "die Politiker" eine Steuer auf CO2 einführen, der könnte auch jetzt schon auf ein paar Dinge verzichten – wie den Flugverkehr, den täglichen Fleischverzehr, dem Hinterherhecheln der neusten Mode und Trends, den Kauf von plastikverpackten Lebensmitteln. 

Ich weiß, dass "Low Waste", Veganismus und Öffentlicher Nahverkehr weniger sexy klingen. Aber das tun Konsumgeilheit, Massentierhaltung und Luftverschmutzung in meinen Ohren eben auch nicht. Auch wenn Kalle Grabowski es für seine Freiheit hält, "in dem Coupe mit 240 über die Bahn" zu ballern, so empfinde ich das als Angriff auf meine Zukunft. 

Denn würde sich der "Earth Overshoot Day" nur nach dem deutschen Verbrauch ausrichten, so hätte ich bereits am 3. Mai gratulieren müssen. Also weiter so, dann muss ich im nächsten Jahr nicht so lange warten mit den Glückwünschen. 

Lisa Fraszewski

Alle Artikel der "Klima-Kolumne" finden Sie in dieser Übersicht. Sie wurde erst vor Kurzem ins Leben gerufen, weil die Autorin sich nicht weiter mit dem Klimawandel abfinden wollte. Sie forderte: Hört auf, diesen Planeten zu ruinieren!

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