Die Klima-Kolumne (7)

Herr, vergib ihnen nicht – denn sie wissen, was sie tun!

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In 30 Jahren müssen wir uns vor den nachfolgenden Generationen rechtfertigen – wenn wir nicht bald handeln (Symbolbild).

Die Zukunft sollte uns Angst machen. Nicht wegen des Klimawandels, sondern wegen der nachfolgenden Generationen. Wenn wir nicht handeln, werden sie später mit dem Finger auf uns zeigen.

Es ist das Jahr 2050. Der Regenwald hat nur noch einen Viertel seiner einstigen Fläche. Die Polarkappen sind geschmolzen. In den Sommermonaten werden ständig neue Temperaturrekorde aufgestellt. Die Fische in den Meeren, die Vögel in der Luft, die Tiere in den Bäumen – sie sind größtenteils ausgestorben. 

Eine Siebenjährige sieht uns an, vielleicht unsere Tochter, unsere Enkelin, und fragt uns: "Was hast du damals getan, um den Klimawandel zu verhindern?" Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD kann dann von sich behaupten, dass sie 2020 die Plastiktüten verboten hat. Zwar nur Tragetaschen, die es an der Kasse gibt und nicht die sogenannte Hemdchen-Beutel für Obst und Gemüse, außerdem zu einem Zeitpunkt, wo deren Verbrauch sich schon auf ein Drittel reduziert hatte – aber immerhin, besser als nichts. So funktioniert Aktionismus eben. 

Verbot von Plastiktüten: Ob das den Klimawandel aufhält?

Trotz dieses großen Einfallsreichtums der Politik konnte der Klimawandel nicht aufgehalten werden – sie haben eben nur Plastiktüten, keine Kreuzfahrten und Flugreisen verboten. Es kam die Zeit des Ottonormalverbrauchers, des Max Mustermann: Da die Politik nicht genügend Regeln und Verbote aufstellte, weil sie auf Wählerstimmen und Gelder aus der Wirtschaft angewiesen ist, musste Mäxchen sein Verhalten eben selbstständig an den Klimawandel anpassen – und so geschah: nichts. 

Was hatten wir erwartet? Selbst-Reglementierung liegt nicht in der Natur des Menschen. Zudem wusste Mäxchen nicht, wo er überhaupt anfangen sollte: Vegetarismus oder gleich Veganismus? Zero Waste? Urlaub auf Balkonien? Das Auto verkaufen, nur noch Bahn fahren? Ein Lastenrad anschaffen? Auf regionale und saisonale Produkte umsteigen? Natürlich bio? Alles gute Ideen im Kampf gegen den Klimawandel, aber zu viel Veränderung auf einmal überfordert eben. 

Fünf Versuche im Kampf gegen den Klimawandel 

Aber wenn wir an die Siebenjährige denken – die beinah auf einem Wüstenplaneten lebt, weil wir den Klimawandel nicht aufhalten konnten – dann könnten wir doch wenigstens einen Versuch wagen. Wir müssen nicht in jedem dieser Aspekte ein Vorbild sein und alles perfekt machen, aber wir sollten uns zumindest ein paar Ziele setzen. Das könnte so aussehen:

  • Fangen wir mit einem vegetarischen Tag in der Woche an: kein Fleisch, kein Fisch. Wenn uns das leicht fällt, machen wir zwei Tage, drei Tage daraus – bis wir wieder beim "Sonntagsbraten" und schließlich beim Vegetarismus ankommen.
  • Kauf wir in "Unverpackt"-Läden ein, um Plastik und Verpackungen einzusparen, und versuchen wir Einwegprodukte (wie Strohalme, Wattestäbchen, Hygieneprodukte) zu ersetzten – oder ganz wegzulassen. Orientiere wir uns an den fünf Rs von Zero Waste: refuse (ablehnen), reduce (reduzieren), reuse (wiederverwenden), recycle und rot (kompostieren). 
  • Planen wir unseren Urlaub vor der eigenen Haustür: in Deutschland, zumindest in Europa. Planen wir die Reise mit dem Fahrrad, der Bahn, zur Not mit dem Auto – aber ohne Flüge und ohne Kreuzfahrtschiff. Und wenn doch? Dann kompensieren wir unseren CO2-Ausstoß wenigstens.
  • Lass wir das Auto stehen, wenn es geht: Gehen wir zu Fuß, fahren wir öfters mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, leihen uns ein Lastenfahrrad für den Großeinkauf. 
  • Achten wir darauf, was wir mit unserem Geld einkaufen – und damit fördern: Unsere Lebensmittel sollten immer "bio" sein, aus der Region kommen und zur aktuellen Jahreszeit passen. Erdbeeren im Winter? Nein, danke! Auch unsere Kleidung sollte nicht von Kindern in der sogenannten "dritten Welt" aus billigen Stoffen zusammengenäht werden. Gehen wir doch mal in einen Second-Hand-Laden. 

Wenn die Siebenjährige uns dann erwartungsvoll ansieht und auf unsere Antwort wartet, dann können wir zumindest mit gutem Gewissen sagen: "Ich habe es versucht!"

Lisa Fraszewski

Alle Artikel der "Klima-Kolumne" finden Sie in dieser Übersicht. Sie wurde erst vor Kurzem ins Leben gerufen, weil die Autorin sich nicht weiter mit dem Klimawandel abfinden wollte. Zuletzt hat sie sich mit dem Amazons beschäftigt und gefragt: Der Regenwald brennt, na und? Denn in Wirklichkeit interessiert sich niemand für die Katastrophe in Südamerika. 

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