Die Klima-Kolumne (1)

Seid ruhig genervt – aber hört auf, diesen Planeten zu ruinieren

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Wenn wir nur die Finger vom CO₂-Ausstoß lassen könnten, wäre die Welt fast gerettet. 

Ich hab' die Schnauze voll: Meine Bemühungen, als Privatperson gegen den Klimawandel anzugehen, reichen nicht mehr. Es ist Zeit, das Ass zu spielen – und mich als Journalistin an die Öffentlichkeit zu wenden. Willkommen bei der Klima-Kolumne. 

Münster – Der erste Akt meiner Oper ist vorbei, der Vorhang öffnet sich für den dramaturgischen Höhepunkt – bis alles in Mord und Totschlag endet. Für alle, die die Einleitung verpasst haben, hier eine Zusammenfassung: 

Mein Name ist Lisa. Meine Eltern kommen aus dem Osten (Leipzig), ich selbst bin 1990 im Rheinland geboren, im Münsterland aufgewachsen und seit 2010 in Münster als Journalistin tätig. Ich habe seit Jahren eine On-Off-Beziehung mit dem Veganismus, lebe "low waste" – und weil ich die Natur so liebe, habe ich im April mehr als 600 Kilo CO₂ in die Luft geballert, um mit einem Flugzeug nach Schottland zu fliegen und den West Highland Way zu wandern. Großartig. Achso, und ich nutze gerne Sarkasmus. 

Neues Buch zum Klimawandel: "Szenen aus dem Herzen"

So, warum erzähle ich nun von dieser Inkonsequenz? Weil mir am Wochenende erneut die Augen geöffnet wurden, von einer 16-Jährigen. Greta Thunberg wurde neulich nicht nur für den Friedensnobelpreis nominiert, sie hat – zusammen mit ihren Eltern und der jüngeren Schwester – auch ein Buch veröffentlicht.

"Szenen aus dem Herzen – Unser Leben für das Klima", heißt das Werk. Auf den 256 Seiten schildert Malena Ernman, Mutter der jungen Klimaaktivistin aus Schweden, wie Greta wegen des Klimawandels erst in den unbewussten Hunger-, dann in den öffentlichen Schulstreik trat. Zudem ist das Buch mit zahlreichen Informationen, Argumenten und Belegen ausgestattet. 

Nichts Neues zum Klimawandel, außer Schmerzen 

Ich habe das Buch – trotz literarischer Mängel – in 48 Stunden durchgelesen. Seitdem geht es mir schlecht. Ich bin traurig, ich fühle mich hilflos, ich möchte weinen. Dabei wusste ich bereits alles, was in diesem Buch steht – nur hatte ich die Augen aus Bequemlichkeit schon wieder ein Stück zugedrückt. Ich hatte verdrängt, wie schlimm es wirklich steht. 

"In einer für uns intakten Atmosphäre darf der Anteil an Kohlendioxid nach Ansicht führender Forscher 350 Millionstel nicht übersteigen", schreibt Malena Ernman. Doch diese Marke haben wir bereits 1987 geknackt. In den letzten Jahren haben die Werte von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre sogar die 400-Millionstel-Marke überschritten. Das ist mehr, als nur ein mathematisches Problem. 

Diese Entwicklung ist dem Menschen zuzuschreiben, denn seit Beginn der Industrialisierung sind die CO₂-Werte um 44 Prozent gestiegen. Die Folge: der Klimawandel. Wer den leugnen möchte, kann direkt aufhören zu lesen – Zweifel an Fakten dulde ich nicht. 

Bloß nichts ändern im Kampf gegen den Klimawandel 

Ich weiß, die eigene Schuld fühlt sich doof an, das sollte sie auch. Aber noch ist es ja nicht zu spät, noch könnten wir verhindern, dass die Erde um 1,5 Grad wärmer wird als zu vorindustriellen Zeiten. Dafür müssten wir allerdings etwas ändern. 

"Mit der heutigen Menge an CO₂-Ausstoß wird der Naturvorrat [die intakte Atmosphäre, Anm. d. Red.] in 18 Jahren aufgebraucht sein", erklärt Malena Ernmann in ihrem Buch. Warum also sind Kreuzfahrten noch erlaubt? Oder Weltreisen mit dem Flugzeug? Täglicher Fleisch- und Fischverzehr? Weil es bequem ist. Der hohe Ausstoß wird dabei verdrängt.

Projekt

Detail

CO₂-Ausstoß

Weltreise

Von Düsseldorf (Deutschland)

nach Christchurch (Neuseeland)

6166 Kilo

Kreuzfahrt 

Ein Tag auf See (Außenkabine)

190 Kilo 

Autofahrt 

Erdgas  (100 km, 6 Liter)

Diesel (100 km, 6 Liter)

Benzin (100 km, 6 Liter)

Biogas (100 km, 6 Liter)

25 Kilo

24 Kilo

22 Kilo

18 Kilo   

Fleisch

Rind (100 Gramm)

Schwein (100 Gramm)

Pute (100 Gramm)

1,23 Kilo 

1,05 Kilo

0,42 Kilo 

Natürlich weiß ich, warum all das noch erlaubt ist. Weil wir Menschen uns immer noch einbilden, dass wir die Katastrophe abwenden können, ohne unseren Lebensstil ändern zu müssen. Das ist Blödsinn, und es frustriert mich. Deshalb werde ich mit sofortiger Wirkung: 
  • noch mehr auf meinen Konsum achten
  • sämtliche Politiker meines Wahlbezirks mit Forderungen nerven 
  • wöchentlich einen Artikel in dieser Klima-Kolumne veröffentlichen 

Damit hatte ich bereits vor einem halben Jahr begonnen, um den Verpackungswahn rund um Weihnachten zu stoppen. Das Projekt wird hiermit wiederbelebt. Freut euch – oder seid genervt. Mir gleich. Nur hört auf, diesen Planeten zu ruinieren. Die weiteren Texte der "Klima-Kolumne" gibt's in der Übersicht. Zuletzt habe ich der Menschheit im Rahmen des Klimawandels zum "Earth Overshoot Day" gratuliert. Nur weiter so!

Lisa Fraszewski

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