Die Klima-Kolumne (6)

Fleisch in aller Munde: Hört endlich auf, Tiere zu essen!

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Die Deutschen essen über zwölf Milliarden Tiere pro Jahr, darunter auch zahlreiche Schweinekadaver.

"Aber der Mensch hat schon früher Tiere gegessen", lautet ein beliebtes Argument. Stimmt, er hat aber auch in den Wald gekackt und nackt am Feuer gesessen. Scheinbar ist Veränderung also möglich – und für den Schritt zum fleischfreien Leben gibt es gute Argumente.

Fleisch ist derzeit in aller Munde – nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Streitthema. Denn bereits seit 2013, als die Bild-Zeitung einen Artikel fälschlicherweise "Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!" nannte, ist der deutsche Durchschnitts-Dieter in Aufruhr. Die Propaganda im Sinne der Fleischlobby zeigte Wirkung.

Die Lüge sorgte dafür, dass der "VeggieDay" – der lediglich eine größere Auswahl an vegetarischen Alternativen in Kantinen und Mensen am Donnerstag forderte – damals in Verruf geriet und sich nur vereinzelt durchsetzte. Doch seit Greta den Klimawandel massentauglich gemacht hat, werden immer mehr Forderungen laut und diese werden zunehmend radikaler. 

Fleischverzicht im Kampf gegen den Klimawandel

So wollen Politiker und Tierschützer die Mehrwertsteuer auf Fleisch von neun auf 17 Prozent erhöhen, um den Gewinn in bessere Haltungsbedingungen zu investieren und den Konsum zu senken. Auch der Weltklimarat sprach erst kürzlich eine mahnende Warnung zur Kehrtwende beim Fleischverzehr im Kampf gegen den Klimawandel aus. 

Denn obwohl sich die Anzahl der Vegetarier in den vergangenen Jahren auf vier Prozent erhöht hat, ist der Pro-Kopf-Verzehr von totem Tier kaum gesunken. "Offensichtlich hat also ein anderer Teil der Bevölkerung den Fleischkonsum parallel erhöht", heißt es im Fleischatlas von 2018.

Trotz Klimawandel: So viel Fleisch isst der Deutsche

Berechnungen des Vegetarierbundes zufolge isst jeder Deutsche in seinem Leben durchschnittlich rund 1094 getötete Landtiere. Fische und Meerestiere kommen in dieser Rechnung noch gar nicht vor: 

  • vier Kühe oder Kälber
  • vier Schafe
  • zwölf Gänse
  • 37 Enten
  • 46 Truthähne
  • 46 Schweine 
  • 945 Hühner
Das Wort "Fleischproduktion" zeigt bereits, wie entfremdet der Mensch von seiner Nahrung und dem damit verbundenen Elend ist. 

Doch dieses Essverhalten des Durchschnittsdeutschen trägt aktiv zum Klimawandel bei. Denn Dieter verursacht mit seinem jetzigen Lebensstil eine Ausstoß von rund 11,6 Tonnen CO2 im Jahr – das zeigen die Zahlen des Klimarechners vom Umweltbundesamt. Davon fallen 1,74 Tonnen auf die Ernährung und 0,45 Tonnen (also 25 Prozent) auf den reinen Fleischkonsum. Würden alle Deutschen auf den Konsum von Fleisch verzichten, könnten wir den jährlichen Ausstoß um 37 Millionen Tonnen (von insgesamt 866 Millionen Tonnen, als rund ein Prozent) senken.

Keine Baby-Schritte im Klimawandel möglich

Zudem nimmt die Massentierhaltung eine enorme Fläche in Deutschland ein, die sich beispielsweise auch für den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse aus der Biolandwirtschaft nutzen ließe. Damit würden wir doppelt gewinnen und den Klimawandel bremsen. Denn wir können die Welt nur vor einer Klimakatastrophe bewahren, indem wir alle einen Beitrag leisten – und da sollte der Fleischverzicht ein erster Schritt sein. 

Das Mindeste muss aber sein, dass jeder Mensch seinen Fleischkonsum drastisch reduziert – sonst trägt er aktiv zum Klimawandel bei, den wir übrigens besser als Klimakrise bezeichnen sollten. Denn dass es mit Baby-Schritten nicht getan ist, sollte jedem gebildeten Erdenbewohner mittlerweile bewusst sein. 

Nicht nur wegen des Klimawandels, auch für die Ethik

Abgesehen vom positiven Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel spielt übrigens auch die ethische Komponente beim Vegetarismus eine Rolle: Der Konsum von Fleisch fordert die Tötung eines fühlenden Lebewesens, das panische Qualen bei der Schlachtung erleidet. Und wozu? Um ein Nahrungsmittel auf dem Teller zu haben, das kaum über Mikronährstoffe verfügt und sogar krank machen kann. 

Wem der Verzicht auf Fleisch trotzdem noch schwer fällt, kann sich beim nächsten Besuch seiner Lieblingsgaststätte einfach ein krankes Schwein vorstellen, das in sein kleines Gehege eingezwängt ist und sich in seinem eigenen Kot wälzt. Na dann, guten Appetit!

Lisa Fraszewski

Wenn Sie das nächste Mal Fleisch essen wollen, denken Sie an dieses Bild. 

Jede Woche schreibt unsere Redakteurin ihre Gedanken zum Klimawandel auf: Alle Artikel der "Klima-Kolumne" finden Sie in dieser Übersicht. Das Projekt wurde erst vor einigen Wochen ins Leben gerufen, weil die Autorin sich nicht weiter mit dem Klimawandel abfinden wollte. Sie forderte: Hört auf, diesen Planeten zu ruinieren

Wohin Massentierhaltung führen kann, zeigt dieser Bericht: Im September 2019 filmten Tierschützer heimlich die Zustände in vier Schweineställen im Kreis Steinfurt – die Aufnahmen sind beängstigend. 

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