Die Klima-Kolumne (2)

Nein, das ist kein normaler Sommer – das ist der Klimawandel 

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Wer bei dieser Hitze noch von einem normalen Sommer redet, der kann genau so gut argumentieren, dass die Erde eine Scheibe ist (Symbolbild).

Lasst uns über das Wetter reden! Denn ich kann die billigen Argumente nicht mehr hören, dass es nun einmal Sommer sei – und da sei es eben warm. Denn 2050 werden wir den aktuellen Sommer wohl für kühl halten. 

Münster – "Heiße Sommer hat es früher schon gegeben." Dieses Argument höre ich immer wieder – und es hängt mir zum Hals raus. Soll mir das weismachen, dass die Hitze der vergangenen Jahre eine normale Erscheinung des Wetters ist? Dass es keinen Klimawandel gibt? Vergesst es. 

Aber von vorne: In der vergangenen Woche habe ich ein Fass aufgemacht, weil ich wütend war und habe deshalb diese Kolumne zum Klimawandel ins Leben gerufen. Das Feedback war überwältigend positiv. Zwar haben sich meine Emotionen mittlerweile abgekühlt, doch der Tatendrang ist geblieben. 

Ich hatte versprochen, dass ich mehr auf meinen Konsum achte, dass ich die Politiker meines Wahlbezirks mit Forderungen nerven und dass ich jede Woche einen Artikel zum Klimawandel in dieser Kolumne veröffentliche. Doch vorher muss ich über eine grundlegende Sache reden: das Wetter.

Das Wetter – ein Beweis für den Klimawandel 

1881 hat die Menschheit damit begonnen, die Ereignisse des Wetters aufzuzeichnen. Seitdem können Wissenschaftler ziemlich genau nachvollziehen, welche Adjektive einem Jahr zugeschrieben werden können: warm, kalt, regnerisch, trocken, bewölkt, sonnig, stürmisch oder windstill. Der Auswertung sind keine Grenzen gesetzt. So können wir heute also auch sagen, welches die wärmsten der letzten 138 Jahre waren. 

In der folgenden Tabelle sind fünf wärmsten Jahre zwischen 1880 und 2018 aufgelistet, gemessen an der globale Oberflächentemperatur – einmal an Land und einmal an Land und Meer — sowie die Abweichung von der langjährigen Durchschnittstemperatur. 

Rang

Land 

Land und Meer

Platz 1

2016 (+1,45 Grad)

2016 (+0,95 Grad)

Platz 2

2015 (+1,35 Grad)

2015 (+0,91 Grad)

Platz 3

2017 (+1,33 Grad)

2017 (+0,85 Grad)

Platz 4

2018 (+1,12 Grad)

2018 (+0,79 Grad)

Platz 5

2007 (+1,10 Grad)

2014 (+0,75 Grad)

Ja, es hat schon immer heiße Sommer gegeben – aber nicht fünf Jahre in Folge. Das ist der springende Punkt. Denn selbst wenn wir die "Top 5" auf eine "Top 10" erweitern, kommt nur ein Jahr aus dem letzten Jahrhundert hinzu: 1998. In den letzten 20 Jahre gab es also weltweit auch die 10 wärmsten Jahre. Aber einen Klimawandel gibt es nicht?

Ein neuer Rekord kann für 2019 übrigens nichts ausgeschlossen werden, denn erst am vergangenen Wochenende hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit 39,6 Grad in Sachsen-Anhalt einen neuen Rekord für das aktuelle Jahr vermessen. So heiß ist es in Deutschland im Juni vorher noch nie gewesen. 

Stoppt den Klimawandel – oder 2018 wird uns kühl vorkommen

Dass es sich dabei nicht um eine Wettererscheinung, sondern um einen Wandel des Klimas – den Klimawandel – handelt, ist augenscheinlich und wird auch von Wissenschaftlern wie Friederike Otto von der Oxford University bestätigt. In einem Interview mit den Klimareportern erklärt sie, wie sich die menschengemachte Klimaerwärmung auf das Wetter auswirkt. Sie ist sich außerdem sicher: 

"Schaffen wir es nicht, das Zwei-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, gibt es dann sogar noch deutlich heißere Sommer. 2018 wäre kühl dagegen." Wer noch mehr Warnzeichen braucht, sollte sich ihm Rahmen des Klimawandels mit dem "Earth Overshoot Day" auseinandersetzen – und sich festhalten. 

Zur Erinnerung: 2018 gilt als das bisher wärmste Jahr in Deutschland mit einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad und einer Höchsttemperatur von 39,2 Grad. Fast jeden Tag ergänze ich einen neuen Absatz in unserem Newsticker zum Wetter in Münster und da jagt eine Warnung vom DWD die nächste. Wer bei dieser Beweislage noch argumentiert, dass es sich dabei um einen normalen Sommer handeln soll, ganz unabhängig vom Klimawandel, der kann genauso gut argumentieren, dass die Erde eine Scheibe ist – und genauso ernst werde ich ihn dann auch nehmen. 

Lisa Fraszewski

Die weiteren Texte der "Klima-Kolumne" gibt's in der Übersicht. In der letzten Ausgabe habe ich darüber geschrieben, warum Klimaschützer nicht alles richtig machen müssen – und warum die schlechten Argumenten zum Klimawandel nur das gute Gewissen beruhigen soll

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