Aktion vom 11. bis 18. Mai

Maria 2.0: Katholikinnen streiken – Bischöfe reagieren "skeptisch"

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Mit der Aktion "Maria 2.0", die in Münster ins Leben gerufen wurde, streiken viele Frauen seit Samstag. 

Kirchenstreik: Einige Katholikinnen haben genug von den "unerträglichen Zuständen" in ihrem Gotteshaus und rufen mit der Aktion "Maria 2.0" zum Protest auf. 

Update: 13. Mai. Münster – Seit Samstag (11. Mai) streiken sie: Katholikinnen in ganz Deutschland protestierten mit "Maria 2.0" sieben Tage lang gegen die "unerträglichen Zustände" in der Katholischen Kirche. Die Frauen kritisieren vor allem den Umgang der Kirche mit dem Missbrauchsskandal. Außerdem fordern sie, dass auch Frauen zum Priesteramt zugelassen werden.

In den Reihen der katholischen Frauen hat der Streik, der ursprünglich in Münster startete, viele Anhänger gefunden. Auch die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) sowie der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) stehen hinter "Maria 2.0". Bei den Ordensträgern der Katholischen Kirche sieht es dagegen anders aus: Die Bischöfe reagierten "skeptisch", berichtet das Online-Magazin Kirche+Leben aus dem Bistum Münster.

Die Deutsche Bischofskonferenz lehne den Streik ab – man zeige jedoch Gesprächsbereitschaft. Pressesprecher Matthias Kopp sagte im Interview mit dem ZDF über "Maria 2.0", dass die Bischöfe die "Unruhe" zwar verstehen könnten. Veränderungen seien aber nur schrittweise erreichbar. Man brauche einen Dialog und keinen Streik.

Der Missbrauchsskandal und der Umgang der Katholischen Kirche mit den Opfern, den Tätern und der Strafverfolgung empörten Menschen weltweit.(Symbolbild)

"Massive Kritik" sei auch aus konservativen Gruppierungen über "Maria 2.0"geäußert worden: Demnach sei es ausgeschlossen, dass Frauen als Priesterinnen eingesetzt werden könnten. Dies sei in dem Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" von Papst Johannes Paul II. unmissverständlich gemacht worden: Die Kirche könne, laut Schreiben, keine Frauen weihen.

Neben Skepsis und Kritik gab es zumindest auch eine positive Äußerung aus Richtung der Bischöfe: Bischof Franz-Josef Bode, Vorsitzender der Frauenkommission der Bischöfe, deutete Maria 2.0 als "gutes Zeichen".

Maria 2.0:  Warum diese Frauen nicht mehr in die Kirche gehen

Update: 9. Mai. Münster – "Erneuert die Kirche", fordern die Frauen. Ab Samstag, vom 11. bis zum 18. Mai, treten sie in einen Streik. Die bundesweite Aktionswoche Maria 2.0 hat mittlerweile zahlreiche Anhänger gefunden – auch in Hamburg, Ulm, Berlin, Kassel und Stuttgart.

In Münster, wo die Aktion "Maria 2.0" ins Leben gerufen worden ist, beginnt der Kirchenstreik offiziell am Sonntag (12. Mai) mit einer Mahnwache vor dem Dom. 

Maria 2.0: Darum gehen Katholikinnen nicht mehr in die Kirche

Erstmeldung: 10. Februar. Münster – Alles begann mit einem offenen Brief an den Papst: Vom 21. bis 24. Februar (Donnerstag bis Sonntag) tagt der Sondergipfel zur sexuellen Gewalt von Amtsträgern der Kirche in Rom. Diese Gelegenheit wollen einige Katholikinnen nun nutzen. 

Denn "wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche." Die Frauen aus Münster sind der Ansicht, dass das Übel der sexuellen Gewalt in der Kirche sowie deren Vertuschung von der gleichen Struktur begünstigt wird, welche die Hälfte der Menschheit – die Frauen – von jeglichem Amt, von Weihe und damit letztlich von Entscheidungskraft und Mitgestaltung ausschließe.

Maria 2.0 "Unerträgliche Zustände" der Kirche kritisiert

"Aufgrund dieser allseits bekannten, unerträglichen Zustände in unserer Kirche fühlen wir uns zum Handeln aufgefordert", erklären die Frauen aus Münster. In ihrem offenen Brief an Papst Franziskus sprechen sie offen über ihre Gefühle, Klagen und Forderungen. Bereits 156 Frauen haben das Schriftstück unterzeichnet, mindestens 200 sind notwendig. 

Sie beklagen:

  • die vielen Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art in der römisch-katholischen Kirche
  • deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger
  • das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen
  • das Fehlen echter Hilfe für alle, denen Gewalt angetan wurde
  • dass deshalb viele Menschen der Kirche die Botschaft nicht mehr glauben

Sie fordern:

  • kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben
  • die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte
  • uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden
  • Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche 
  • Aufhebung des Pflichtzölibats
  • kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten
Steigende Kirchenaustritte, viele Skandale: Die katholische Kirche sieht sich mit vielen Problemen konfrontiert.

Maria 2.0 fordert: "Holen wir Maria von ihrem Sockel"

Elisabeth Kötter, Mitinitiatorin der Aktion "Maria 2.0" aus Münster, sagt dazu: "Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel, in unsere Mitte, als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir."

Doch bei Worten bleibt es nicht: Die Frauen aus Münster wollen mit der Aktion "Maria 2.0" Taten folgen lassen – mit einem Streik: vom 11. bis 18. Mai (Samstag bis Samstag) wollen die Katholikinnen keine Kirche mehr betreten und ihre Dienste niederlegen. "Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird", erklärt Elisabeth Kötter.

Kirchenstreik Maria 2.0 – nicht nur in Münster

Doch "draußen bleiben" heißt nicht "weg bleiben": Die Frauen von "Maria 2.0" wollen den Gottesdienst vor die Türen der Kirchen verlegen, ihre Klagen und Forderungen unter freiem Himmel zum Ausdruck bringen. "Wir tanzen, singen, beten, finden neue Worte und neue Ausdrucksformen", so Elisabeth Kötter aus Münster. Auch Männer seien dabei willkommen.

Die Frauen der Aktion "Maria 2.0" fordern alle Katholikinnen zur Teilnahme auf. Schließlich solle an so vielen Orten wie möglich – nicht nur in Münster – sichtbar werden, dass ein weiteres Erstarren und Beharren in und auf althergebrachten Strukturen nicht länger akzeptiert werde.

Maria 2.0: Ehrliche Worte aus Münster – "Unhaltbare Argumente" der Männerriege

Auch Ruth Koch, Mitglied des Pfarreirats in der Gemeine "Heilig Kreuz" in Münster, schreibt in der Kolumne der Woche von unfassbaren Verhältnissen: 

"Seit rund 2000 Jahren bestimmt in unserer katholischen Kirche eine Männerriege die Geschicke der Gläubigen und verwehrt der Hälfte der Menschheit den Zugang zu Gleichberechtigung, Mitbestimmung und Ämtern in der Kirche, mit Argumenten aus uralten Zeiten, die auf sämtlichen Ebenen, sei es biologisch, theologisch oder philosophisch nicht mehr haltbar sind. Auch dadurch, da bin ich sicher, wurden über Jahrzehnte Machtmissbrauch, Menschenverachtung und -verletzung möglich gemacht, geduldet und vertuscht und das alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus, der uns doch Gott nahe gebracht hat und die Frohe Botschaft von Gottes unbedingter Liebe. Ungeheuerlich! Wo bleibt der große Protest? Sicher, inzwischen setzen sich auch viele Kirchenmänner für Aufarbeitung und Wiedergutmachung ein und fordern ein Umdenken auch in der „Frauenfrage“. Das ist gut, aber nicht genug. Wir Frauen sind lange genug zum Bravsein und Erdulden, zum Dienen und Kuschen erzogen worden. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Die Frauen stehen vor der Tür. Bunt, friedlich, kreativ und nachdrücklich will unser Protest sein, weiblich eben. Die ersten Ideen entstehen. Für unseren Glauben, gegen Missbrauch, für eine glaubwürdige, gleichberechtigende Kirche."

Die Kirche steht vor immer neuen Herausforderungen: Sie muss mit Gesellschaft, Wissenschaft und Technik mithalten. Das führt mitunter zu absurden Situationen, sodassin Oelde nun sogar ein Roboter den Segen spricht

Außerdem steht die Kirche auch immer wieder in der Kritik: So fordert die Säkulare Buskampagne auch in Münster, dass Staat und Religion endlich konsequent getrennt werden. Ein Priester sorgte zudem kürzlich für einen Eklat in der Domstadt: Ulrich Zurkuhlen forderte in einer Predigt, dass man Kinderschändern vergeben solle. Er bezog sich dabei auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Später verharmloste er die Folgen, die der Missbrauch für die Opfer hat. Der Bischof von Münster zog deswegen drastische Konsequenzen.

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