Unmut nach Corona-Ausbruch

"Grotesk": Landräte kritisieren Corona-Maßnahmen der Stadt Münster

Nach den Corona-Ausbrüchen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf setzte die Stadt Münster strenge Regeln für deren Bewohner durch – und erntet dafür nun scharfe Kritik.

  • Die Stadt Münster trifft Sonderregelungen für Bewohner der Kreise Gütersloh und Warendorf.
  • Grund ist der massenhafte Corona-Ausbruch im Fleischbetrieb Tönnies.
  • Nun wehren sich die Landräte und Bürgermeister der Kreise gegen eine "Stigmatisierung".

Münster/Gütersloh/Warendorf – Es ist das Thema der vergangenen Wochen: Die massenhafte Infektion von Tönnies-Mitarbeitern mit dem Coronavirus. Über 1500 Fälle wurden bislang nachgewiesen. Damit ist der Kreis Gütersloh alleine durch den Ausbruch in dem Schlachtbetrieb zu einem Corona-Hotspot geworden. 

Auch der Nachbarkreis Warendorf ist betroffen und befindet sich ebenfalls in dem von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verhängten Corona-Lockdown. Grund genug für die Stadt Münster, eine Sonderregelung für Bürger aus den beiden betroffenen Kreisen zu verhängen: Seit dem 24. Juni sind Personen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf verpflichtet, in Münster eine Schutzmaske zu tragen. Dies gilt speziell auch in der Öffentlichkeit. Eine Maßnahme, die Empörung auslöste, da man darin eine Stigmatisierung der Menschen aus den beiden Kreisen sieht.

Münster

Bevölkerung

310.039

Oberbürgermeister

Markus Lewe

Kreise Gütersloh und Warendorf: Landräte kritisieren Stadt Münster

Diese Maßnahme seitens der Stadt Münster stößt auf massive Kritik. Die Landräte der Kreise Warendorf und Gütersloh, Olaf Gericke und Sven-Georg Adenauer, wehren sich nun mit deutlichen Aussagen gegen diese Regelungen. Zwar unterstützten sie die Beschränkungen nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ausdrücklich, betonen jedoch gleichzeitig: "Aber die zunehmende Stigmatisierung unserer Bürgerinnen und Bürger ist in unseren Augen eine Unverschämtheit."

Durch den Corona-Ausbruch werden plötzlich Urlaubsanfragen von Personen aus den betroffenen Kreisen storniert. Eine für die Landräte unverständliche Reaktion, da ohnehin für jeden Urlauber die strengen Hygienevorschriften gelten. Die Entscheidung der Stadt Münster, dass Bewohner der Kreise Gütersloh und Warendorf ab sofort auch auf der Straße Schutzmasken tragen sollen, empfinden die Landräte als "geradezu grotesk".

Landräte bezeichnen Verhalten der Stadt Münster als "Satire"

Die gesonderte Corona-Verfügung der Stadt Münster gegen die Bewohner der Kreise Warendorf und Gütersloh sei nicht nur eine Stigmatisierung, sie sei auch de facto nicht umsetzbar. Sven-Georg Adenauer hat klare Worte für die Verantwortlichen aus Münster: "Außerdem sollte man nur das per Verfügung erlassen, was man auch kontrollieren kann. Man könnte es auch für Satire halten, wenn es nicht so traurig wäre."

Nach Sonderregelungen für Pendler und Touristen: Brief an die Stadt Münster

Wie die WN berichten, wandten sich nun auch die Bürgermeister des Kreises Warendorf gemeinsam mit Landrat Olaf Gericke in einem wütenden Brief an die Stadt Münster in Person von Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtrat Wolfgang Heuer. Darin heißt es unter anderem, dass man von den neuen Corona-Maßnahmen aus den Medien erfahren habe und weiter: "Wir halten es für völlig unverhältnismäßig und untragbar, dass Menschen mit Bezug zu diesen beiden Landkreisen und den darin liegenden Städten und Gemeinden derart stigmatisiert werden."

Münster: Personen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf müssen ab sofort auch in der Öffentlichkeit Masken tragen (Symbolbild).

Da diese Regelungen nicht einmal in den betroffenen Kreisen gelten, heißt es in dem Brief weiter: "Daher sind wir stark irritiert, dass in der Stadt Münster nun eine solche Verpflichtung per Allgemeinverfügung verhängt worden ist." Bürgermeister und Landrat fordern demnach, die "stigmatisierende Maskenpflicht" wieder aufzuheben und enden mit einem Appell an die Verantwortlichen: "In einer Krise sollten wir bei aller gebotenen Vorsicht solidarisch zusammenstehen und nicht noch zusätzliche Trennlinien ziehen."

Auch die Bürger aus Drensteinfurt haben eine deutliche Meinung zu den momentanen Corona-Maßnahmen*: Die Stadt im Kreis Warendorf hat seit Wochen keine neuen Corona-Fälle, muss aber dennoch in den Lockdown. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

"Die Pandemie ist nicht vorbei", erklärte NRW-Gesundheitsminister Laumann. Daher wurde die auch in Münster geltende Maskenpflicht im Kampf gegen das Coronavirus verlängert. Dafür wird es einige Lockerungen geben: So dürfen in NRW und Münster ab sofort mehr Gäste zu bestimmten Veranstaltungen.

Rubriklistenbild: © pexels Anna Shvets/dpa

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