WWU veröffentlicht Studie

Verschwörungstheorien und Beleidigungen: Forscher untersuchen Fake-News zum Coronavirus

Forscher der WWU in Münster haben eine Studie veröffentlicht: Sie wollten herausfinden, ob während der Coronavirus-Epidemie vermehrt Fake-News verbreitet werden.

  • Ein Forscherteam aus Münster hat eine Studie zum Coronavirus durchgeführt. 
  • Es geht dabei um Fake-News zur Pandemie. 
  • Untersucht wurden sogenannte Alternativmedien. 

Münster – Das Coronavirus bietet Forschern die Gelegenheit, eine Ausnahmesituation zu untersuchen. Dieser Aufgabe haben sich die Kommunikationswissenschaftler der WWU (Westfälische Wilhelms-Universität) angenommen. Sie wollten herausfinden, ob während der Pandemie vermehrt Fake-News verbreitet werden. Die WWU Münster bekommt bald möglicherweise einen neuen Namen: Der Stifter, Kaiser Wilhelm II. gilt inzwischen als Antisemit. 

Studie zum Coronavirus: Forscher untersuchen Fake-News

Für die Studie wurde eine vierköpfige Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Quandt aufgestellt. Das Team aus Münster ging für die Untersuchung 120.000 Facebook-Posts durch, von denen rund 20.000 mit dem Coronavirus zusammenhängen. Diese mussten zwischen Anfang Januar und dem 22. März erschienen sein. Am Anfang gab es nur wenige Berichte zu diesem Thema, seit März dominiert das Thema dagegen die Berichterstattung.

Fake-News, also inhaltlich falsche Nachrichten, erwarteten die Forscher aus Münster dabei von so genannten alternativen Nachrichtenmedien. Diese verstehen sich als "kritische Gegenstimme und Korrektiv zu journalistischen 'Mainstream-Medien'", erklären die Wissenschaftler der WWU. In den Anfängen der Coronavirus-Pandemie war war solchen Online-Portalen vorgeworfen worden, dass sie vermehrt erfundene Nachrichten zu dem Thema verbreiteten.

Forscher aus Münster finden Beleidigungen und Verschwörungstheorien zum Coronavirus

Das Ergebnis der Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild: Die Forscher aus Münster fanden heraus, dass nur wenige Falschmeldungen zum Coronavirus kursierten. Alternative Nachrichtenmedien verbreiteten stattdessen eher Verschwörungstheorien zur Pandemie. So heißt es, die Chinesen hätten das Virus als Waffe entwickelt, die verbreitet würde, um den Westen zu zerstören. 

Auch Beleidigungen fanden die Forscher aus Münster in den Veröffentlichungen der Alternativmedien. So schossen sie zumeist gegen handelnde Politiker im Zusammenhang mit dem Coronavirus, um in der Bevölkerung eine kritische Haltung zum "System" herzustellen. Angela Merkel und Jens Spahn standen besonders im Fokus. 

Zusammenhang zwischen Fake-News und Verhalten zur Coronavirus-Pandemie unklar

Ob diese Art der Berichterstattung Auswirkungen auf das Verhalten der Leser während der Coronavirus-Pandemie hat, ist noch ungeklärt. Es fehlen "Daten über den Zusammenhang zwischen dem Konsum alternativer Nachrichtenmedien und riskantem Verhalten während der Corona-Pandemie", wie Thorsten Quandt erklärt. 

Verboten werden sollten solche Angebote dem Professor zufolge jedoch nicht: "Gerade in Krisenzeiten spiegelt sich die Stärke einer Demokratie in ihren offenen und pluralistischen Debatten." In einer weiteren Studie wollen die Forscher aus Münster die Facebook-Posts der klassischen Nachrichtenmedien untersuchen und mit denen der Alternativmedien vergleichen.

Seit einigen Wochen findet auch kein Unterricht statt. NRW-Familienminister Joachim Stamp hält eine normale Rückkehr in Kitas und Schulen aufgrund der Coronavirus-Pandemie für ausgeschlossen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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