Jagdstatistik 2018/2019 veröffentlicht

Vom Jäger erschossen: Diese Tiere wurden in Münster am häufigsten getötet

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Die Jagdstatistik für die Saison 2018/2019 in Münster wurde veröffentlicht (Symbolbild).

Krähen, Rehe und Kaninchen: Diese Tiere wurden in der vergangenen Jagdsaison am häufigsten getötet, zeigt eine aktuelle Statistik aus Münster. Die Jäger argumentieren mit dem Tierschutz. 

    • Jagdstatistik 2018/2019 für Münster veröffentlicht
    • Tiere aus zwölf Arten erschossen 
    • Kritik: Ist Jagen eigentlich sinnvoll?

Münster – 11.936 Tiere wurden im vergangenen Jagdjahr, also zwischen dem 1. April 2018 und dem 31. März 2019, getötet. Meistens durch Jäger erschossen, manchmal auch von Autos überfahren. Nicht in ganz Deutschland, sondern auf einer Fläche von rund 20 000 Hektar im Gebiet der Domstadt. 

In der Westfalenmetropole gibt es insgesamt 89 Jagdreviere, die sich auf drei sogenannte Hegeringe verteilen: Münster-Ost, Münster-Süd und Münster-West. Die Innenstadt hingegen ist "befriedet", dort darf also nicht gejagt und geschossen werden. 

Zwölf Arten in Jagdstatistik für Münster aufgeführt

Angeführt wird die neue Jagdstatistik der Stadt Münster von 5060 toten Ringeltauben, gefolgt von den Rabenkrähen: Bei 1944 toten Tieren dieser Art ist die Anzahl fast 400 mal höher als im Vorjahr, berichtet Manfred Geers (Leiter der Unteren Jagd- und Fischereibehörde) gegenüber den WN. 

Doch auch Rehe, Füchse und Dachse stehen auf der Liste – sogar Feldhasen, deren Bestand 2016 auch in Münster noch gefährdet war. Da die Anzahl der Tiere aber zugenommen hat, dürfen sie wieder geschossen werden.

Diese Tiere wurden von Jägern in Münster erschossen

Getoetete Ringeltauben: 5060.
Getötete Ringeltauben: 5060. © picture alliance / dpa
Getoetete Rabenkraehen: 1944.
Getötete Rabenkrähen: 1944. © Pexels
Getoetete Stockenten: 898.
Getötete Stockenten: 898. © picture alliance / dpa
Getoetete Rehe: 868.
Getötete Rehe: 868. © Pexels
Getoetete Wildkaninchen: 657.
Getötete Wildkaninchen: 657. © Pexels
Getoetete Fuechse: 439.
Getötete Füchse: 439. © Pexels
Getoetete Elstern: 436.
Getötete Elstern: 436. © Pexels
Getoetete Feldhasen: 411.
Getötete Feldhasen: 411. © Pexels
Getoetete Fasane: 365.
Getötete Fasane: 365. © Pexels
Getoetete Nutrias (Sumpfbiber): 279.
Getötete Nutrias (Sumpfbiber): 279. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Getoetete Steinmarder: 120.
Getötete Steinmarder: 120. © dpa-tmn
Getoetete Kandagaense: 112.
Getötete Kandagänse: 112. © Pexels
Getoetete Graugaense: 94.
Getötete Graugänse: 94. © picture alliance / dpa
Getoetete Wildschweine: 65. 
Getötete Wildschweine: 65.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Getoetete Iltisse: 64.
Getötete Iltisse: 64. © privat
Getoetete Dachse: 35.
Getötete Dachse: 35. © Pexels
Getoetete Bisams: 30.
Getötete Bisams: 30. © Pexels
Getoetete Waschbaeren: 24.
Getötete Waschbären: 24. © Pexels
Getötete Nilgänse: 21. 
Getötete Nilgänse: 21.  © picture alliance / dpa
Getoetete Hermeline: 9.
Getötete Hermeline: 9. © Pexels
Getoetete Hunde: 3.
Getötete Hunde: 3. © Pixabay
Getoeteter Marderhund: 1. 
Getöteter Marderhund: 1.  © picture alliance / dpa
Getöteter Höckerschwan: 1.
Getöteter Höckerschwan: 1. © picture-alliance/ dpa

Art

Anzahl

Ringeltauben

5060

Rabenkrähen

1944

Stockenten

898

Rehe

868

Wildkaninchen

657

Füchse

439

Elstern

436

Feldhasen

411

Fasane

365

Nutrias (Sumpfbiber)

279

Steinmarder

120

Kanadagänse

112

Graugänse

94

Wildschweine

65

Iltisse

64

Dachs

35

Bisam

30

Waschbären

24

Nilgänse

21

Hermelin

9

wilde Hunde

3

Marderhunde

1

Höckerschwäne

1

Gesamtzahl

5330

Das alles geschieht im Sinne des Tierschutzes, erklärt der Deutsche Jagdverband (DJV): "Wenn es von einer Tierart, wie zum Beispiel dem Wildschwein oder dem Hirsch, zu viele gibt, müssen wir ein paar von ihnen erlegen. Das klingt vielleicht grausam, aber zu viele Tiere können großen Schaden an den Bäumen und Pflanzen anrichten", heißt es auf deren Internetseite. 

Warum werden Tiere in Münster überhaupt gejagt?

Deshalb haben die Jäger beispielsweise auch 24 Waschbären – ja, Wäschebären gibt es auch in Münster, vor allem in Handorf – erlegt. Denn nach Angaben der Bundesregierung im Mai 2019 bedroht das Raubtier die Artenvielfalt in Deutschland. Sie stellen beispielsweise eine Gefahr für die Europäische Sumpfschildkröte und zahlreiche Amphibienarten dar, die bereits vom Aussterben bedroht sind. 

Trotzdem darf nicht jeder Mensch einfach zum Gewehr greifen und wahllos Tiere töten, die ihm in den Weg kommen – erst recht nicht an jedem Ort. Um in Deutschland jagen zu dürfen, muss die Person im Besitz eines gültigen Jagdscheines (1500 bis 3000 Euro) sein. In Münster trifft das auf 2130 Männer und Frauen zu. 

Die Zahl der Jäger nimmt bundesweit zu. Auch in Münster kommen jährlich rund 20 neue Anwärter hinzu (Symbolbild).

Sie dürfen in bestimmten Gebieten eine ausgewählte Menge ausgewählter Tiere erschießen. Diese Aufgabe ist in der vergangenen Saison erstmals günstiger gewesen: Die Kosten der "Verwaltungsabgabe" liegen in Münster bei 35 Euro für ein Jahr, 50 Euro für zwei Jahre, 65 Euro für drei Jahre. Die frühere Jagdabgabe (135 Euro) entfielt erstmals – durch einen Gerichtsbeschluss des Oberverwaltungsgerichtes

Heftige Kritik an Jagd: Tierschützer klären auf

Dass die Anzahl der Jäger bundesweit zunimmt, sie wenig Geld für ihre Erlaubnis ausgeben müssen und sich ihre Handlungen mit dem Tierschutz begründen regt die gemeinnützige Organisation PETA seit Jahren auf. Sie haben deshalb auch die zehn größten Jagdmythen aufgelistet

"Aktuellen wissenschaftlichen Studien und Stellungnahmen renommierter Wildbiologen zufolge ist die Jagd unnötig und sogar kontraproduktiv. Dennoch werden allein in Deutschland jährlich zwischen vier und fünf Millionen Wildtiere, überwiegend von Hobbyjägern, getötet", betonen die Aktivisten. Sie machen mit radikalen Aktion regelmäßig auf das Leid der Tiere aufmerksam, beispielsweise als PETA in der Innenstadt von Münster den grausamen Anblick eines gegrillten Hundes zeigte

Jagd in Münster: Nabu kritisiert Tier-Trophäen

Der Naturschutzbund (NABU) geht ruhiger vor, argumentiert aber in die gleiche Richtung, wenn er fragt, ob Jagd und Naturschutz vereinbar sind. Die Antwort: "Es gibt Situationen, in denen die Bejagung einer bestimmten Art notwendig erscheinen mag." Beispielsweise, wenn eine natürliche Verjüngung des Waldes nicht möglich ist, weil die Tiere alle jungen Bäume anfressen. 

Doch um das Problem zu lösen, könnten auch Zäune und Schutzmaßnahmen errichtet werden. Zudem sieht die Organisation ein Problem in den "Trophäen", die aus den erschossenen Tieren gemacht werden: "Diese sind kein Grund, ein Tier zu töten." Deshalb bleibt die Jagd wohl auch in den kommenden Jahren heftig in der Kritik, solange weiter Tiere geschossen werden. 

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