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Ein Einhorn auf dem Wohnungsmarkt: Warum die Mieten in Münster so teuer sind

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Eine zentrale Wohnung mit drei Zimmern, Balkon und 80 Quadratmetern für 1000 Euro warm? In Münster ist ein solches Angebot gleichzustellen mit der Sichtung eines Einhorns, meint unsere Autorin.

Wer in Münster auf der Suche nach einer Wohnung ist, weiß um die Problemstellen des Marktes. 80 Quadratmeter für 1000 Euro? Kaum vorstellbar. – Ein Kommentar von Stefanie Masuch. 

Münster – 310.000 Einwohner, davon 45.000 Studenten – Tendenz steigend. Wer hier auf der Suche nach einer neuen Wohnung ist, braucht einen langen Atem. Denn ein Objekt zu finden, das nicht nur bezahlbar ist, sondern auch gefällt, kann dauern. 

Die Miete soll nach der Faustregel nicht mehr als ein Drittel des Gehalts betragen. In Münster ist das ein Ding der Unmöglichkeit – außer für Topverdiener. Theoretisch kostet der Quadratmeter in der Domstadt laut Mietspiegel durchschnittlich 10,96 Euro. Das ergäbe bei einer Drei-Zimmer-Wohnung von 80 Quadratmetern 876,80 Euro Kaltmiete. 

Darüber würden sich viele freuen, tatsächlich erfüllen jedoch nur die wenigsten Vermieter diesen Preis. Schließlich sei die Wohnung vor fünf Jahren renoviert worden, sie liege nur einige Kilometer von der Promenade entfernt und es gebe Dielenboden. Qualität hat schließlich ihren Preis – und Lage sowieso. Dafür reicht das Einkommen nicht aus? Das macht dem Vermieter nichts: Irgendjemand wird den Preis schon bezahlen – so viel ist in Münster sicher. 

Münster: Ein Paradies für Vermieter

Eine zentrale Wohnung mit drei Zimmern, Balkon und 80 Quadratmetern für 1000 Euro warm? In Münster ist ein solches Angebot gleichzustellen mit der Sichtung eines Einhorns. Wer hier vermietet, weiß: Potenzielle Bewohner werden ihm die Immobilie aus den Händen reißen. 

Deshalb sind die Mieten in Münster seit 2010 um 30 Prozent gestiegen (Stand 2018). Das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig eine Anpassung der Gehälter der Domstädter. 

Bezahlbarer Wohnraum ist in Münster Mangelware.

Miete ist nicht nur im Zentrum von Münster hoch

Den Münsteranern bleibt die Wahl: Entweder sie geben die Hälfte ihres Geldes für Wohngeld aus, oder sie machen Abstriche – je nach persönlicher Vorliebe. Studenten können gleich mal zwei Drittel ihres Budgets einplanen. 

Selbst Wohnungssuchende, die keinen Wert auf Zentrumsnähe legen und sich in Hiltrup, Gievenbeck oder Roxel umschauen, werden überrascht. Denn auch hier sind die Mieten gestiegen: Die Unterschiede zum Preisniveau im Innenstadtgebiet in Münster müssen mit der Lupe gesucht werden. 

Warum sind die Mieten in Münster so teuer? 

Doch warum sind die Mieten in Münster so teuer? Dafür gibt es zwei Gründe. Punkt eins: Münster ist eine Universitätsstadt. Regelmäßig kommen neue Menschen in die Domstadt, die nur für eine begrenzte Zeitspanne hier leben. Das bedeutet für den Vermieter, dass er problemlos alle paar Jahre den Mietpreis erhöhen kann.

Punkt zwei: In den letzten Jahren ist die Zahl der Haushalte gestiegen, denn es wohnen immer mehr Menschen alleine. Das bedeutet, es werden auch mehr Wohnungen gebraucht. Diese sind in Münster aber Mangelware – und was knapp ist, ist mehr wert. 

Neubau könnte Miete in Münster senken – theoretisch

Das Einzige, was der Preisstruktur auf dem Mietmarkt der Domstadt entgegensetzen kann, sind Neubauten. Da diese jedoch auch auf dem neuesten Stand der Technik sind, sind sie meistens auch nicht gerade günstig – die Reichen bauen für die Reichen, wie der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, Ulrich Ropertz, der "Zeit" sagte. 

Aber so läuft der Hase namens Kapitalismus nun mal: Solange die Menschen in Münster bereit sind, ein Vermögen für das Wohnen auszugeben, werden die Vermieter es auch verlangen. Deshalb ist auch keine Senkung der Kosten in Sicht. Somit bleibt der Traum von der schönen, zentralen 3-Zimmer-Wohnung mit Balkon und Wohnküche der Autorin vorerst genau das: ein Traum. 

Angebot und Nachfrage – in Münster ein Teufelskreis auf dem Wohnungsmarkt.

Münster gilt für viele Bewohner als lebenswerteste Stadt der Welt – dafür gibt es mindestens fünf Gründe. Im Hansaviertel sollte das Hafencenter neu gebaut werden. Die Arbeiten wurden nun jedoch eingestellt, da entsprechende Genehmigungen fehlen. Erst kürzlich wurde das Hansaviertel in Münster mit bunter Kunst dekoriert – lesen Sie, was es mit den lila und pinken Klebebändern auf sich hat.

Auf der Suche nach einer Lösung zur Entspannung des Wohnungsmarktes in der Stadt schlägt nun der Mieterverein vor, in Münster einen neuen Stadtteil zu bauen. Auch der FDP gefällt diese Idee. 

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