Barbecue mit Vierbeiner

Grausamer Anblick: Hund wird in der Innenstadt gegrillt – das steckt dahinter

Auf dem Domplatz in Münster wird am Mittwoch ein Hund gegrillt.
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Auf dem Domplatz in Münster wird am Mittwoch ein Hund gegrillt.

Ein knusprig gebratener Hund – diesen Anblick bekommen Passanten am Mittwoch in der Innenstadt von Münster zu sehen. Erfahren Sie, was es damit auf sich hat. Mit einem Kommentar von Lea Wolfram.

Münster – Mitten in der Innenstadt steht ein Grill. Darauf liegt ein Hund. Am Kopf ist noch Fell übrig, der restliche Körper des Vierbeiners ist kahl geschoren – und schon gut durch: Die Haut sieht knusprig gebraten aus. Dahinter steht ein Grillmeister mit Schürze, wie bei einem klassischen Barbecue.

Ein schockierender Anblick, der mit Sicherheit nicht nur für Hundebesitzer schwer zu ertragen ist. Doch genau das möchte PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) mit dieser Aktion erreichen: Die Tierschutzorganisation macht mit diesem drastischen Schauspiel auf das aktuell stattfindende Hundefleisch-Festival in China aufmerksam.

"Alle Tiere leiden gleich": PETA mit provokanter Aktion in Münster

Der Hund, den PETA in Münster auf den Grill legt, ist natürlich nicht echt: Es handelt sich um eine Attrappe. Die Tierrechtler wollen mit ihrer Aktion auf die grausame Praxis in China aufmerksam machen: Seit zehn Jahren findet das sogenannte Hundefleisch-Festival in der chinesischen Stadt Yulin bereits statt. Immer Ende Juni, zur Zeit der Sommersonnenwende, werden bei dem mehrtägigen Fest jedes Jahr etwa 10.000 Hunde geschlachtet und gegessen. Auch einige Katzen landen auf den Tellern.

Doch PETA verurteilt bei ihrer Aktion in Münster nicht nur das Schlachten von Hunden: "Es macht keinen Unterschied, ob das Fleisch auf unseren Tellern von einem Huhn, Rind oder Hund stammt – denn alle Tiere leiden gleich", schreibt Jens Vogt, Aktionskoordinator bei PETA, in der Pressemitteilung. 

Drastische Aktion: Mittwoch in der Innenstadt von Münster

Am Mittwoch (26. Juni) findet die drastische Schau von PETA statt. Die Tierrechtler stellen ihren Hundegrill mitten auf dem Domplatz auf und laden Interessierte dazu ein, mit ihnen zu den Themen Tierschutz und Ernährung ins Gespräch zu kommen. Zudem haben die Tierschützer einige Vorschläge parat, was man denn sonst noch so alles grillen könnte – dann aber fleischlos.

  • Wann? Mittwoch (26. Juni), 12.15 bis 13.30 Uhr
  • Wo? Domplatz in Münster

Auch in der msl24.de-Redaktion sind Tier- und Klimaschutz wichtige Themen. So hat unsere Redakteurin Lisa mittlerweile "die Schnauze voll": Im ersten Teil ihrer Klima-Kolumne wendet sie sich in Sachen Klimawandel an die Öffentlichkeit. Wer noch mehr Warnzeichen braucht, sollte sich im Rahmen des Klimawandels mit dem "Earth Overshoot Day" auseinandersetzen – und sich festhalten. 

Ob Hund oder Schwein – wir müssen über's Fleisch reden. Ein Kommentar.

Das Hundefleisch-Festival in China wird von Tierschutzorganisationen weltweit scharf verurteilt – vor allem natürlich in Ländern, in denen der Verzehr von Hundefleisch unüblich ist. Dabei stand auch in einigen Regionen Deutschlands der Hund noch im vergangenen Jahrhundert auf der Speisekarte, zum Beispiel in Chemnitz oder München.

Viele Menschen können Tierquälerei kaum ertragen. Dies bekunden sie oft lauthals in den Sozialen Medien unter schockierenden Fotos oder Videos. Gleichzeitig sehen sie jedoch bei Nutztieren wie Schweinen oder Kühen weg – und essen ihr Fleisch. Dies wird auch als "meat paradox" bezeichnet, als Widerspruch beim Umgang mit Fleisch.

Aber es fällt ebenso unter den Begriff des "Speziezismus". Damit ist gemeint, dass manche Tierarten als "weniger wertvoll" oder achtenswert angesehen werden: Bei einem Hund auf dem Grill ist das Entsetzen groß – aber Würstchen oder Steak von Schwein und Rind dürfen bei keinem Grillabend fehlen. Und wir Menschen sind sowieso die Krone der Schöpfung. Wir sind moralisch überlegen. Deswegen schreddern wir auch noch immer Küken. Einfach deswegen, weil sie für uns keinen Nutzen darstellen.

Das "meat paradox": Mit Spanferkeln haben die meisten Menschen wohl kein Problem. Doch man stelle sich einen Hundewelpen am Spieß vor.

Und: Die massenhafte Produktion tierischer Lebensmittel zerstört unseren Planeten. Die Fleisch- und Agrarindustrie überdüngen die Böden und verunreinigen so das Grundwasser. Auch hier in Deutschland, weshalb die EU uns bereits wegen zu hoher Nitratwerte verklagt hat. Als dann strengere Düngegesetze beschlossen werden sollten, gingen bei einer Demo in Münster rund 6000 Bauern auf die Barrikaden.

Zudem ist der CO2-Ausstoß bekanntlich enorm: "Die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne kommen mit ihren kombinierten CO2-Emissionen sogar auf einen höheren Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen als Ölmultis wie Shell oder ExxonMobil", berichtete kürzlich die taz

Auch die große Menge an Antibiotika, die in der Massentierhaltung eingesetzt werden, stellen eine ernsthafte Bedrohung für unser Leben dar: Wir schaffen uns selbst nach und nach immer mehr multiresistente Keime, gegen die irgendwann kein Medikament mehr hilft. So kann es auf Dauer nicht weitergehen, denn irgendwann kollabiert das System und wir können uns nicht mehr gegen Krankheitserreger schützen.

Deshalb: Ob nun Hund oder Schwein oder Rind oder Huhn – Wir müssen wirklich dringend über's Fleisch reden. Und wir müssen die Massentierhaltung abschaffen. Wenn wir unseren Fleischkonsum und den Verzehr anderer tierischer Produkte nicht drastisch reduzieren, nehmen wir schwere Krankheiten, ein zerstörtes Klima und  weiterhin hunderte Millionen gequälter Tiere in Kauf. Vehementen Vegetarier-Kritikern und notorischen Fleisch-Liebhabern sollte bewusst sein: Am Ende zerstören wir uns mit diesem Verhalten nur selbst – und den Planeten gleich mit. 

Protestiert wird auch im August wieder: Tierrechtler riefen zur Demo gegen das Turnier der Sieger in Münster auf. Übrigens wurde vor Kurzem die Jagdstatistik für die Saison 2018/2019 veröffentlicht: Jäger haben mehr als 5000 Tiere in Münster getötet, überwiegend Krähen, Rehe und Kaninchen. 

Wohin Massentierhaltung führen kann, zeigt dieser Bericht: Im September 2019 filmten Tierschützer heimlich die Zustände in vier Schweineställen im Kreis Steinfurt – die Aufnahmen sind beängstigend. Erneut wurde Peta aktiv: Gemeinsam mit dem Tierheim Ahlen wurden elf Hunde aus einem Hof gerettet. Sie waren in schrecklichem Zustand.

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