Prozess rückt näher

Kindesmissbrauch in Münster: Erschreckende Details bekannt – Anklage gegen mehrere Personen erhoben

Mehrere Beschuldigte müssen sich demnächst in Münster (NRW) wohl in einem Prozess verantworten. Ihnen wird Kindesmissbrauch vorgeworfen.

  • In Münster (NRW) soll ein Kind von mehreren Personen missbraucht worden sein.
  • DIe Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.
  • Im Fokus der Ermittlungen steht Adrian V. (27).

Update: 15. September. Mittlerweile erhob die Staatsanwaltschaft Münster Anklage gegen einen weiteren Verdächtigen in dem Missbrauchsfall. Ein 53-Jähriger soll den Ziehsohn von Adrian V. ebenfalls missbraucht haben. Der Tatverdächtige gestand die Tat.

Erstmeldung: 4. September. Münster (NRW) – Gegen insgesamt fünf Beschuldigte hat die Staatsanwaltschaft Münster bei der Jugendschutzkammer des Landgerichts Anklage erhoben. Im Zeitraum von 2018 bis Anfang Mai 2020 sollen die Beschuldigten mehrfach ein Kind sexuell missbraucht haben. Wo sich die Taten zugetragen haben, ist nicht bekannt.

StadtMünster
Einwohner310.039
BundeslandNRW

Kindesmissbrauch in Münster (NRW) – Staatsanwaltschaft beschuldigt fünf Personen

Erst kürzlich gab es in dem Missbrauchsfall von Münster zwei Festnahmen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft richten sich aber weiterhin überwiegend gegen den 27-jährigen Münsteraner Adrian V. Seine 45 Jahre alte Mutter steht ebenfalls im Verdacht an dem Kindesmissbrauch beteiligt gewesen zu sein. Des Weiteren werden voraussichtlich ein 30-jähriger Mann aus Staufenberg, ein Hannoveraner (35) und ein 42-Jähriger aus Schorfheide auf der Anklagebank Platz nehmen müssen.

Dem Angeschuldigten aus Münster wird vorgeworfen, bei 26 unterschiedlichen Gelegenheiten an nicht bekannten Orten schwere sexuelle Missbrauchshandlungen zum Nachteil des im Oktober 2009 geborenen Sohnes seiner Lebensgefährtin begangen zu haben“, hieß es in einer Pressemitteilung der Polizei Münster am heutigen Freitag (4. September). Die Übergriffe auf den zehnjährigen Jungen sollen im November und Dezember 2018 sowie im Januar und März 2019 geschehen sein. Dies ergibt sich aus den Daten, die aus dem Laptop des Hauptangeklagten stammen.

Münster (NRW): Adrian V. soll Videos von seinen Missbrauchstaten erstellt haben

Auf der Festplatte des Rechners fanden die Ermittler Videos und Fotos, die der Angeklagte offenbar von seinen Missbrauchstaten erstellt hat. Über das sogenannte Darknet soll Adrian V. aus Münster die Daten an bislang unbekannte Personen übermittelt haben. Außerdem soll er seinen Stiefsohn weiteren Männern angeboten haben, die das Kind ebenfalls missbraucht haben sollen.

Im Mai 2019 soll der Angeschuldigte aus Münster gemeinsam mit dem Sohn seiner Lebensgefährtin nach Köln gefahren sein, um sich dort mit einem 41 Jahre alten Mann zu treffen“, so die Ermittler weiter. Kennengelernt haben sich die beiden Männer offenbar über eine pädophile Chatplattform. Bei dem Treffen sollen sich die Verdächtigen gemeinsam an dem Jungen vergangen haben.

Missbrauchsfall von Münster (NRW): Details zu den übrigen Angeklagten

Wann und wo der 27-Jährige seine mutmaßlichen Mittäter aus Hannover, Staufenberg und Schorfheide kennengelernt hat, konnte bislang noch nicht festgestellt werden. Der Mann aus Staufenberg ist zweifacher Vater. Die vier Angeklagten sollen sich in der Zeit vom 24.. April bis zum 26. April 2020 in einer Gartenlaube in Münster getroffen haben.

Die Gartenlaube in einer Kleingartensiedlung in Münster (NRW) wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt.

Zu diesem mehrtägigen Treffen soll der Staufenberger seinen fünfjährigen Sohn und Adrian V. aus Münster den zehn Jahre alten Sohn seiner Lebensgefährtin mitgebracht haben. Nach Bewertung der Staatsanwaltschaft war das alleinige und zuvor vereinbarte Ziel der Zusammenkunft, die beiden Kinder über mehrere Tage schwer sexuell zu missbrauchen. Die angeklagten Missbrauchsgeschehnisse sollen zum Teil in kurzer zeitlicher Abfolge und zugleich über mehrere Stunden gemeinschaftlich stattgefunden haben.

Münster (NRW): Adrian V. soll seinem Stiefsohn vor dem Missbrauch Medikamente verabreicht haben

Nach Angaben der Polizei Münster besteht der Verdacht, dass Adrian V. dem zehn Jahre alten Jungen in der Nacht vom 24. auf den 25. April sowie am späten Abend des 25. April ein Getränk gegeben hat. In dem Drink könnten sich möglicherweise KO-Tropfen (bzw. Liquid Ecstasy) befunden haben. Das Kind war zum Zeitpunkt des Missbrauchs möglicherweise nicht bei Bewusstsein.

Der Mutter des Angeschuldigten aus Münster gehörte diese Gartenlaube. Ihr wird Mittäterschaft vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie von dem Kindesmissbrauch gewusst hat. In den Abendstunden des 3. Mai 2020 sollen sich der Angeschuldigte aus Münster und der Angeschuldigte aus Hannover in derselben Gartenlaube erneut zusammen mit dem zehnjährigen Jungen aufgehalten haben. Wieder soll das Kind KO-Tropfen verabreicht bekommen haben, bevor es abermals sexuell missbraucht wurde. Der Mann aus Staufenberg soll sich zudem offenbar im Jahr 2018 an seiner eigenen Tochter vergangen haben.

Landgericht Münster entscheidet über Zulassung der Anklage

Die fünf Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft. Sie haben sich nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Im Gegensatz zu Adrian V. aus Münster sind seine mutmaßlichen Komplizen nicht vorbestraft. In der Gartenlaube haben die Ermittler belastendes Videomaterial mit einer geschätzten Länge von rund 30 Stunden sichergestellt. Die Kamera befand sich oberhalb eines Bettes in der Laube. Details der angeklagten Missbrauchsvorwürfe werden nicht genauer geschildert, um die Opfer zu schützen.

Der zehnjährige Junge aus Münster sowie die Kinder des Mannes aus Staufenberg befinden sich in der Obhut der zuständigen Jugendämter. Gegenstand der Ermittlungen ist weiterhin auch der Aspekt, ob sich die Mütter der mutmaßlich missbrauchten Kinder strafbar gemacht haben könnten. Bei Adrian V. aus Münster geht die Staatsanwaltschaft bisher von insgesamt 31 Taten aus. Der Hannoveraner soll sich wegen vier und der Mann aus Staufenberg wegen insgesamt 7 Missbrauchsfällen vor Gericht verantworten. Dem Mann aus Schorfheide werden drei Taten zugeschrieben. Das Landgericht Münster entscheidet darüber, ob es zum Prozess kommt oder nicht. Wir berichten weiter.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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