Hauptangeklagter schuldig gesprochen

Kindesmissbrauch in Münster: Tränen im Gerichtssaal – der letzte Prozesstag gegen "Jizzo"

Am letzten Tag im Kindesmissbrauchs-Prozess wurden in Muenster die Urteile gesprochen.
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Am letzten Tag im Kindesmissbrauchs-Prozess wurden in Münster die Urteile gesprochen.

Drei Monate wurde am Landgericht Münster gegen drei Männer verhandelt: Sie sollen mehrere Kinder zum Teil schwer sexuell missbraucht haben. Jetzt wurden die Urteile gesprochen.

  • Urteil im Prozess wegen Kindesmissbrauch gefallen
  • Drei Monate nach Prozessbeginn
  • Hauptangeklagter "Jizzo" muss ins Gefängnis

Update: 25. November. 16.40 Uhr. "Unglaublich", flüsterte eine Besucherin im Saal 023 am Landgericht vor sich hin, kurz nachdem die Strafe bekannt wurde, die Johannes J. aus Münster am heutigen Montag (25. November) erhielt. Viele der anwesenden Personen, die zur Urteilsverkündung gekommen waren, hatten sich vermutlich ein härteres Strafmaß erhofft. 

Nachdem die Richterin der hohen Strafkammer in Münster die Strafe in Worte fasste –fünf Jahre und drei Monate Haft wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und der Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern – brach der Hauptangeklagte Johannes J. in Tränen aus, die er sich mit einem Taschentuch vom Gesicht wischte. Wegen seiner Taten wird er die kommenden Jahre nicht mehr in Freiheit leben.

Zum letzten Prozesstag in Münster waren erneut einige Besucher zum Landgericht gekommen. Es waren jedoch weitaus weniger als noch zum Prozessbeginn, als der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz belegt war. Die Öffentlichkeit wurde während der vielen Verhandlungstage stets vom Prozess ausgeschlossen – zur Urteilsverkündung durfte sie erstmals während des gesamten Zeitraums sitzen bleiben. Dabei mussten die Zuschauer sich auch die schlimmen Details anhören, die im Rahmen der Urteilsverkündung vorgetragen wurden und somit erstmals an die Öffentlichkeit gelangten.

Es waren sieben Taten, für die "Jizzo" aus Münster verurteilt wurde und die er zwischen 2012 und 2019 begangen hatte. Die Richterin der großen Strafkammer zeichnete vom mittlerweile 39-Jährigen das Bild eines Mannes, für den Alkohol einen "Kultstatus" hatte und der sich stets ab Donnerstags das komplette Wochenende über mit seinem Kumpels betrank. Er habe sich über seinen Alkoholkonsum definiert, hieß es. Seine Schule hatte er bereits in frühen Jahren vernachlässigt – zu Hause bekam er die aggressive Art seines Vaters zu spüren.

"Jizzo" kannte alle seine fünf Opfer aus diversen Freizeitaktivitäten. 15 Jahre lang war er Trainer bei Borussia Münster, er hatte Hip-Hop-Projekte ins Leben gerufen und mit vielen Jugendlichen in einer Halle in Münster wöchentlich Fußball gespielt. Irgendwann begann Johannes J., der schon früh merkte, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt, sich einigen der Jungs zu nähern.

Bildergalerie: Schwerer Kindesmissbrauch – Urteil gegen "Jizzo" gefallen

 © Sohrab Dabir/msl24.de
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Das erste Opfer lernte "Jizzo" 2011 beim Fußballspielen in Münster kennen. Der Junge war zum damaligen Zeitpunkt zwölf Jahre alt. Neben ihm hat der 39-Jährige noch vier weitere Jugendliche missbraucht – zum Teil schwer. In zwei Fällen waren noch weitere Personen dabei, die sich ebenfalls an den Jungen vergangen haben.

Unter ihnen war auch der zweite Angeklagte, ein 52-Jähriger aus dem Kreis Warendorf. Der ehemalige Feuerwehrmann aus Ahlen kannte J. Sie pflegten ein sexuelles Verhältnis zueinander. Eines Tages kam es zum gemeinsamen Missbrauch eines Kindes. 

In einem anderen Fall, bei dem eine zweite Person in "Jizzos" Wohnung anwesend war, hatte es sich laut Aussage von J. um den dritten Angeklagten gehandelt – einen 50-Jährigen aus Münster. Dieser hatte jedoch von Beginn an seine Unschuld beteuert und nicht verstanden, wieso "Jizzo" ihn belastet hatte. Die beiden hatten in der Vergangenheit ein sexuelles Verhältnis zueinander gepflegt. Die Aussage eines der Opfer vor Gericht entlastete den Mann schließlich. Zudem hatte er ein Alibi für die Tatzeit. Er wurde am Montag freigesprochen.

Dass mehrere Opfer vor dem Landgericht in Münster aussagen mussten, war hauptsächlich dem 52-Jährigen aus dem Kreis Warendorf geschuldet. Er hatte sich zwar zu Beginn der Vernehmung auf die ihm vorgeworfenen Taten eingelassen – jedoch nicht in so weit, dass eine Aussage der Jugendlichen hätte erspart bleiben können. Die Richterin hob dies in ihrer Urteilsverkündung auch hervor. 

Der 52-Jährige habe sich erst zum Ende der Verhandlung hin komplett auf die Vorwürfe eingelassen, obwohl im zuvor "mehrfach goldene Brücken gebaut wurden". Die Aussagen seien den Jugendlichen vor dem Landgericht Münster sichtlich schwer gefallen. Dies hätte der Verurteilte verhindern können. Zugute kamen dem Mann dessen günstige Sozialprognose, dass er keine Vorstrafen hatte und sich schriftlich bei seinem Opfer entschuldigt hatte. Zudem hatte er angekündigt, Schadensersatz an den Jungen zu zahlen.

Johannes J. wird die kommenden fünf Jahre und drei Monate hingegen im Gefängnis verbringen. Die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Landgericht Münster zuvor sechseinhalb Jahre Haft gefordert. Auch deswegen wurde von einigen Besuchern das Urteil mit Unglauben zur Kenntnis genommen.

Für die große Strafkammer war jedoch das frühe Geständnis des Hauptangeklagten aus Münster von großer Bedeutung. Er zeigte während der Vernehmung und im Laufe des monatelangen Prozesses glaubhaft seine Reue und ersparte zwei Opfern die Aussage vor Gericht. "Jizzo" wurde jedoch vorgehalten, dass er seinen Status als "Idol", als das ihn die Opfer gesehen hatten, schamlos ausgenutzt hatte. 

Knapp eine Stunde dauerte die Urteilsbegründung der Richterin. Bis dahin waren die Tränen "Jizzos" wieder getrocknet. Sie kamen jedoch wieder zum Vorschein, als der letzte Prozesstag in Münster schließlich abgeschlossen wurde. Mit gesenktem Blick schaute er den Besuchern hinterher, die den Gerichtsaal verließen. Die Details der schlimmen Taten hatten Wirkung hinterlassen. Johannes J. hat nun fünf Jahre und drei Monate Zeit, über seine Verbrechen nachzudenken und darüber, welchen seelischen Schaden er bei seinen Opfern angerichtet hat.

In einer ersten Version des Textes wurden die Taten des Hauptangeklagten im Detail beschrieben. Die Passagen wurden mittlerweile entfernt.

Urteil am Landgericht Münster: "Jizzo" zu Freiheitsstrafe verurteilt

Erstmeldung: 25. November, 13.40 Uhr. Münster – Mit großer Spannung wurde der heutige Montag von vielen Menschen in der Domstadt erwartet. Nachdem sich seit Ende August drei Männer vor dem Landgericht Münster wegen Kindesmissbrauchs verantworten mussten, ging der Prozess nun zu Ende.

Die große Strafkammer des Landgerichts in Münster sprach vor wenigen Minuten den Hauptangeklagten Johannes J. – auch bekannt als "Jizzo" – schuldig. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Staatsanwalt hatte zuvor sechseinhalb Jahre gefordert.

Der zweite Angeklagte, ein 52-Jähriger aus dem Kreis Warendorf, erhielt eine Bewährungsstrafe, die auf zwei Jahre ausgelegt ist, nachdem er wegen des Missbrauchs an einem Kind schuldig gesprochen wurde. Der dritte Beschuldigte, ein 50-Jähriger aus Münster, wurde hingegen freigesprochen.

Ein anderer Prozess begann indes vor dem Landgericht Münster kürzlich: Eine Frau aus Steinfurt soll ihrem Kind täglich Methadon verabreicht haben. Zudem ging kürzlich ein dieser Prozess zu Ende: Ein Student aus Münster wurden wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Ihm wurden 120 Taten vorgeworfen.

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