Strafverfolgung

Wende nach Fall in Münster: Kindesmissbrauch soll wie Totschlag bestraft werden

Der Fall Adrian V. beschäftigt auch weiterhin die Politik. Nachdem in Münster ein Kindermissbrauchs-Ring aufgeflogen war, wurden härtere Strafen gefordert. Diese sollen nun wohl kommen.

  • In Münster flog ein Kinderporno-Ring auf.
  • Der Hauptverdächtige ist Adrian V. aus Münster.
  • Die Innenminister der Länder wollen Kindesmissbrauch wie Totschlag behandeln.

Münster – Mehrere Kinder hatten der 27-jährige Adrian V. und drei weitere Männer über Monate hinweg in einer Gartenlaube im Stadtteil Kinderhaus vergewaltigt. Der Fall aus der Domstadt brachte die Frage auf: Sind die Strafen in Deutschland für Kindesmissbrauch zu lasch?

Zunächst hatte sich Familienministerin Franziska Giffey (SPD) gegen härtere Gesetze ausgesprochen und dafür plädiert, den vorhandenen Strafrahmen bei Kindesmissbrauch voll auszuschöpfen. Wenige Tage später kündigte Justizministerin Christine Lambrecht hingegen an, nach dem Fall aus Münster härtere Strafen bei Missbrauch an Kindern durchsetzen zu wollen.

Münster

Bevölkerung

310.039

Fläche

302,9 km²

Münster: Missbrauch an Kindern soll wie Totschlag behandelt werden  

Nun zogen auch die Innenminister der Bundesländer nach. Die Innenministerkonferenz (IMK) hat sich in Erfurt darauf geeinigt, dass schwerer sexueller Missbrauch an Kindern wie in Münster künftig wie Totschlag eingestuft und die Strafen dementsprechend angepasst werden sollen. Der Vorstoß geht auf NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zurück.

In dem Beschlussvorschlag aus dem "Der Spiegel" zitiert, heißt es, dass schwerer sexueller Kindesmissbrauch "eine hohe kriminelle Energie sowie eine kinderfeindliche und menschenverachtende Gesinnung" darstelle. Dies sei daher "im Unrechtsgehalt mit einem Tötungsdelikt im Sinne des Paragrafen 212 des Strafgesetzbuches vergleichbar". Zudem sollen Täter wie Adrian V. aus Münster bei schweren Taten schneller in U-Haft geschickt werden können.

In der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus wurden monatelang mehrere Kinder vergewaltigt und zum Missbrauch angeboten.

Kindesmissbrauch in Münster sorgte für Entsetzen

"Wir brauchen ein klares Signal. Solche Verbrechen vernichten Leben", begründete Reul den Vorstoß. Der Missbrauchsfall in Münster hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Über Monate sollen der Hauptverdächtige Adrian V. und weitere Männer mehrere Kinder – darunter den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin – schwer misshandelt haben. Die Taten wurden von V. aufgezeichnet und im Darknet angeboten. Derzeit gibt es 18 Verdächtige. Darunter auch die Mutter des 27-Jährigen – sie war die Besitzerin der mittlerweile abgerissenen Gartenlaube in Kinderhaus und soll von den Taten gewusst haben. Inzwischen gab es im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Münster vier weitere Festnahmen. Alle Männer hatten das zehnjährige Hauptopfer missbraucht. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare