22-Jähriger und 55-Jähriger in Haft

Kindesmissbrauch in Münster: Zwei weitere Verdächtige festgenommen

Der Missbrauchsfall von Münster nimmt immer größere Dimensionen an. Nun gab es zwei weitere Festnahmen: Ein 55-Jähriger und ein 22-Jähriger haben ebenfalls von Adrian V. bereitgestellte Jungen missbraucht.

  • Die Polizei konnte zwei weiteren Verdächtige im Missbrauchskomplex Münster festnehmen.
  • Die Männer sollen von Adrian V. ein Kind zur Verfügung gestellt bekommen haben.
  • Der Fall nimmt immer größere Dimensionen an.

Update: 28. August. Zwei weitere Männer wurden im Zusammenhang mit dem Missbrauch in Münster festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft Köln berichtete, konnten ein 22-Jähriger und ein 55-Jähriger verhaftet werden. Sie sind in den Missbrauchsring von Adrian V. verstrickt.

Die Männer sollen eines der Opfer aus Münster missbraucht haben. Möglicherweise handelt es sich dabei um den 10-jährigen Stiefsohn von Adrian V. Ihnen wird zudem der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

Die Verhafteten stammen aus Erfurt und aus Pirna. Alle Fälle, die sich gegen bislang noch unbekannte Täter richten, hat die Staatsanwaltschaft Münster schon vor einigen Wochen an die Kollegen in Köln abgegeben. Die Spezialisten waren den Männern über die Auswertung von digitalen Spuren auf die Schliche gekommen.

Weitere Festnahme im Missbrauchsfall von Münster

Erstmeldung: 7. August. Münster/Saarbrücken/Köln – Seit Juni wird ein 27-Jähriger aus Münster beschuldigt, mehrere Kinder sowohl selbst sexuell missbraucht, als auch anderen Männern zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt zu haben. Die Ermittlung hat aufgrund der sichergestellten Datenmenge in den vergangenen Monaten immer größere Dimensionen angenommen.

Stadt Münster
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Am 4. September wurden neue Informationen zu den Missbrauchsfällen bekannt: Die Polizei hat heute neue erschreckende Details zum Kindesmissbrauch in Münster veröffentlicht und die Staatsanwaltschaft klagt mehrere verdächtige Personen an.

Missbrauchsfall aus Münster: Weiterer Täter identifiziert – 62-Jähriger verhaftet

Inzwischen gibt es in dem Fall aus Münster 22 Verdächtige, die des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigt werden. Elf von ihnen befinden sich in Haft. Erneut hat es jetzt Bewegung in der Ermittlung gegeben. Die Sonderkommission mit dem Namen „Rose“ konnte einen weiteren Mann identifizieren, der ein Kind von dem 27-Jährigen aus Münster zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Wie die WN berichten, handelte es sich dabei um den zehn Jahre alten Stiefsohn von Adrian V., der als Hauptopfer gilt.

Der Zugriff erfolgte am Mittwoch (5. August) in Saarbrücken. Dort wohnte ein 62-jähriger Franzose, der im Zuge verdeckter Ermittlungen lokalisiert wurde und gegen den ein Haftbefehl vorlag. Zuständig für den Einsatz war die Staatsanwaltschaft Köln, da der Missbrauch sich im Oktober 2018 in Pulheim ereignet hatte. Das teilte die Polizei Münster mit.

Drogen und Waffen bei Hausdurchsuchung gefunden – Staatsanwaltschaft Münster gibt Teil der Ermittlungen ab

Der Verhaftete hat zudem ein Haus in Frankreich, das von der ansässigen Polizei im Beisein deutscher Ermittler durchsucht wurde. Dort fanden die Beamten eine scharfe großkalibrige Waffe sowie eine Drogenplantage im Keller. Darüber hinaus konnte umfangreiches Datenmaterial gesichert werden, das von der BAO (Besondere Aufbauorganisation) „Berg“ gesichtet wird. Die zugehörigen Ermittler haben besonders viel Erfahrung mit Missbrauchsdelikten an Kindern und arbeiten insbesondere an dem Missbrauchskomplex aus Bergisch-Gladbach. Bislang gibt es keine Überschneidungen mit dem Fall aus Münster.

Die Staatsanwaltschaft Münster hat darüber hinaus einen großen Teil der Ermittlungen, in Form von nicht gesichtetem Datenmaterial, an die BAO „Berg“ abgegeben. Diese Task Force soll insbesondere digitale Spuren zusammenführen und durch diese Zusammenhänge weitere Täter identifizieren. Das Ziel sei es, weitere Namen von Beschuldigten zu erfahren, wie die Polizei mitteilt.

Die Gartenlaube, in der Adrian V. unter anderem seinen Stiefsohn zum Missbrauch anbot, wurde inzwischen von der Polizei abgerissen.

Nach Fall aus Münster: Politik fordert härtere Strafen für Kindesmissbrauch

Zuletzt hatte es vier Festnahmen auf einen Schlag gegeben: Nach der Aussage des Stiefsohns von Adrian V. aus Münster konnten weitere Verdächtige identifiziert werden. Als der Fall aus Münster in seiner Komplexität bekannt wurde, reagierte die Politik: Justizministerin Lambrecht forderte, Kindesmissbrauch mit gleicher Härte zu bestrafen wie Totschlag. Auch mehr Fachstellen für Präventionen werden gefordert.

Die Ermittler haben nun auch die Mutter des Opfers im Visier. Sie wollen prüfen, was die Frau über den Missbrauch in Münster gewusst hat. Ein anderer Missbrauchsfall wird nun am Landgericht behandelt: Ein Mann aus Drensteinfurt steht in Münster auf der Anklagebank, weil er sich 60 Mal an seiner eigenen Tochter vergangen haben soll.


In NRW steht in diesem Jahr die Kommunalwahl 2020 auf dem Programm: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn besuchte am Montagabend (31. August) die Stadt Münster, machte deutlich, dass er in der Corona-Pandemie kein Spaßverderber sein wolle und fand deutliche Worte bezüglich eines zweiten großen Lockdowns.  

Rubriklistenbild: © picture alliance/Guido Kirchner/dpa

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