Prozess am Landgericht Münster

Tag 4 im Missbrauchs-Fall: Verteidigung will Haftbefehl gegen Angeklagten aufheben

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Der 50-Jährige aus Münster sitzt seit Monaten in U-Haft. Die Verteidigung beantragte nun den Haftbefehl aufzuheben.

Wegen schweren Kindesmissbrauchs müssen sich drei Männer vor dem Landgericht verantworten, darunter auch Johannes J. – bekannt als "Jizzo". Am vierten Verhandlungstag mussten erneut zwei Opfer aussagen.

  • Prozess am Landgericht in Münster
  • Drei Männer wegen Missbrauchs angeklagt
  • Verteidigung beantragt Aufhebung des Haftbefehls

Update: 19. September. Nach acht Tagen wurde der Prozess um den schweren Kindesmissbrauch am Landgericht Münster fortgesetzt. Auch am vierten Verhandlungstag in Münster wurde die Öffentlichkeit nach wenigen Minuten ausgeschlossen. Der Opferschutz spielt für alle Beteiligte weiterhin eine wichtige Rolle. Der Hauptangeklagte Johannes J. zeigte sich während der wenigen öffentlichen Minuten emotional. Er kämpfte immer wieder mit den Tränen. 

Am Mittwoch (18. September) mussten erneut zwei mutmaßliche Opfer der drei Angeklagten vernommen. Die Kammer hatte nach der ersten Zeugenbefragung noch weitere Fragen – so mussten die Jungen zum wiederholten Male den schweren Gang in den Zeugenstand antreten.

Konkret ging es bei der Befragung um die Rolle, die der 50-jährige Angeklagte aus Münster spielt. Nach der Befragung der beiden Zeugen hat die Verteidigerin des Beschuldigten beantragt, den Haftbefehl gegen ihren Mandanten aufzuheben. Sie stellte zudem einen Antrag, um weitere Zeugen zu laden, die ihren Mandanten von den Vorwürfen belasten.

Der Angeklagte saß in den vergangenen Monaten in U-Haft – wie auch der 52-Jährige aus dem Kreis Warendorf und der in Münster bekannte Johannes J., auch bekannt als "Jizzo". Am kommenden Montag (23. September) wird der Prozess fortgeführt. Ein Urteil wird für den 26. September erwartet.

Münster: Eine Anklage aus Mangel an Beweisen eingestellt

Update: 10. September. Der Prozess um den schweren Kindesmissbrauch, der drei Männern vorgeworfen wird, ging in Münster in die nächste Runde. Am dritten Verhandlungstag wurden zwei weitere Zeugen geladen, um am Landgericht auszusagen. 

Der erste Zeuge, ein Polizist, war bei den Vernehmungen der drei Angeklagten zugegen. Gegenstand sen.

iner Aussagen waren auch am dritten Prozesstag nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Verhandlung fand erneut hinter verschlossenen Türen statt. Bei dem zweiten Zeugen handelt es sich um einen Bekannten des Hauptangeklagten Johannes J. 

Am Dienstag (10. September) wurde zudem eine weitere Entscheidung gefällt. Eine der Anklagen gegen "Jizzo" wurde aufgrund von Beweisschwierigkeiten eingestellt. Für die Gesamtstrafe sei der Fall zudem nicht von Bedeutung gewesen, sagte Gerichts-Pressesprecher Steffen Vahlhaus auf Anfrage. 

Des Weiteren werde einem der Opfer dadurch eine Aussage vor dem Landgericht in Münster erspart. Am 18. September (Mittwoch) wird der Prozess fortgeführt. 

Opfer müssen vor Gericht in Münster aussagen

Update: 9. September. Auch am zweiten Prozesstag um den Kindesmissbrauch fanden sich wieder Zuschauer am Landgericht Münster ein. Doch wie schon zum Auftakt wurden sie kurz nach Beginn von der Sitzung ausgeschlossen. Dem Hauptangeklagten Johannes J, auch bekannt als "Jizzo", werden acht Taten zur Last gelegt. Er soll zwischen 2012 und 2019 fünf Jungen missbraucht haben.

Da die beiden anderen Angeklagten (50 und 52) im Gegensatz zu "Jizzo" die Vorwürfe bestreiten, mussten am Montag (9. September) bereits zwei Kinder vor Gericht aussagen. Sie zählen zu den mutmaßlichen Opfern der beiden Mitangeklagten. Auch die Elternteile der Jungen mussten am zweiten Prozesstag aussagen. Ob weiteren Verlauf des Prozesses auch weitere Geschädigte der am Landgericht vernommen werden müssen, ist unklar. Sie waren zum Tatzeitpunkt zwischen 11 und 13 Jahre alt. 

Den mutmaßlichen Opfern des Hauptangeklagten könnte jedoch aufgrund seines Geständnisses eine Aussage erspart bleiben. Dies hofft vor allem Anwältin Julia Artmann-Eichler, die vier der Jungen als Nebenkläger vertritt. Der Prozess wird am Dienstag (10. September) in Münster fortgesetzt. Dann treten zwei weitere Zeugen sowie ein Polizist an den Zeugenstand.

Prozess in Münster: Hauptangeklagter räumt Taten ein

Update: 30. August, 16.20 Uhr. Der erste Prozesstag um den schweren Kindesmissbrauch ist beendet. Die Öffentlichkeit blieb auch im weiteren Verlauf von der Verhandlung in Münster ausgeschlossen. Eine Pressesprecherin des Landgerichts teilte gegenüber msl24.de jedoch mit, dass der Hauptangeklagte Johannes J. – auch bekannt als "Jizzo" – die ihm vorgeworfenen Taten wie zuvor schon während der Ermittlungen auch am Freitag vor Gericht überwiegend eingeräumt habe.

Der 38-Jährige soll fünf Jugendliche missbraucht haben. Die beiden anderen Angeklagten, ein weiterer Mann aus Münster (50) sowie ein 52-Jähriger aus dem Kreis Warendorf haben die Vorwürfe gegen sich vor Gericht hingegen nicht eingeräumt. Ihnen wird der Missbrauch an Kindern in je einem Fall zur Last gelegt. Wir berichten weiter.

Münster: Prozessauftakt wegen Kindesmissbrauch

Erstmeldung: 30. August, 11.30 Uhr. Münster – Das Interesse am Prozess um den schweren Kindesmissbrauch ist enorm. Als er am Freitag (30. August) im Gerichtssaal 23 am Landgericht beginnt, finden sich zahlreiche Zuschauer ein. 

Gegen 9 Uhr treten dann nacheinander drei Männer in den Raum. Sie sollen sich zwischen März 2012 bis Februar 2019 an mehreren Jungen vergangen haben. Als letzter der drei Angeklagten tritt Johannes J. – in Münster als "Jizzo" bekannt – in den Gerichtssaal. Als Hauptangeklagten gilt ihm in diesem Prozess die meiste Aufmerksamkeit. 

Münster: "Jizzo" als Hauptangeklagter im Missbrauchsfall

In Münster ist J. aufgrund seiner vielen Tätigkeiten bekannt, manche der Anwesenden kennen ihn sogar persönlich. Ihre Anspannung ist vor Prozessauftakt deutlich zu spüren. Auch der 38-Jährige scheint die erhöhte Aufmerksamkeit auf seine Person zu registrieren. Als die Angeklagten den Gerichtssaal betreten, ist nur noch das Geräusch der zahlreichen Fotoapparate zu hören. Viele Journalisten finden sich zum Prozessauftakt in Münster ein – mehr als man am Landgericht sonst gewohnt ist.

Prozessauftakt wegen Kindesmissbrauchs gegen drei Männer

 © Sohrab Dabir/msl24.de
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Mit leicht gesenktem Blick und bestimmtem Schritt geht "Jizzo" zur Anklagebank: Er setzt sich in die erste Reihe und faltet die Hände vor sich – als trage er Handschellen. Nur mit seiner Verteidigerin wechselt er einige Worte. Sein klarer Blick ist nach vorne gerichtet, den Blickkontakt mit den Kameralinsen meidet er. 

Schwere Vorwürfe wegen Missbrauchs in Münster 

J. soll fünf Jungen im Alter von 11 bis 13 Jahren sexuell missbraucht haben, zum Teil schwer. Im vergangenen März wurde er in seiner Wohnung in Münster festgenommen. Acht Taten werden ihm seitdem zur Last gelegt. Die Opfer kannte er aus seinem sozialen Umfeld: Er war als Sozialarbeiter, Fußballtrainer und Musiker tätig. Die Taten hat er während der Ermittlungen bereits gestanden. 

Hinter ihm auf der Anklagebank sitzen ein 50-jähriger Münsteraner sowie ein 52-Jähriger aus dem Kreis Warendorf. Letzteren soll "Jizzo" in den vergangenen Jahren mehrere Jugendliche zum sexuellen Missbrauch vermittelt haben. 

Einer der beiden anderen Angeklagten hält einen Ordner vor sein Gesicht. Erst als die Journalisten gebeten werden, das Fotografieren einzustellen, zeigt er sein Gesicht. Einen Teil verdeckt er jedoch weiterhin mit seiner Hand vor dem Mund.

Angespannte Stimmung am Landgericht Münster

Die Gefühlslage im Gerichtssaal in Münster lässt sich mit einer Mischung aus Betroffenheit und Abscheu beschreiben: Betroffenheit gegenüber den Jugendlichen, die wegen dieser drei Männer schreckliches durchmachen mussten. Abscheu gegen die Angeklagten, die den Kindern Leid zugefügt haben, das sie vermutlich ein Leben lang mit sich tragen werden.

Am ersten Prozesstag in Münster wurde dann bereits eine wichtige Entscheidung getroffen, die den Schutz der Betroffenen in den Vordergrund stellt: Die Öffentlichkeit wurde für die Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen. "Alleine durch die Nennung der Namen der Opfer wird ihre Intimsphäre verletzt", begründete die Richterin die Entscheidung.

Hitzige Debatte um Gerichtsentscheidung in Münster 

Es soll verhindert werden, dass die Opfer durch die Nennung ihrer Identität einen Nachteil in ihrem öffentlichen Umfeld erfahren. Die Staatsanwaltschaft unterstützte den Antrag ebenfalls. Die Entscheidung wurde bereits vor Prozessbeginn erwartet. Die Anklageschrift, welche die schrecklichen Details preisgibt, wird die Öffentlichkeit damit nicht zu hören bekommen.

Unter einigen Besuchern und Journalisten wird hitzig debattiert, welche Entscheidung die richtige sei. Ob die Öffentlichkeit in Münster zu einem späteren Zeitpunkt wieder zugelassen wird, ist nicht sicher – dies gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Kaum Details, nur Gerüchte: Prozess in Münster hinter verschlossenen Türen

Als die Besucher und Journalisten den Saal in Münster verlassen, blickt Johannes J. den Menschen mit leicht gesenktem Blick hinterher – seine Scham ist deutlich zu spüren. Vor dem Gerichtssaal machten sich Gerüchte breit, die drei Angeklagten würden sich vor Gericht gegenseitig belasten. Diese Information konnte jedoch weder bestätigt, noch dementiert werden. Der Prozess am Landgericht in Münster wird am 9. September fortgeführt.

Ein weiterer Mann aus Münster steht ebenso im Verdacht, Jugendliche missbraucht zu haben. Der Verdächtige wurde vor einigen Monaten von seiner Tätigkeit im "Gleis 22" freigestellt. Möglicherweise brachte Johannes J. die Ermittler auf dessen Fährte. Auch im Kreis Steinfurt wurde jüngst ein Missbrauchsfall bekannt. Dort soll sich ein Reitlehrer an einem Mädchen vergangen haben.

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