Ermittlungen

Missbrauchsfall in Münster: Neue Anklage gegen Hauptverdächtigen Adrian V.

Die Liste der mutmaßlichen Taten ist bereits lang – doch in dem Missbrauchsfall von Münster erheben die Ermittler einen weiteren schweren Vorwurf gegen den Hauptangeklagten Adrian V.

Münster – Schwer wiegen die Vorwürfe gegen Adrian V. aus Münster (NRW). Der IT-Fachmann soll zwischen November 2018 und März 2019 bei 26 Gelegenheiten den Sohn seiner Lebensgefährtin schwer missbraucht haben, insgesamt 31 Handlungen werfen ihm die Ermittler vor. Die Taten zeichnete der 27-Jährige auf Videos und Fotos auf und verbreitete diese anschließend über das Darknet – so lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Am 4. September hatte die Staatsanwaltschaft Münster bereits Anklage gegen Adrian V. erhoben – wegen Verdachts des schweren, teilweise gemeinschaftlich begangenen Missbrauchs von Kindern, wegen der vorgeworfenen Verabreichung des Mittels GBL (Gammabutyrolacton, auch als K.O.-Tropfen bekannt), wegen des Verdachts der mutmaßlich gemeinschaftlichen Vergewaltigung sowie gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil des damals zehnjährigen Jungen aus Münster*. Nun kommen jedoch weitere Anschuldigungen hinzu, wie msl24.de* berichtet.

Stadt:Münster
Einwohnerzahl:315.293
Bundesland:NRW

Kindesmissbrauch in Münster: Weitere Anklage gegen Adrian V. erhoben

Der Angeklagte soll weiteren Tatverdächtigen den Missbrauch an dem Kind ermöglicht haben, so der bereits bestehende Vorwurf der Staatsanwaltschaft Münster. Weitere Männer aus Hannover, Schorfheide und Staufenberg sind ebenfalls wegen schweren Missbrauchs des damals zehnjährigen Jungen angeklagt. Erst vor wenigen Wochen war im Missbrauchsfall von Münster zudem Anklage gegen einen Tatverdächtigen (53) aus Norderstedt erhoben worden.*

Laut Ermittlern habe Adrian V. im Herbst 2019 das Kind auch zu einem Treffen nach Hannover mitgenommen. An diesem habe ein weiterer Tatverdächtiger (50) aus Hannover teilgenommen. In der Wohnung eines weiteren Angeklagten soll der 50-Jährige den Ziehsohn von Adrian V. schwer missbraucht haben. „Diese vorgeworfene Tat soll der Angeschuldigte aus Münster gebilligt und nicht verhindert haben“, heißt es dazu von der Staatsanwaltschaft Münster.

Auch in dieser Gartenlaube in Münster hat Adrian V. Kinder zum Missbrauch angeboten haben.

Adrian V. aus Münster: Beihilfe zu Kindesmissbrauch durch Unterlassung

Am Donnerstag (8. Oktober) wurde deswegen erneut Anklage erhoben: Da Adrian V. seit 2013 mit der Mutter des Kindes liiert war und den Missbrauch an dem Jungen durch den 50-jährigen Mitangeklagten nicht verhindert hat, folgt nun ein zusätzliches Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft Adrian V. Beihilfe zum schweren Missbrauch durch Unterlassen vor, wie es in der Presseerklärung heißt.

Auch wenn der Angeschuldigte und die Kindesmutter über unterschiedliche Meldeanschriften verfügten und sich zumindest phasenweise auch an diesen verschiedenen Wohnanschriften aufhielten, übernahm der Angeschuldigte mit Einverständnis der Mutter faktisch die Vaterrolle für ihren Sohn. [...] Diese vorgeworfene Tat soll der Angeschuldigte aus Münster gebilligt und nicht verhindert haben. Hierzu wäre er nach rechtlicher Bewertung der Staatsanwaltschaft aufgrund des ihm von der Kindesmutter seit Jahren entgegen gebrachten Vertrauens und seiner daraus resultierenden Verantwortung für den Jungen verpflichtet gewesen.

Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Münster

Missbrauchsfall in Münster: Verfahren durch weitere Anklagen erweitert

Die Staatsanwaltschaft Münster erhob am Donnerstag (8. Oktober) zudem Anklage gegen den 50-jährigen Hannoveraner wegen des Verdachts des schweren Missbrauchs des damals Zehnjährigen. Sie beantragte laut Presseerklärung zudem, die neuen Anklagen mit dem bereits in die Wege geleiteten Verfahren gegen Adrian V. und dessen Mitangeklagte zu koppeln. „Der bislang nicht vorbestrafte Angeschuldigte aus Hannover und der Mitangeschuldigte haben sich zu den Vorwürfen nicht geäußert“, berichtet die Staatsanwaltschaft weiter. Die mutmaßlichen Täter befänden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Fraglich bleibt derweil noch immer, wie viel die Mutter des Opfers aus Münster über den Missbrauch wusste.*(*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Guido Kirchner/dpa

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