Gerichtsverfahren

Prozess um Missbrauchskomplex Münster: Angeklagte schweigen vor Gericht

Menschliche Abgründe taten sich auf, als im Juni 2020 der Missbrauchskomplex von Münster aufgedeckt und öffentlich gemacht wurde. Am dritten Prozesstag wurde die Öffentlichkeit erneut ausgeschlossen.

Update: 19. November. Der dritte Tag im Missbrauchsprozess von Münster startete am Donnerstag. Der Großteil der Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Heute wurden ersten Zeugen gehört, darunter die Polizisten, die an der Durchsuchung bei dem Hauptbeschuldigten Adrian V. beteiligt waren.

Wie die WN berichten, wurde im Gerichtssaal eine Leinwand aufgehängt. Dort könnte im Verlauf des Prozesses noch Videomaterial gezeigt werden, das für den Fall relevant ist. Adrian V. aus Münster wird des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigt. Mit ihm vor Gericht steht außerdem seine Mutter und drei weitere Männer, die sich ebenfalls an Kindern vergangen haben sollen.

Ein Antrag auf den Ausschluss der Öffentlichkeit muss an jedem Verhandlungstag aufs Neue gestellt werden. Am Donnerstag wurde diesem vom Landgericht Münster stattgegeben, da die Zeugenaussagen sich auch auf die Sexualbereich des Angeklagten Adrian V. sowie auf die Intimsphäre der Opfer beziehen könnten.

Stadt:Münster
Einwohnerzahl:315.293
Bundesland:NRW

Münster – Prozess um Kindesmissbrauch: Angeklagte schweigen vor Gericht

Update: 13. November. Fünf Personen stehen seit Donnerstag (12. November) auf der Anklagebank am Landgericht Münster. Gegen vier Männer wird wegen schweren Kindesmissbrauchs verhandelt. Die Mutter des Hauptverdächtigen Adrian V. steht wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch vor Gericht. Am Freitag begann der zweite Prozesstag.

Am Tag zuvor kamen bereits erste grausame Details ans Licht: So soll die Mutter von Adrian V. ihrem Sohn per SMS „viel Spaß“ für den bevorstehenden stundenlangen Missbrauch seines Stiefsohnes gewünscht und am Morgen danach ihm und den drei anderen Männern, die das Kind vergewaltigt hatten, Frühstück gemacht haben. Am Freitag hatten alle Angeklagte in Münster die Möglichkeit, sich zu den schweren Vorwürfen zu äußern.

Doch davon haben die Beschuldigten allem Anschein nach keinen Gebrauch gemacht und schwiegen sich weiterhin aus – wie schon während der Ermittlungen. Falls die Angeklagten am Landgericht Münster weiter die Aussage verweigern sollten, droht den betroffenen Kindern der schwere Gang vor den Zeugenstand.

Im Rahmen des immer weiter ausufernden Missbrauchskomplexes hat es nun eine weitere Festnahme gegeben. Dabei handelt es sich um einen 35-Jährigen aus Heiligenhaus (Kreis Mettmann). Aus Chatverläufen mit dem Festgenommenen und Adrian V. ging hervor, dass dieser ebenfalls am Missbrauch des damals neunjährigen Jungen in der Gartenlaube in Münster beteiligt gewesen war. Des Weiteren soll er den Stiefsohn des Münsteraners auch in seiner Wohnung in Heiligenhaus missbraucht haben. Der Hauptverdächtige Adrian V. hatte das Kind über einen längeren Zeitraum anderen Männern zum Missbrauch angeboten. Am kommenden Dienstag (17. November) wird der Prozess fortgesetzt.

Der 27-Jährige Hauptangeklagte (vorne), seine Mutter (ganz hinten links) und ein dritter Angeklagter (roter Hefter) vor dem Prozessauftakt in Münster.

Münster: Erster Prozesstag zum schweren Kindesmissbrauch

Update: 12. November, 17 Uhr. Einen solchen Medienandrang hat es in Münster sicherlich lange nicht mehr gegeben. Das große öffentliche Interesse am Prozess um dem schweren Kindesmissbrauch war am Landgericht nicht zu übersehen. Auch wenn viele Besucher den Auftakt gerne mitverfolgt hätten, durften neben sieben Pressevertretern nur drei Zuschauer dem Prozessbeginn beiwohnen.

Hauptangeklagter in dem Prozess, dessen abscheuliche Taten selbst erfahrene Ermittler an die Grenzen des ertragbaren stoßen ließen, ist Adrian V. aus Münster. Der 27-Jährige soll den damals neunjährigen Stiefsohn seiner Lebensgefährtin in einer Gartenlaube in Kinderhaus mehrfach missbraucht haben – teilweise gemeinsam mit drei weiteren Männern, die ebenfalls am Donnerstag auf der Anklagebank saßen. Adrian V. soll den Jungen zudem im Auto tausende Kilometer durch Deutschland gefahren haben, um ihn anderen Männern für sexualisierte Gewalttaten anzubieten.

Alle Beschuldigten hielten sich beim Betreten des Gerichtssaals am Donnerstag Aktenordner und Mappen vor das Gesicht. Ihren Ausdruck wollten sie den anwesenden Personen am Landgericht in Münster nicht preisgeben. Kurz nach Prozessbeginn beantragten Verteidigung sowie die Nebenkläger den Ausschluss der Öffentlichkeit, dem die Richter zustimmten. Die grausamen Details, die in der Anklageverlesung zu hören waren, sollten zum Schutz der betroffenen Kinder nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Der Hauptangeklagte Adrian V. (vorne rechts) vor dem Prozessbeginn in Münster.

Neben dem damals neunjährigen Stiefsohn von Adrian V. sollen auch weitere Kinder Opfer des sexuellen Missbrauchs der vier Angeklagten gewesen sein. Bei der fünften Person auf der Anklagebank handelt es sich um die Mutter des Hauptverdächtigen. Sie war die Besitzerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus und soll gewusst haben, was sich in den Räumen abgespielt hat.

Zum 27. Geburtstag von Adrian V. soll dieser gemeinsam mit drei weiteren Männern den Neunjährigen über viele Stunden lang vergewaltigt und die Taten zum Teil gefilmt haben. Bevor die Mutter des Hauptangeklagten die Gartenlaube in Münster verließ, soll sie ihrem Sohn noch „viel Spaß“ gewünscht haben – wohl wissend, was sich in den Stunden darauf abspielen würde. Am Morgen, nachdem dem Kind die Gewalttaten angetan wurden, soll die Mutter in die Laube zurückgekehrt sein und den vier Männern ein Frühstück zubereitet haben.

In den bis Ende Februar angesetzten Prozesstagen in Münster werden noch viele weitere Details über die Taten von Adrian V. und der vier anderen Angeklagten ans Licht kommen – die jedoch vermutlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein werden. Ob sich die Beschuldigten zu den Vorwürfen äußern werden, ist bislang unklar. Davon wird auch abhängen, ob die Opfer möglichweise noch einmal aussagen müssen oder ob ihnen dies erspart bleibt.

Kindesmissbrauch: Prozess in Münster beginnt

Erstmeldung: 12. November, 10.20 Uhr. Münster – Am Landgericht in Münster startet am Donnerstag (12. November) im großen Missbrauchskomplex Münster der Prozess gegen den Hauptangeklagten Adrian V. (27) sowie vier weitere Mitangeklagte. Der IT-Fachmann soll dem damals neunjährigen Sohn einer Lebensgefährtin in den Jahren 2019 und 2020 wiederholt sexualisierte Gewalt angetan haben. Auch zwei weitere Jungen, damals 5 und 12 Jahre alt, sind unter den Geschädigten. Einige der Taten wurden gemeinschaftlich begangen. Adrian V. wird zudem vorgeworfen, die Taten aufgezeichnet und verbreitet sowie seinen Ziehsohn an andere Männer für Missbrauchstaten vermittelt zu haben.

Missbrauchskomplex Münster: Hauptprozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte

Neben dem 27-Jährigen müssen sich bei dem Hauptprozess am Landgericht in Münster vier weitere Angeklagte verantworten – unter anderem die Mutter von Adrian V. Ihr gehörte die mittlerweile abgerissene Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, einer der Haupt-Tatorte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte, die zum Zeitpunkt der Festnahme in einer Kita arbeitete, von dem Kindesmissbrauch gewusst habe. Ihr wird Beihilfe vorgeworfen.

Zudem werden im Hauptprozess drei weiteren Angeklagten sexualisierte Gewalttaten an Kindern vorgeworfen. Es handelt sich dabei um Männer aus Hannover (35), Staufenberg (30) und Schorfheide (42). Neben dem Ziehsohn von Adrian V. ist auch der damals fünfjährige Sohn des Angeklagten aus Staufenberg unter den Opfern der Gewalttaten. Der Junge sowie der damals Neunjährige Ziehsohn sollen unter anderem an einem Wochenende im April dieses Jahres von den vier angeklagten Männern in der Gartenlaube gemeinschaftlich schwer missbraucht worden sein.

Die Missbrauchstaten sollen unter anderem in dieser Gartenlaube in Münster verübt worden sein.

Missbrauchskomplex Münster: Fall nimmt immer größeres Ausmaß an

Es ist nach den jüngsten Missbrauchskomplexen von Lügde und Bergisch Gladbach einer der gravierendsten Fälle von sexualisierter Gewalt an Kinder in NRW. Rund 500 Terabyte an Daten, etwa 300.000 Stunden Videomaterial hatten die Beamten bei der Durchsuchung im Juni 2020 bei Adrian V. sichergestellt. Bei der Sichtung der Daten wurden die Ermittler aus Münster durch die Einheit für Cyberkriminalität der Staatsanwaltschaft Köln unterstützt. Und auch weiterhin nimmt der Fall immer größere Ausmaße an: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Ermittler aus Köln 19 weitere mutmaßliche Täter im Missbrauchsfall Münster ermitteln konnten.

Die mutmaßlichen Täter stammen aus ganz Deutschland sowie aus Österreich und Frankreich. 37 Verdächtige sind es mittlerweile. Zudem wurde nur einen Tag vor Beginn der Hauptverhandlung Anklage gegen zwei weitere Männer erhoben, die in den Missbrauchskomplex Münster involviert sein sollen. Der Hauptprozess gegen Adrian V. startet nun am Donnerstag um 13.30 Uhr am Landgericht in Münster. Es sind 30 Verhandlungstage angesetzt worden.

Landgericht Münster: Erster Prozess im Missbrauchsfall bereits gestartet

Der erste Prozess im Missbrauchsfall von Münster begann bereits eine Woche zuvor. Vor dem Landgericht Münster muss sich seit dem 3. November ein 53-Jähriger aus Norderstedt (Schleswig-Holstein) verantworten. Ihm wird vorgeworfen, den Ziehsohn von Adrian V. schwer sexuell missbraucht zu haben.

Der Angeklagte im Gerichtssaal im Landgericht in Münster.

Laut einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur ließ sich der Angeklagte vor Gericht auf die Vorwürfe ein – wie genau ist jedoch nicht bekannt. Die Anklageverlesung sowie die Aussage des 53-Jährigen liefen aus Gründen des Opferschutzes unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Laut der Staatsanwaltschaft Münster habe der Tatverdächtige jedoch bereits vor Prozessbeginn gestanden und zudem weitere Angeklagte belastet.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa-Pool/dpa

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