27-Jähriger in U-Haft

Kindesmissbrauch in Münster: Justizministerin will härtere Strafen durchsetzen

Ein 27-Jähriger missbrauchte in einer Gartenlaube in Münster mehrere Kinder. Justizministerin Christine Lambrecht will nun härtere Haftstrafen für die Täter bewirken.

  • In Münster wurden Kinder jahrelang in einer Gartenlaube von Männern missbraucht.
  • Hauptverdächtiger ist Adrian V. (27).
  • Justizministerin Christine Lambrecht schwenkte nun in der Debatte um härtere Strafen um.

Update: 15. Juni. Der Missbrauchsfall aus Münster hat über die Grenzen der Stadt hinaus für hohe Wellen gesorgt. Nachdem Stimmen laut wurden, die härtere Strafen für Täter wie Adrian V. forderten, schob Familienministerin Franziska Giffey den Forderungen zunächst einen Riegel vor. 

Nun hat sich Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) zu Wort gemeldet. Die 54-Jährige hat sich im Gegensatz zu ihrer Parteikollegin für härtete Haftstrafen bei Kindesmissbrauch wie in Münster ausgesprochen. "Ich habe mein Haus angewiesen, schnellstmöglich eine entsprechende Regelung vorzulegen", sagte die SPD-Politikerin im ZDF-"heute journal".

Lambrecht ist überzeugt, dass die nötigen Schritte schnell eingeleitet würden. Zuvor hatte die CDU gefordert, dass Kindesmissbrauch in jedem Fall als Verbrechen eingestuft wird und auch der Besitz von kinderpornographischem Material härter bestraft werde. Nachdem die Justizministerin die Forderungen des Koalitionspartners zunächst abgeblockt hatte, schwenkte sie in der Debatte nun doch um, die durch den aufgedeckten Fall in Münster ins Rollen kam. Inzwischen gab es im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Münster vier weitere Festnahmen. Alle Männer hatten das zehnjährige Hauptopfer missbraucht. 

"Späte Einsicht ist besser als keine", sagte der CDU-Rechtsexperte Patrick Sensburg (CDU) gegenüber der Bild-Zeitung. "Wir sollten die Strafverschärfung jetzt unverzüglich auf den Weg bringen und noch vor der Sommerpause beschließen, lautet seine Forderung. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) forderte die Bundesregierung dazu auf, nun schnell zu handeln und das Strafmaß bei Kindesmissbrauch wie in Münster zu erhöhen.

Die Gartenlaube, in der in Münster Kinder missbraucht wurden, wurde mittlerweile abgerissen.

Jetzt gab es eine Wende in der Frage: Die Innenminister der Länder wollen nach dem Fall in Münster Kindesmissbrauch strafrechtlich wie Totschlag bewerten.

Kindesmissbrauch in Münster: Familienministerin will "Strafrahmen ausschöpfen"

Erstmeldung: 10. Juni. Münster – Der Missbrauchsfall aus Münster sorgte nicht nur in der Domstadt, sondern bundesweit für Entsetzen. Selbst die erfahrenen Ermittler zeigten sich über das, was auf den knapp 500 Terrabyte an Videomaterial zu sehen ist und vom Hauptverdächtigen Adrian V. gefilmt wurde, geschockt und tief betroffen.

Von 2018 bis 2020 hatte der 27-jährige IT-Techniker aus Münster Kinder in seiner Gartenlaube missbraucht – zum Teil stundenlang mit weiteren Männern. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) meldete sich nun im Missbrauchsfall zu Wort und fordert hohe Haftstrafen für Kindesmissbrauch.

Münster
Einwohner314.319
Anzahl der Kleingartenanlagen64
AnsprechpartnerAmt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit 

Missbrauch in Münster: Franziska Giffey (SPD) will Kapazitäten der Ermittler ausbauen

Zwar könnten für diese "furchtbare Tat" bereits jetzt hohe Strafen verhängt werden, sagte Franziska Giffey gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, es sei jedoch wichtig, "dass der Strafrahmen auch entsprechend am oberen Ende ausgeschöpft wird". Zudem müssten auch die Kapazitäten der Ermittler weiter ausgebaut werden. Diese sind im Missbrauchsfall aus Münster noch ganz am Anfang.

Dabei gehe es Giffey in erster Linie um Prävention: "Das Leid, das betroffenen Kindern angetan wird, ist unermesslich und belastet diese oft ein Leben lang." Eine aufmerksame Gesellschaft sei nötig, so die Familienministerin, die Anzeichen von Kindesmissbrauch erkenne und helfe. "Dafür braucht es ein Umfeld, das hinschaut sowie Behörden und Gerichte, die Fälle von Kindesmissbrauch konsequent verfolgen und bestrafen und eng zusammenarbeiten." In Münster konnte der Missbrauch durch Adrian V. in einem Kleingartenverein ungehindert vonstattengehen.

Münster: Höhere Strafe bei Kindesmissbrauch? Giffey erteilt Forderungen eine Absage

Giffey spricht sich dafür aus, die Höchststrafe von 15 Jahren Haft und Sicherheitsverwahrung bei Missbrauchsfällen wie in Münster auch voll auszuschöpfen. "Beispielsweise wurde im Fall Lügde dieser Strafrahmen fast ausgeschöpft", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Das ist eine der höchsten Strafen, die unsere Rechtsordnung überhaupt kennt." 

Jedoch erteilte sie Forderungen nach noch höheren Strafen nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsfalls in Münster eine Absage. "Wichtiger ist es, konkret den Ermittlern mehr Möglichkeiten zu geben und sie gut auszustatten. Dass das wirkt, zeigt sich in NRW", so Franziska Giffey.

Derweil kommt es am Landgericht zu einem anderen Missbrauchsprozess. Ein Paar aus Münster soll sich an einem Nachbarskind vergangen haben. Auch hier war der Angeklagte bereits vorbestraft. Die Ermittler haben nun auch die Mutter des Opfers im Visier. Sie wollen prüfen, was die Frau über den Missbrauch in Münster gewusst hat.

Ein anderer Missbrauchsfall wird nun am Landgericht behandelt: Ein Mann aus Drensteinfurt steht in Münster auf der Anklagebank, weil er sich 60 Mal an seiner eigenen Tochter vergangen haben soll.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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