Landgericht Münster

Urteil im Missbrauchsprozess: Gericht bleibt unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Er soll den Ziehsohn von Adrian V. dreimal missbraucht haben: Am Landgericht Münster wurde das Urteil gegen einen Mann aus Heiligenhaus gesprochen.

Update: 7. Mai. Nur zwei Verhandlungstage hat es gebraucht, bis das Urteil gegen Kevin S. gesprochen wurde. Dem 37-Jährigen aus Heiligenhaus (Kreis Mettmann) wurde vorgeworfen, zwischen September und November 2019 den Ziehsohn von Adrian V. aus Münster schwer missbraucht zu haben. – sowohl in der Gartenlaube als auch in dessen eigener Wohnung. Während der Vernehmung hatte sich der Beschuldigte nicht zu den ihm vorgeworfenen Taten geäußert, am zweiten Prozesstag legte er jedoch ein Geständnis ab.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von sechs Jahren gefordert. Die Große Strafkammer am Landgericht Münster wertete das Geständnis des Angeklagten sowie die Tatsache, dass er nicht vorbestraft war, zu seinen Gunsten und verurteilte ihn letztlich zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Eine anschließende Sicherheitsverwahrung wurde nicht angeordnet. Das Urteil gegen den Hauptbeschuldigten Adrian V. wird noch in diesem Frühjahr erwartet.

Missbrauchskomplex Münster: Neuer Prozess gestartet

Erstmeldung: 22. April. Münster – In der Zeit von Anfang September 2019 bis Anfang November 2019 soll ein heute 37-Jähriger aus Heiligenhaus (Kreis Mettmann) den damals neunjährigen Ziehsohn von Adrian V. schwer missbraucht haben. Er ist Teil des großen Missbrauchskomplexes, der seit vergangenem Jahr am Landgericht Münster verhandelt wird.

Im vergangenen Jahr kam es im Rahmen der Ermittlungen zum Fall aus Münster zur Festnahme des Mannes. Kennengelernt sollen sich der Angeklagte aus Heiligenhaus und der Hauptbeschuldigte Adrian V. in einem Pädophilen-Chat. Einmal soll er das Kind in seiner eigenen Wohnung, zweimal in der Gartenlaube in Münster missbraucht haben. Am Donnerstag (22. April) begann der Prozess gegen ihn am Landgericht.

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Missbrauchsprozess in Münster: Angeklagter schweigt

Wie bereits in der Vernehmung hat sich der 37-Jährige beim Prozessauftakt in Münster nicht zu den Vorwürfen geäußert, teilte Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus auf Anfrage mit. Am ersten Verhandlungstag wurden Chatverläufe zwischen dem Angeklagten und Adrian V. ausgewertet, zudem wurden Polizeibeamte vernommen, die an den Ermittlungen teilgenommen hatten. Dies geschah am Landgericht jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wie die Staatsanwaltschaft Münster in ihrer Anklageschrift im Januar berichtete, hatte der Beschuldigte aus Heiligenhaus bei seiner Vernehmung zugegeben, den 27-jährigen Adrian V. sowie dessen Ziehsohn zu kennen. Zudem soll er auch Kontakt zu einem Mann aus Hannover gehabt haben, der im vergangenen Februar am Landgericht Münster verurteilt worden war. Auch er hatte den Jungen mehrfach missbraucht und wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Der Angeklagte aus Heiligenhaus hatte in der Gartenlaube in Münster den Ziehsohn von Adrian V. zweimal missbraucht.

Münster: Urteil gegen Adrian V. im Frühjahr erwartet

Derweil geht der Prozess gegen Adrian V. aus Münster und weitere Angeklagte am Landgericht weiter. Der ehemalige IT-Techniker soll über Jahre seinen Ziehsohn sowie andere Kinder schwer missbraucht und die Taten gefilmt haben. Knapp 300.000 Stunden Videomaterial fanden die Ermittler bei der Durchsuchung der mittlerweile abgerissenen Gartenlaube in Kinderhaus. „Das ist abscheulicher Dreck“, hatte Polizeipräsident Rainer Furth damals gesagt.

Ein Urteil im Hauptprozess soll noch in diesem Frühjahr fallen, berichtete Steffen Vahlhaus weiter. Der Großteil der Zeugenbefragung ist mittlerweile abgeschlossen. Wann genau das Urteil gegen Adrian V, dessen Mutter und weitere Angeklagte gesprochen wird, ist noch unklar.

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