Studie vorgestellt

Missbrauch-Studie: 300 Kinder im Bistum Münster unter den Opfern

Eine wissenschaftliche Studie zu den Missbrauchsfällen im Bistum Münster wurde veröffentlicht. Mindestens 300 Kinder sollen unter den Opfern sein.

Münster – Am Mittwoch (2. Dezember) haben Historiker der Uni Münster* erste Ergebnisse zu ihren Nachforschungen bezüglich der Missbrauchsfälle im Bistum Münster (NRW) veröffentlicht und vorgestellt. Die Experten sprechen von mindestens 300 Opfern und rund 200 Tatverdächtigen. Zum Zeitpunkt der Übergriffe waren die meisten Kinder noch minderjährig.

Stadt Münster
Einwohner310.039 (2016)
BundeslandNRW

Münster: Missbrauchsfälle bei der katholischen Kirche – Dunkelziffer wohl viel höher

Historiker Thomas Großbölting leitet die Studie zu den Missbrauchsfällen im Bistum Münster*. Er stellte nun die Zahlen vor. Großbölting geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch um einiges höher sein wird, berichtete der WDR am Mittwoch. Die Daten, die bisher gesammelt wurden, könnten sich im Laufe weiterer Untersuchungen noch verändern.

Im Zeitraum von 1945 bis 2018 sollen mindestens 300 Kinder im Bistum Münster missbraucht worden sein. Im Durchschnitt waren die Opfer gerade einmal 11 Jahre alt. Das Expertenteam habe sich die Fälle von 82 Betroffenen und 49 Beschuldigten bereits etwas genauer angesehen. 90 Prozent der Missbrauchsopfer seien demnach männlich.

Münster: Missbrauchsfälle im Bistum – Wissenschaftler sehen Schuld bei den Bischöfen

Eine Vielzahl der Missbrauchsopfer in Münster habe sich erst nach 2010 bei der Diözese gemeldet, so der WDR. Der Kindesmissbrauch durch Priester sei jedoch schon seit den 1950er-Jahren bekannt gewesen. Der öffentlich rechtliche Sender spricht von einem "intensiven Leitungs- und Kontrollversagen" der Bistumsverantwortlichen, besonders bei Wiederholungstätern.

Den Bischöfen in Münster wird darüber hinaus vorgeworfen, die kirchenrechtlichen Strafverfahren ignoriert zu haben. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler sei im Jahr 2007 der erste Fall ordnungsgemäß behandelt worden. Für die Missbrauchsstudie wurden bereits mehrere hundert Akten durchgeschaut. Außerdem führte das Forschungsteam um die 70 Interviews mit betroffenen Menschen.

Münster: Studie zu Missbrauchsfällen in der Kirche – Bistum kommt für die Kosten auf

Nachdem die ersten Studienergebnisse nun vorgestellt wurden, sollen im Frühjahr 2022 dann die Endergebnisse da sein. Das Team um Historiker Großbölting kündigte an, dass dann auch Namen von verantwortlichen Personen, die den Missbrauch in Münster unter den Teppich kehren wollten, veröffentlicht werden sollen.

Die Studie zu den Missbrauchsfällen wurde vom Bistum Münster in Auftrag gegeben. Die Institution kommt auch für die Kosten auf, die bei den Untersuchungen und Nachforschungen entstehen. Etwa 1,3 Millionen Euro werden dafür investiert. Die Kirche habe laut Großbölting aber keinerlei Befugnisse die Ergebnisse der Studie zu beeinflussen.

Bei der Studie von Missbrauchsfällen im Bistum Münster gehen die Experten von rund 200 Tatverdächtigen und mindestens 300 Geschädigten aus.

Ein weiterer Missbrauchskomplex erschüttert seit einigen Monaten die Domstadt und landete vor Kurzem auch vor Gericht: Der Tatverdächtige Adrian V. aus Münster soll zusammen mit weiteren Männern mehrfachen schweren Kindesmissbrauch begangen haben.* Fotos und Videos ihrer Taten verbreitete der IT-Fachmann über das Darknet. Geschädigter ist unter anderem der Ziehsohn von Adrian V., der anderen Tätern für Missbrauch angeboten wurde. Gegen einen der Angeklagten im Missbrauchsprozess von Münster ist bereits ein Urteil gefällt worden.* (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Jochen Lübke/dpa

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