Anklage erhoben

Missbrauchskomplex Münster: Auch die Mutter soll sich an dem Jungen vergangen haben

Eine Gartenlaube in NRW, einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters im Missbrauchsfall Münster
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Auch die Lebensgefährtin von Adrian V., dessen Gartenlaube in Münster mittlerweile abgerissen ist, soll ihren Sohn missbraucht haben.

Was wusste die Mutter des Jungen, der von Adrian V. und mehreren Männern mehrfach missbraucht worden sein soll? Die Staatsanwaltschaft Münster ist sich sicher, dass die Frau ebenfalls schuldig ist.

Münster – Es ist ein Fall, der immer weitere Kreise zieht, immer mehr Tatverdächtige ans Licht bringt und die abscheulichen Taten, die an mehreren Kindern in vielen Teilen Deutschlands verübt worden seien sollen, immer unbegreiflicher macht. Die Mutter des Hauptopfers aus Münster stand Lange im Visier der Ermittler. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Klage gegen sie erhoben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau, die am 5. Februar dieses Jahres in Münster festgenommen wurde, spätestens seit Oktober 2018 wusste, dass ihr Sohn von ihrem Lebensgefährten Adrian V. und anderen Männern schwer missbraucht wird. Ein bislang noch nicht angeklagter Verdächtiger aus Aachen sowie Auswertungen zahlreicher IT-Asservate brachten die Ermittler zu dieser Erkenntnis.

StadtMünster
Einwohner313.000
BundeslandNRW

Münster: Mutter soll Missbrauch an ihrem Sohn gebilligt haben

Die Staatsanwaltschaft Münster berichtet zudem, dass Adrian V. gegenüber seiner Lebensgefährtin in einem gemeinsamen Urlaub gestanden haben soll, dass er ihren Sohn sexuell missbraucht. Anstatt die Beziehung zu beenden, habe sie nichts unternommen und bis zum Mai 2020 billigend in Kauf genommen haben, dass der Junge weiterhin missbraucht wird. Die Taten sollen meist dann stattgefunden haben, wenn die Frau nicht in ihrer Wohnung war.

In fünf Fällen soll die Frau, so die Staatsanwaltschaft, dabei gewesen sein, als ihr Sohn von Adrian V. missbraucht wurde. Zudem soll sie erlaubt haben, dass der Junge mit dem Hauptverdächtigen sowie anderen Männern gemeinsam in den Urlaub reist. Zwei mittlerweile Verurteilte aus Hannover sollen den Jungen aus Münster unter anderem im Urlaub auf Sylt missbraucht haben. Der Mutter wird jedoch nicht nur Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch vorgeworfen.

Missbrauch in Gartenlaube in Münster: Hier bot Adrian V. Kinder an

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Münster: Mutter soll ihren Sohn ebenfalls missbraucht haben

So soll die Beschuldigte im März 2019 in Anwesenheit ihres Sohnes zunächst an Adrian V. sexuelle Handlungen vorgenommen haben, anschließend habe sie sich auch an dem Jungen vergangen, heißt es in der Anklageschrift. Im September desselben Jahres soll sie in ihrer Wohnung in Münster zugesehen haben, wie der 27-jährige Hauptangeklagte im Missbrauchskomplex den heute Elfjährigen missbraucht hat. Bei einem gemeinsamen Urlaub im Oktober 2019 habe die Mutter mit ihrem Lebenspartner sexuelle Handlungen vorgenommen – anschließend soll sie ihren Sohn dazu aufgefordert haben, diese Handlungen auch an Adrian V. durchzuführen.

Die Frau hat sich zu den vorgeworfenen Taten bislang nicht geäußert. Sie sitzt weiter in Untersuchungshaft. Angeklagt ist seit vergangenem Jahr auch die Mutter von Adrian V. Sie arbeitete an einer Kita in Münster und soll ebenfalls von dem schweren Missbrauch gewusst haben. Ein Urteil gegen den Hauptangeklagten wird noch im Frühjahr erwartet.

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