Mann aus Münster verurteilt

Aufregung um Anhörungstermin für Mörder Ralf H.: Polizei weist Vorwürfe zurück

Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen.
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Ein Mann aus Münster wurde wegen Mordes verurteilt. (Symbolbild)

Ein Mann aus Münster musste sich wegen des Mordes an Nicole Denise Schalla verantworten. Nach dem Urteil bleibt er trotzdem auf freiem Fuß. Jetzt gab es Aufregung um eine Ladung des Verurteilten.

Update: 30. März. Die Polizei Münster hat jüngst beantragt, dem Mörder der 1997 getöteten Denise Schalla eine Fußfessel anzulegen. Der vom Landgericht Dortmund verurteilte Ralf H. wurde vor einigen Wochen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, ist jedoch weiterhin auf freiem Fuß, da sein Verteidiger gegen das Urteil Revision eingelegt hatte und der heute 56-Jährige bereits mehrere Jahre in U-Haft gesessen hatte. Ein Gericht in Hamm hatte entschieden, dass die Untersuchungshaft nicht mehr verhältnismäßig sei.

Nun hat es Aufregung wegen des Aufenthalts des verurteilten Mörders gegeben. In den Medien hatte ein Rechtsanwalt der Polizei Münster vorgeworfen, dem Polizeipräsidium eine veraltete Adresse von Ralf H. angegeben zu haben, weswegen die Ladung zur Beantragung der Fußfessel bei dem 56-Jährigen nie angekommen sei. Der Anwalt wies die Vorwürfe zurück, dass sein Mandant auf der Flucht sei. Nun hat sich die Polizei Münster zu der Sache geäußert und weist die Anschuldigungen zurück.

Der polizeiliche Antrag sei sowohl an die Adresse, an der Ralf H. noch immer amtlich gemeldet ist, als auch an die Anschrift seiner Lebensgefährtin geschickt worden, an der sich der Mann nach Erkenntnissen der Polizei derzeit auch aufhält. „Darüber hinaus lagen der Polizei Hinweise auf den Aufenthalt des Betroffenen in einer Kleingartenanlage in Münster vor“, teilen die Beamten mit. Nachdem eine gerichtliche Ladung zu einem Anhörungstermin am 24. März dieses Jahres nicht zugestellt werden konnte, habe man versucht, den Verurteilten an allen drei Adressen aufzusuchen – jedoch vergebens.

„Auf den polizeilichen Hinweis, dass jedenfalls der Name des Betroffenen an der Anschrift seiner Lebensgefährtin angebracht sei, hat das Amtsgericht den Betroffenen schließlich unter dieser Anschrift geladen“, heißt es in einer Pressemeldung der Polizei Münster dazu weiter.

Münster: Mörder von Denise Schalla bleibt auf freiem Fuß

Update: 28. Januar. Vor vier Tagen fiel das Urteil im Mordprozess Nicole Denise Schalla. Jetzt war der Fall Thema bei „Stern TV“ (RTL). Das Magazin hat die Eltern der ermordeten 16-Jährigen in den letzten Prozesstagen begleitet. Bei der Urteilsverkündung konnte jedoch nur Joachim Schalla dabei sein – seine Frau erlitt nach den Plädoyers einen Herzinfarkt.

Ralf H. aus Münster wurde wegen des Mordes an Nicole Denise Schalla zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Eine besondere Schwere der Schuld wurde nicht festgestellt, zudem gelten viereinhalb Jahre der Strafe bereits als abgesessen. Der nun verurteilte Mörder hatte zwei Jahre lang in U-Haft gesessen, weil das Verfahren sich durch Krankheitsfälle und andere Pannen immer wieder verzögerte.

Nach zwei Jahren entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass die U-Haft für Ralf H. nicht mehr verhältnismäßig sei und setzte ihn auf freien Fuß. Den Prozess, in dem er sich wegen des Mordes an Nicole Denise Schalla verantworten musste, besuchte er also als freier Mann. Und auch nach der Urteilsverkündung wurde er nicht festgenommen.

„Dass er draußen bleibt, ist für mich unverständlich“, sagte Joachim Schalla nach dem Urteil. Es gibt jedoch einen Grund dafür: Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Verteidiger von Ralf H. kündigte bereits an, in Revision zu gehen. Dabei wird der Rechtsspruch auf mögliche Fehler überprüft. Sollte dies der Fall sein, wird das Urteil aufgehoben.

Bis zum Schluss war nicht klar, ob die Richter Ralf H. aus Münster für den Mord an Nicole Denise Schalla verurteilen würden. Auch ein Totschlag wäre möglich gewesen – und der wäre inzwischen verjährt. Die Tat hatte sich im Jahr 1993 ereignet. Auch deshalb bleibt Ralf H. weiter auf freiem Fuß, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat inzwischen Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm eingelegt. Es sei durchaus möglich, eine erneute Untersuchungshaft gegen Ralf H. zu verhängen, erklärte Steffen Hallaschka, der Moderator von Stern TV, nach dem Beitrag zum Mord an Nicole Denise Schalla. Ob die Maßnahme Erfolg hat, bleibt abzuwarten.

Mordfall Nicole Denise Schalla (16): Urteil gegen Ralf H. ist gefallen

Update: 25. Januar. Der Prozess im Mordfall Nicole Denise Schalla ist am Montag zu einem Ende gekommen. Das Urteil gegen den Angeklagten Ralf H. aus Münster wurde gesprochen. Der heute 56-Jährige wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt. Davon gelten vier Jahre und sechs Monate gelten bereits als verbüßt.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Dem kamen die Richter, die den Mann wegen des Mordes an Nicole Denise Schalla verurteilt haben, jedoch nicht nach. Das bedeutet, dass Ralf H. eine vorzeitige Haftentlassung beantragen könnte. Jedoch wurde der nun verurteilte Mörder nicht in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt.

Stattdessen wurde der im Falle einer Verurteilung beantragten Haftbefehl nicht ausgestellt. Zunächst ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Beide Parteien haben nun die Möglichkeit, Revision einzulegen. Dabei wird das Urteil auf seine Rechtskräftigkeit geprüft und eventuelle Fehler ausfindig gemacht. Erst danach muss Ralf H. dann tatsächlich ins Gefängnis.

Mord an Nicole Denise Schalla: So konnte der mutmaßliche Täter nach 27 Jahren überführt werden

Erstmeldung: 21. Januar. Dortmund/Münster – 27 Jahre nach dem Mord an der 16-jährigen Nicole Denise Schalla könnte es zu einem Urteil gegen ihren mutmaßlichen Peiniger kommen. Im Herbst 1993 war die Schülerin aus Dortmund mit dem Bus auf dem Heimweg, nachdem sie ihren Freund in Herne besucht hatte. An der Haltestelle Willstätter Straße stieg sie aus.

Tötung von Nicole Denise Schalla: Täter zerrte sie ins Gebüsch

Die Polizei konnte damals ermitteln, dass die 16-Jährige unmittelbar danach angegriffen und vergewaltigt wurde. Anschließend erwürgte sie der Täter. Erst am nächsten Morgen wurde die Leiche von Nicole Denise Schalla in einem nahe gelegenen Gebüsch vor einer Grundschule entdeckt. Der Leichnam war zwar teilweise entkleidet, jedoch fanden sich darüber hinaus keine Spuren eines Sexualdelikts, wie die Polizei Dortmund 1993 berichtete. Inzwischen sind sich die Ermittler jedoch sicher, dass der Täter Nicole Denise Schalla vergewaltigen wollte.

Die DNA-Analyse steckte zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen. Zwar konnte der genetische Fingerabdruck in Deutschland bereits in den späten 80ern als Beweismittel herangezogen werden – dazu musste jedoch eine große Menge an Blut vorhanden sein. Da dies nicht der Fall war, blieb eine heiße Spur im Fall Nicole Denise Schalla aus. Deswegen wurde das Tötungsdelikt im Jahr 1994 bei der True-Crime*-Sendung „Aktenzeichen XY“* präsentiert.

DNA-Beweis bringt Spur im Cold Case von Nicole Denise Schalla – Verdächtiger aus Münster

Rund 25 Jahre galt der Fall als Cold Case. Doch eine neuartige Analyse-Methode machte es im Jahr 2018 möglich, täterrelevante DNA zu ermitteln, die sich an Nicole Denise Schallas Leiche befunden hatte. Die Untersuchung ergab einen Treffer – und der so ermittelte Mann aus Münster hatte sogar noch bis zum Jahr 2011 im Maßregelvollzug gesessen.

Gegen Ralf H., der heute 55 Jahre alt ist, war wegen anderer Delikte an Frauen eine Sicherungsverwahrung verhängt worden. Dabei herrschen strenge Auflagen, die sein Freikommen erst dann möglich machen sollten, wenn er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen würde. Nicole Denise Schalla konnte jedoch offenbar nicht vor dem Mann aus Münster geschützt werden.

Ralf H. aus Münster steht im Mordfall Nicole Denise Schalla vor Gericht

Im August 2020 hat der Prozess gegen Ralf H. aus Münster nach mehreren Verzögerungen begonnen. Somit könnte der Mord an Nicole Denise Schalla 27 Jahre später möglicherweise geklärt werden. Besonders interessant ist der Fall, da der Angeklagte nur noch wegen Mordes verurteilt werden könnte. Dafür muss ihm die Staatsanwaltschaft eines der sieben Mordmerkmale nachweisen. Sollte dies nicht gegeben sein, handelt es sich lediglich um Totschlag – und der wäre in diesem Fall bereits verjährt. Ralf H. müsste dann freigesprochen werden.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Fall jedoch bereits zwei Mordmerkmale verwirklicht. Ralf H. aus Münster ist wegen heimtückischen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebs angeklagt worden. Er sei demnach kurz nach Nicole Denise Schalla aus dem Bus ausgestiegen und habe sie verfolgt. Bei der folgenden versuchten Vergewaltigung habe sich die 16-Jährige so stark gewehrt, dass der Täter sie kurzerhand erwürgt habe.

Die Richter müssen nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Urteil über Ralf H. fällen. (Symbolbild)

Prozess gegen Ralf H. aus wegen Mordes an Nicole Denise Schalla: Entweder lebenslänglich oder Freispruch

Der Angeklagte aus Münster hat im Prozess zu den Anschuldigungen geschwiegen. Bei der ursprünglichen Vernehmung durch die Ermittler hatte er die Vorwürfe von sich gewiesen. In dem Prozess gibt es keine Beweise. Die DNA-Spur auf der Leiche von Nicole Denise Schalla zählt ebenso als Indiz wie auch die Aussagen von Zeugen, nach denen nach dem Tötungsdelikt 1993 ein Phantombild des Täters erstellt worden war. Ralf H. sieht diesem Bild auffallend ähnlich.

Am Mittwoch (20. Januar) war der vorletzte Prozesstag in dem laufenden Verfahren gegen Ralf H. Die Staatsanwaltschaft, die Nebenklage sowie die Verteidigung hielten ihre Plädoyers. Nun wird noch auf die Entscheidung der Richter gewartet – das Urteil fällt am Montag (25. Januar). Die Anklage hatte im Fall Nicole Denise Schalla auf Mord plädiert und forderte die Verhängung der besonderen Schwere der Schuld, die eine frühzeitige Entlassung unmöglich macht. Die Verteidigung hingegen plädiert auf Totschlag. Es seien keine Mordmerkmale nachweisbar. Wie das Gericht entscheidet, ist derzeit noch nicht absehbar.

Derweil läuft in Münster gerade ein großes Verfahren im berüchtigten Missbrauchskomplex: Adrian V. und vier weitere Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verantworten.

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