Warnung an Eltern und Schüler

Corona-Querdenker vor Schulen? Schulwege überwacht – Stadt Münster gibt Entwarnung

Nach den Ausschreitungen bei der Corona-Querdenker-Demo in Leipzig sollen am Montag wegen der Maskenpflicht Proteste vor Schulen folgen – auch in Münster. Nun zieht die Stadt ein erstes Resümee.

Update: 9. November, 14.07 Uhr. Nach einer später zurückgenommenen Ankündigung der Initiative „Querdenken 711“ hatte die Stadt Münster am Montag auf den Schulwegen Kontrollen durch den kommunalen Ordnungsdienst (KOD) durchführen lassen. Die Protestler hätten angeblich Schüler ansprechen wollen, um ihnen unter anderem Co2-Messungen unter ihren Nasen und wirkungslose Masken mit dem Initiativen-Logo anbieten zu wollen. Doch scheinbar kam es nicht dazu, wie die Stadt in einer Meldung bekannt gab.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) war wie angekündigt verstärkt auf den Schulwegen unterwegs um zu überprüfen, ob die Initiative „Querdenken 711“ Kinder ansprechen und auf die angebliche Gefährlichkeit und Unwirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen hinweisen würde. Der KOD hat am Morgen auf den Schulwegen und an den Schulen in der Innenstadt wie in den Stadtteilen keine Auffälligkeiten festgestellt.

Stadt Münster

Anders hingegen berichten die WN: Demnach seien mehrere Schüler „von Maskengegnern“ in Münster angesprochen worden, unter anderem drei Schüler des Pascal-Gymnasiums. Dies habe Schulleiter Ralf Brameier auf Nachfrage der WN berichtet. Die Vorfälle hätte sich an der Wienburgstraße sowie in Gelmer und Coerde abgespielt. Die Stadt kündigte derweil an, auch nach Schulschluss ein „Auge auf die Schulweg“ zu haben.

Corona-Querdenker vor Schulen? Stadt Münster überwacht Schulwege

Erstmeldung: 9. November, 8.38 Uhr. Münster – Eine angekündigte Aktion der Initiative „Querdenker 711“ sorgte in den vergangenen Tagen für Aufsehen. Denn die Gruppierung, deren Gründer der IT-Unternehmer Michael Ballweg ist, will angeblich am Montag (9. November) zeitgleich in ganz Deutschland Protestaktionen durchführen. Die Anhänger sollen vor 1000 Schulen Schüler über die angebliche Wirkungslosigkeit von Masken informieren.

Davor warnte das Schulministerium NRW bereits vergangene Woche in einem Schreiben an die Lehrer. Auch in Münster wurden Eltern und Schüler gewarnt. Angesichts der massiven Verstöße gegen Corona-Maßnahmen in Leipzig am Samstag (7. November) flammte die Kritik an den „Querdenkern“ auch in den sozialen Medien noch einmal auf. In einem Statement von Ballweg hieß es jedoch, es werde keine Aktion dieser Art geben. Der Aufruf sei nur ein Test der eigenen Kommunikationswege gewesen. Die Stadt Münster bereitet sich trotzdem auf mögliche Aktionen vor.

Stadt:Münster
Einwohner:315.293
Bundesland:NRW

Schulministerium warnt vor Querdenker-Aktion an Schulen – Stadt Münster überwacht Schulwege

Wie das Schulministerium vergangene Woche angab, hätten die Beamten mehrere Hinweise auf die Querdenker-Aktion bekommen, die am Montag auch in Münster stattfinden sollte. Demnach würden Anhänger der Querdenker-Bewegung Kinder auf dem Schulweg ansprechen und ihnen „unwirksame Masken“ anbieten, welche das Logo der Initiative zeige. Doch die Aktion gehe noch weiter, warnt das Schulministerium die Lehrer:

Insbesondere sollen Eltern, die Mitglied der Initiative sind oder dieser nahe stehen, Kinder und deren Angehörige auf dem Schulweg ansprechen und diesen unwirksame Masken mit einem Logo der Initiative und eine CO2-Messung unter den Masken der Kinder anbieten, um auf die angebliche Gefährlichkeit und Unwirksamkeit der Masken hinzuweisen.

Statement des Schulministeriums NRW

Zudem befürchte das Schulministerium NRW, dass Eltern und Kinder „möglicherweise zu Verstößen gegen geltende Rechtsnormen (z.B. Pflicht zum Tragen einer geeigneten Mund-Nase-Bedeckung) aufgerufen werden sollen.“ Die Stadt Münster lässt deswegen am Montag die Schulwege überwachen – auch, wenn an der Aktion der Querdenker tatsächlich nichts dran sein sollte. „Wir sind auf eventuelle Aktionen der Initiative vorbereitet“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes Norbert Vechtel. „Außerdem können uns Betroffene anrufen oder eine E-Mail schreiben.“

Bistum in Münster kritisiert mögliche Querdenker-Aktion vor Schulen

Neben Münster wurde auch in Hamm vor möglichen Querdenker-Aktionen an Schulen gewarnt, wie wa.de* berichtet. Das Bistum Münster bezog bereits Stellung zu der Mitteilung des Schulministeriums in NRW und warnte ebenfalls an den von ihnen geleiteten Schulen vor möglichen Beeinflussungen von Schülern durch Corona-Querdenker.

Wir haben unsere Schulleitungen gebeten, die Schülerinnen und Schüler aufzuklären und auch die Eltern warnend auf das Vorhaben der Initiative hinzuweisen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die Schülerinnen und Schüler sich auf dem Schulweg nicht in Gespräche mit Vertretern oder Unterstützern der Initiative verwickeln lassen.

Dr. William Middendorf, Leiter der bischöflichen Schulabteilung
Polizisten stehen vor Demonstranten am Ende der Kundgebung der Initiative „Querdenken“ in Leipzig. An der Kundgebung gegen die von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Maßnahmen nahmen mehrere Tausend Menschen teil.

Corona-Aktion auch in Münster? Kinderhilfswerk und Politiker mit harscher Kritik

In den vergangenen Monaten organisierte die Initiative „Querdenken 711“ bereits mehrfach großangelegte Demos, um gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland und für Meinungsvielfalt zu demonstrieren. Erst am vergangenen Samstag (7. November) zogen die Protestler in der Innenstadt von Leipzig auf, wo es in der Folge zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen Polizisten und Journalisten kam, ebenso zu massenhaften Verstößen gegen Corona-Schutzverordnungen wie Kontaktverbote und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Angesichts dessen war auch die Kritik vor möglichen Aktionen vor Schulen wie in Münster nochmals aufgeflammt. Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD, verurteilte einen solchen Querdenker-Protest auf Twitter scharf: „Einen solchen Angriff auf die Gesundheit aller, einen solchen Affront gegen alle Vernunft dürfen wir nicht gefallen lassen!(sic)“ Auch Karl Lauterbach (SPD) warnte vor einer Instrumentalisierung der Kinder: „Die ‚Querdenker‘ dürfen nicht unsere Kinder instrumentalisieren. Es genügt schon, dass sie sich selbst von Nazis instrumentalisieren lassen...“

Auch das Deutsche Kinderhilfswerk schlug Alarm angesichts einer möglichen Ansprache von Kindern auf dem Schulweg durch sogenannte Querdenker: „Das ist aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes eine perfide Instrumentalisierung von Kindern zur Durchsetzung politischer Interessen. Dem muss mit allen rechtsstaatlichen Mitteln ein Riegel vorgeschoben werden“, urteilte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Ob es tatsächlich zu Aktionen von Anhängern der Initiative rund um Michael Ballweg kommen wird, auch in Münster, wird sich im Laufe des Tages zeigen. In unserem Corona-Ticker informieren wir Sie über das aktuelle Infektionsgeschehen in Münster. (*Wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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