Pandemie-Lage

„Wellenbrecher-Lockdown“ auch in Münster – OB Markus Lewe kritisiert Entscheidung: „Das ist völlig absurd“

Durch die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern zum neuen „Teil-Lockdown“ müssen auch in Münster Bars und Restaurants schließen. Nun hagelt es Kritik.

Münster – Um die zuletzt rasant angestiegenen Neuinfektionen mit dem Coronavirus zu stoppen, entschieden sich Bund und Länder am Mittwoch (28. Oktober) erneut zu strengen Maßnahmen: Vor allem im Freizeitbereich, dem Hotelgewerbe und der Gastronomie wurden Schließungen angeordnet. Fitnessstudios, Restaurants und Kneipen sind ab dem 2. November wieder dicht, vier Wochen lang. Nun wurde auch in Münster Kritik laut.

Stadt:Münster
Einwohnerzahl:315.293
Bundesland:NRW

„Teil-Lockdown“ trifft Bars und Restaurants in Münster – Gastronomen melden sich zu Wort

Mit dem „Teil-Lockdown“ wurde die Schließung von Bars, Kneipen und Restaurants beschlossen, beginnend am 2. November. Allerdings ist der Außer-Haus-Verkauf weiterhin erlaubt. Doch dieser wird kaum den zu erwartenden wirtschaftlichen Schaden abfedern können. Bund und Länder kündigten bereits eine finanzielle Unterstützung von rund 10 Milliarden Euro an für Vereine, Unternehmen und Betriebe, die durch die Schließungen Verluste machen. Für die Gastronomie in der Domstadt war bereits eine Sperrstunde erlassen worden, nachdem Münster wegen zu hoher Corona-Infektionszahlen als Risikogebiet eingestuft worden war.

Nun meldeten sich erste Gastronomen aus Münster zu den neuen Beschlüssen zu Wort, die für sie drastische Folgen haben: „Liebe Gäste, in was für einen Alptraum sind wir geraten“, schreiben zum Beispiel die Betreiber des Restaurants Grosser Kiepenkerl in den sozialen Medien. Sie seien „hin- und hergerissen zwischen Angst, Zorn, Hilflosigkeit, Resignation“. Zudem richteten sie sich mit einem emotionalen Appell an die Bürger und bitten für alle betroffenen Bereiche um Unterstützung und Solidarität: „Vergessen Sie uns nicht.“ Auch vom Teilchen & Beschleuniger gab es eine erste Reaktion auf den anstehenden „Teil-Lockdown“ in Münster: „Wir machen dann erstmal ne Woche zu und überlegen uns was, wie wir den Winter überstehen. To Go Geschäft, Lockdown Gin Tasting, Wein Tasting, Nacktkalender.“

OB Markus Lewe: Kritik aus Münster am neuen „Teil-Lockdown“

Auch Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) kritisierte die neuen Corona-Beschlüsse, die für das kulturelle Leben einen herben Schlag bedeuten. „Wir können besser geschützte Räume fördern“, erklärte er laut einem Bericht der WN. Der OB befürchtet nämlich, dass sich durch die Schließungen die sozialen Kontakte auf die privaten Räume verschieben könnten. Es müsse eine andere Strategie her, als die Bürger nur auf einen baldigen Impfstoff „zu verströsten“, urteilt Lewe. „Das ist völlig absurd.“

Am Mittwoch habe sich Lewe mit den Landräten und der Regierungspräsidentin zu einer Krisensitzung eingefunden. Dabei sprach sich der OB für die Einführung einer Tracking-App aus, die die Nachverfolgung der Infektionsketten verbessern solle. Zugleich solle lieber an Hygienekonzepten gearbeitet werden, als Veranstaltungen zu verbieten: „Was heute an kultureller Infrastruktur zerstört wird, wird nie wieder aufbaubar.“ Zuletzt waren die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Münster weiterhin hoch geblieben. In unserem Newsticker halten wie Sie über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden.

Erst im September war Markus Lewe als amtierender OB von Münster bei den Kommunalwahlen in seinem Amt bestätigt worden.

„Teil-Lockdown“ in Münster: Kritik an neuen Corona-Beschlüssen – zu Klagen aufgerufen

Überall in Deutschland wurden kritischen Stimmen laut, die den neuen „Teil-Lockdown“, der auch Münster trifft, nicht gutheißen. So warnte zum Beispiel der Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) davor, dass es um das Überleben der Beherbergungsbranche gehe: „Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus“, erklärte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) befürchtet den Verlust etlicher Arbeitsplätze in der Gastronomie und kritisiert den erneuten Lockdown, der auch in Münster etliche Betriebe lahmlegen wird: „Das ist aus Sicht der Beschäftigten, die oft bereits seit März in Kurzarbeit sind, dramatisch. Es droht der Verlust von weiteren Tausenden Arbeitsplätzen in der Branche“, warnt Guido Zeitler, NGG-Vorsitzender.

Klagen seien vorprogrammiert, warnte Zöllick weiter. Auch FDP-Politiker und Jurist Wolfgang Kubicki forderte im Gespräch mit der Rheinischen Post dazu auf, gegen die Schließungen zu klagen. „Ich halte die aktuellen Beschlüsse in Teilen für rechtswidrig“, erklärte Kubicki – vor allem auch vor dem Hintergrund des nun erneut geltenden Beherbergungsverbotes, das in den vergangenen Wochen bereits durch mehrere Gerichte gekippt worden war. In unserem Artikel erfahren Sie, welche neuen Regeln nun durch den beschlossenen „Teil-Lockdown“ in Münster und ganz Deutschland gelten.

Rubriklistenbild: © Armin Weigel/dpa und Fabrizio Bensch/dpa (Fotomontage)

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