Explosion

Frauen sprengen Haus und Pferde in die Luft: Anklage wegen versuchten Mordes erhoben

Eine Explosion in Münster sorgte für mehrere Verletzte: Mutter und Tochter hatten sich gegen eine Zwangsräumung wehren wollen. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage. 

  • Zwei Frauen werden von der Staatsanwaltschaft Münster angeklagt. 
  • Sie sprengten ein Haus in die Luft und riskierten dabei mehrere Tote. 
  • Mutter und Tochter befinden sich in Untersuchungshaft. 

Münster – Unter anderem wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes werden zwei Frauen angeklagt: Sie hatten im September in Münster in ihrem Wohnhaus eine Explosion ausgelöst. Vorausgegangen war die Kündigung ihres Mietvertrags, da sie über längere Zeit den vereinbarten Betrag nicht an die Eigentümerin zahlten. 

Explosion in Münster: Frauen beschaffen Gas und Benzin

Nach einem Zivilrechtsstreit sollte das Fachwerkhaus in Münster an der Straße Am Max-Klemens-Kanal im September 2019 zwangsgeräumt werden. Die Gerichtsvollzieher hatten sich schriftlich bei der 67-jährigen Frau, die das Anwesen mit ihrer Tochter (38) bewohnte, angekündigt. Am Morgen des 18. Septembers betraten die Beamten das Grundstück. 

"Als sich die Angeschuldigten der anstehenden Zwangsräumung gegenüber sahen, sollen sie den Entschluss gefasst haben, sich gemeinsam das Leben zu nehmen", berichtet die Staatsanwaltschaft Münster. Einen Tag vor der Zwangsräumung hatten die Frauen daher 110 Liter Propangas in Flaschen sowie Kanister mit 15 Litern Benzin gefüllt.

Münster: Gebäudeteile bei Explosion 35 Meter weit geschleudert

Die Kanister und Flaschen stellten die Beschuldigten dann an den nach außen grenzenden Wänden des Hauses auf. Am Morgen der Explosion in Münster holten Mutter und Tochter noch ihre zwei Pferde, die auf dem Grundstück lebten, ins Esszimmer. Auch die Tiere sollten im Plan der Frauen sterben

Eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von drei Polizisten wollten das Haus in Münster an dem verhängnisvollen Mittwochmorgen räumen. Als die Frauen die Beamten vorfahren sahen, drehten sie die Gasflaschen auf und setzten es in Brand. Es gab zwei große Explosionen, die für heftige Zerstörung sorgten: Teile des Gebäudes wurden 35 Meter weit geschleudert. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden. 

Bildergalerie zur Explosion in Münster: Haus in Flammen – fünf Verletzte

Explosion in einem Haus
 © dpa / Bernd Thissen
Explosion in einem Haus
 © dpa / Bernd Thissen
Explosion in einem Haus
Explosion in einem Haus © dpa / Bernd Thissen
 © dpa / Bernd Thissen
Explosion in einem Haus
 © dpa / Bernd Thissen
Explosion in einem Haus
Explosion in einem Haus © dpa / Bernd Thissen

Nach Explosion in Münster: Frau gesteht Selbstmordabsicht

Durch die Explosion blieben die Gerichtsvollzieherin sowie die Beamten zwar körperlich unversehrt, für die Polizisten hatten die Erlebnisse jedoch psychische Folgen. Die beiden Pferde, die sich während der Detonation im Haus in Münster aufhielten, erlitten so schwere Verletzungen, dass sie später vom Tierarzt eingeschläfert werden mussten. 

Mutter und Tochter erlitten bei der Explosion in Münster schwere Verletzungen. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht und noch dort von der Polizei befragt. Schnell stellte sich heraus, dass die 67-Jährige in Selbstmordabsicht gehandelt hatte. Jedoch habe sie nicht beabsichtigt, auch andere Menschen durch ihr Handeln zu verletzten. Dennoch wirft die Staatsanwaltschaft ihr vor, dass sie den Tod der Beamten vor dem Haus billigend in Kauf genommen habe. Bei einer anderen Explosion in der Region ist ein Feuerwehrmann gestorben: Der 19-Jährige konnte nur noch tot aus dem Trümmern in Lienen (NRW) gezogen werden.

Verheerende Folgen hatten zwei Explosionen, die eine Mutter und ihre Tochter in ihrem Mietshaus herbeiführten. 

Frauen in Untersuchungshaft – Landgericht Münster entscheidet über Anklage

Die Tochter der Frau, die ebenfalls beschuldigt wird, hat sich zu den Geschehnissen bislang nicht geäußert. Sie erlitt bei der Explosion sehr schwere Verbrennungen und musste über einen längeren Zeitraum behandelt werden. Mutter und Tochter befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Münster geht davon aus, dass beide während der Tat uneingeschränkt schuldfähig waren und daher keine gemilderte Strafe in Betracht kommt. 

Bevor es jedoch zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht Münster abschließend über die Zulassung der Anklage entscheiden. Neben dem gemeinschaftlich versuchten Mord werden in der Anklageschrift noch weitere Beschuldigungen erhoben: Brandstiftung mit versuchter Todesfolge, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion mit versuchter Todesfolge, gefährliche Körperverletzung sowie der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. 

Einen ähnlichen Fall gab es kürzlich in der Region: Ein Mann zündete in Emsdetten ein Mehrfamilienhaus an – er wollte sich auf diese Weise scheinbar das Leben nehmen. Die Staatsanwaltschaft Münster hat jetzt Anklage gegen den 19-Jährigen aus Emsdetten erhoben.

Zudem setzten Polizei und Staatsanwaltschaft nach einer Gas-Explosion in Lienen eine Belohnung aus. Bei dem Vorfall war ein 19-jähriger Feuerwehrmann ums Leben gekommen.

Rubriklistenbild: © dpa / Bernd Thissen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare