Corona-Pandemie

Falscher Inzidenzwert: Stadt Münster früher als gedacht zum Handeln gezwungen

Die Infektionszahlen steigen, die mögliche Bundes-Notbremse steht in den Startlöchern. Dennoch entschließt sich die Stadt Münster, weiterhin zu öffnen.

Update: 16. April, 16.51 Uhr. Nicht nur für die Einwohner in Münster kommt diese Meldung überraschend – auch der Krisenstab hatte mit dieser Entwicklung nicht gerechnet, wie es in der dazugehörigen Pressemeldung heißt: Die Stadt Münster wird nicht erst mit Abschluss des heutigen Freitags den dritten Tag in Folge eine Inzidenz von über 100 aufweisen, sondern tut dies bereits seit Donnerstag. Deswegen muss nun auch die angekündigte Allgemeinverfügung einen Tag früher erlassen werden als geplant.

Wie die Stadt mitteilt, kommt es aufgrund von nachgetragenen Neuinfektionsmeldungen zu einer Korrektur bei den Inzidenzen. Dies teilte das Landeszentrum Gesundheit NRW am Freitag der Stadt mit. Demnach hatte Münster bereits am Dienstag den Grenzwert von 100 überschritten. Für den Tag hatte das LZG ursprünglich einen Inzidenzwert von 91,3 ausgewiesen.

Ursprüngliche 7-Tages-Inzidenzen der vergangenen Tage in Münster:

  • Dienstag (13. April): 91,3
  • Mittwoch (14. April): 103,1
  • Donnerstag (15. April): 105,6
  • Freitag (16. April): wird noch anhand der Infektionsmeldung von heute berechnet

Die Stadt Münster ist deswegen nun früher als geplant zur Ergreifung von Maßnahmen gezwungen: „Aufgrund eines Nachtrags von Neuinfektionen im Tagesarchiv des LZG ist die Stadt nun zum Handeln verpflichtet“, heißt es in der Pressemeldung weiter. Wie bereits berichtet, will die Stadt jedoch an Lockerungen und Öffnungen festhalten. Dafür soll eine neue Allgemeinverfügung erlassen werden, die ein Aussetzen einer konsequenten Notbremse in NRW ermöglicht. Vermutlich dürfen deswegen ab Montag (19. April) folgende Geschäfte und Bereiche nur noch mit negativem Schnelltest geöffnet beziehungsweise betreten werden:

  • Verkaufsstellen des Einzelhandels, Reisebüros etc.
  • Museen, Galerien, Kunstausstellungen, Gedenkstätten
  • Allwetterzoo
  • Bibliotheken und Archive
  • körpernahe Dienstleistungen mit Ausnahme von medizinisch notwendigen Leistungen, Friseurdienstleistungen und Leistungen der nichtmedizinischen Fußpflege sowie gewerbsmäßiger Personenbeförderung

Ob die Allgemeinverfügung und somit die Vorgaben bereits ab Montag gelten, hängt nun von der Landesregierung von NRW ab – denn die Allgemeinverfügung wird erst dann rechtskräftig (und tritt somit in Kraft), wenn die Landesregierung diese veröffentlicht, berichtet die Stadt Münster. Sollte die Veröffentlichung erfolgt sein, informiert die Stadt über die gültige Allgemeinverfügung und die damit verbundenen Änderungen.

Auch wenn wir nun einen Tag früher als gedacht die neuen Rahmenbedingungen umsetzen müssen, ist dieser Vorgang doch etwas schwierig zu kommunizieren. Die Stadt wird die Nutzungsmöglichkeiten von Einrichtungen und Geschäften nun mit negativem Schnelltest zulassen.

Wolfgang Heuer, Krisenstabsleiter zur aktuellen Entwicklung

*** Mittlerweile gilt in Münster eine Testpflicht – lesen Sie mehr dazu bei msl24.de. +++

Trotz steigender Corona-Zahlen: Geschäfte in Münster sollen offen bleiben

Erstmeldung: 16. April, 12.43 Uhr. Münster – Die Stadt galt lange Zeit als Aushängeschild für einen verantwortungsvollen Weg durch die Corona-Pandemie. In der letzten Woche wurde dann angekündigt, Münster werde eine der 14 Corona-Modellregionen in Deutschland, die ab dem 18. April mit Öffnungen unter anderem in der Gastronomie und im Kultursektor rechnen könne.

Aufgrund der aktuell immer weiter ansteigenden Corona-Infektionszahlen hatte sich Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer jedoch zunächst unsicher über die bevorstehenden Lockerungen geäußert und das Modell-Projekt Münster dann ganz verschoben. Wie es scheint, war dies genau der richtige Schritt, denn nur einen Tag nach der Entscheidung überschritt die Stadt den kritischen Inzidenzwert von 100. Mit Stand vom 16. April liegt Münster bei einer Inzidenz von 105,6. Die Notbremse in NRW greift, wenn die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt. Ein sehr wahrscheinliches Szenario für die Domstadt.

StadtMünster
Einwohner314.319
BundeslandNRW

Münster: Öffnungen bleiben trotz hoher Inzidenz bestehen

Angesichts der aktuellen Infektionslage in Münster könnte die Entscheidung, an den Öffnungen von zum Beispiel Geschäften, Zoos, oder Museen festzuhalten, auf Unverständnis stoßen. Die Stadt will mit einer Allgemeinverfügung den Menschen weiterhin die Möglichkeit bieten, diese Angebote zu nutzen – einen negativen Corona-Test und einen gebuchten Termin vorausgesetzt. Möglich ist das, weil Münster ein Schlupfloch für Kommunen in der NRW-Notbremse nutzt, wie auch Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer gegenüber Antenne Münster bestätigt:

Münster nutzt aber die Möglichkeit, dass NRW-Kommunen mit Notbremse Allgemeinverfügungen erlassen können.

Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer

Solche lokalen Ausnahmen sollen jedoch durch die Bundes-Notbremse, die Ende nächster Woche erwartet wird, nicht mehr möglich sein. Denn auch hier gilt: Sobald eine Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Inzidenz von über 100 aufweist, gelten strengere Einschränkungen. Diese beinhalten auch die Schließung des Einzelhandels und kultureller Einrichtungen. So soll ein einheitlicheres Vorgehen in der Bekämpfung der dritten Corona-Welle sichergestellt und Alleingänge in den Bundesländern und Kommunen verhindert werden (dieses Vorgehen des Bundes hatte auch erst kürzlich ein Virologe aus Münster unterstützt, der sich auch zu Ausgangssperren äußerte). Spätestens dann müsste auch Münster wieder herunterfahren. Doch natürlich sind viele mit diesen Corona-Regeln nicht einverstanden und wollen sich wehren. Deshalb erwartet Münster am Wochenende einen Autokorso von -Gegnern der Corona-Maßnahmen.

Die Geschäfte in Münster sollen vorerst geöffnet bleiben (Symbolbild)

Demo in Münster: Autokorso gegen Corona-Maßnahmen erwartet

Erneut soll es am kommenden Wochenende, genauer am Sonntag (18. April) in Münster zu einer Demonstration von Maßnahmen-Kritikern kommen. Laut Polizei startet der Autokorso der Demonstranten am Schlossplatz und fährt dann einmal durch die Innenstadt wieder zurück zum Startpunkt. 70 Teilnehmer würden erwartet, wie die WN schreibt.

Zeitgleich startet die Gegendemonstration des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“ um 14.30 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Münsteraner Schloss. Anschließend folgt eine Fahrraddemo, die über die Neubrückenstraße, Eisenbahnstraße, den Ludgerikreisel und Weseler Straße wieder zurück zum Schlossplatz führen soll. Bei der Gegendemo werden rund 80 Teilnehmer erwartet.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa/dpa-Bildfunk

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare