Erlebnisse einer Ehrenamtlichen

Pizza statt Kartoffeln: Ein typischer Montag bei der "Tafel"

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Jeden Montag helfen 5 der 20 Ehrenamtler bei der Tafel im Kreuzviertel aus (Symbolbild aus Siegen).

Seit mehr als 15 Jahren errichtet eine Gruppe von Menschen im Kreuzviertel, dem wohlhabendsten Viertel der Domstadt, nun ihr Ehrenamt. Ein Helferin beschreibt ihre Erlebnisse.

Münster – Jeden Montag ist die Ausgabestelle der "Münster-Tafel e.V." im Kreuzviertel gut besucht und – das seit mehr als 15 Jahren: Im September 2003 stellte der Gemeindesozialdienst dieses zusätzliche Angebot in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Tafelzentrale (Roland Götz) auf, um bedürftigen Menschen zusätzliche Hilfe anzubieten. 

Von Anfang an fand das Angebot viel Zuspruch und Zulauf – auch in einem der wohlhabendsten Viertel der Domstadt. Seither ist viel passiert, beispielsweise musste die Ausgabestelle mehrfach umziehen: vom alten Pfarrzentrum Dreifaltigkeit, in die Sakristei der profanierten Dreifaltigkeitskirche, in das Jugendausbildungszentrum (JAZ) und schließlich in das neue Pfarrzentrum Dreifaltigkeit (Kinderhauserstraße 84).

Das helle, freundliche Pfarrzentrum in Münster sorgt für eine gute Begegnungs- und Arbeitsatmosphäre. Die meisten Abholer oder Besucher kommen regelmäßig, kennen sich untereinander, können sitzend warten, sich austauschen, gegenseitig helfen und beraten, sprachliche Hürden übersetzen. Es ist ein gutes Miteinander.

Im neuen Pfarrzentrum Dreifaltigkeit (Kinderhauserstrasse 84) findet die Ausgabe statt.

Münster – Die "Tafel": So beginnt der Montag

Jeden Montag treffen sich 25 bis 35 Abholer und fünf ehrenamtliche Mitarbeiter in dem münsterischen Pfarrzentrum. Ab 9.30 Uhr werden die Tische aufgebaut, Decken ausgelegt, leere Kisten vorbereitet und Stühle bereit gestellt – damit für den Empfang der Lebensmittel und die Abholer alles parat ist. Die Lebensmittel werden von der Tafelzentrale pünktlich geliefert. 

Danach werden die Waren durchgesehen, portioniert, gezählt und so eingeteilt, dass eine möglichst gerechte Verteilung erfolgen kann. Gibt es wenig Kartoffeln, bekommt der andere Abholer eine Pizza – oder umgekehrt. Das diensthabende Team in Münster sorgt immer für Ausgleich oder Ersatz.

Zwischen den Abholern und den Ehrenamtlern herrscht ein freundschaftliches, vertrautes Verhältnis: "Die Menschen können hier auch den einen oder anderen Rat mit nach Hause nehmen, ihre Sorgen klagen, mit uns ins Gespräch kommen", erklärt Eva Splett aus Münster. Sie ist seit der ersten Stunde mit dabei – ehrenamtlich – ebenso die 18 Männer und Frauen, die als Teams zusammengesetzt sind.

Münster – Die "Tafel": So endet der Montag

Vor der Lebensmittelausgabe müssen die Abholer 2 Euro zahlen – egal, ob sie nur für sich oder eine sechsköpfige Familie abholen – und eine Nummer nach dem Zufallsprinzip ziehen. Das Geld wird an den "Münster-Tafel e.V." weiter gegeben und für die Arbeit der Zentrale, Benzin und Reparaturkosten der Lieferautos eingesetzt.

Ab 12 Uhr beginnt die Lebensmittelausgabe in Münster: Die Nummern werden der Reihe nach aufgerufen, die Taschen, Einkaufswagen gefüllt: mit Obst, Gemüse, Joghurt, Fertiggerichte, Margarine, Rote Grütze, Pommes frittes, Brot und Brötchen, Kuchen, Öl, Fleisch-, Herings-, Kartoffel- und Krautsalate verteilt. Auch auf kleinere Wünsche wird eingegangen, auf Abholer muslimischen Glaubens Rücksicht genommen.

Das Angebot bei der "Tafel" wechselt von Woche zu Woche: Je nach dem, was die Supermärkte übrig haben. 

Gelegentlich wird auch aus einer Geldspende, die ausdrücklich für diese Ausgabestelle der "Tafel" gedacht ist, Nudeln und Reis dazu gekauft. An Weihnachten packt die Kirchengemeinde Heilig Kreuz für jeden Abholer der Ausgabestelle ein Päckchen mit Kaffee und Schokolade. Zum 15-jährigen Jubiläum im September hatte der Gemeindesozialdienst sogar Trolleys und Rucksäcke für die Abholer besorgt und verschenkt.

Gegen 13 Uhr sind alle Lebensmittel verteilt, die Helfer räumen auf, waschen die Kisten aus, putzen die Tische, fegen den Boden, stapeln Tische und Stühle – und freuen sich auf die nächste Ausgabe der "Tafel" und die Begegnungen.

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