Video aus Münster übersetzt

"Wir sind stolz auf Terrorismus": Radikale Rede in Moschee gefilmt

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Die Hisbollah rekrutiert nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Deutschland (Symbolbild). 

Er sei ein Krieger und bereit, sein Leben zu opfern, erklärt der Mann in dem Video. Seine Rede hält er in Münster – in einer Moschee, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

  • Radikale Rede in Moschee gefilmt
  • Institut veröffentlicht Übersetzung
  • Reaktion blieb bislang aus

Münster – Seit Mittwoch (28. August) ist auf YouTube ein Video verfügbar, das für Aufsehen sorgt – obwohl die Aufnahme bereits vom 25. Dezember 2018 stammt. Zu sehen ist ein Mann, der im Imam-Mahdi-Zentrum (Hünenburg 24) in Hiltrup eine Rede auf Arabisch hält.

Imam-Mahdi-Zentrum in Münster seit Jahren kritisiert

Die Moschee gilt als Treffpunkt von radikalen Islamisten in Münster, als Kaderschmiede der Hisbollah – eine schiitische Partei und Terrororganisation, welche die Vernichtung Israels fordert. Präsident Netanjahu weist die Hisbollah-Drohung zwar zurück, trotzdem gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk von Einrichtungen und Wohlfahrtverbänden, die aus dem Nahen Osten gesteuert werden. 

Deshalb steht das Imam-Mahdi-Zentrum, das seit den 1980er Jahren vom Verein "Fatime Versammlung" in Münster betrieben wird, auch seit Jahren in der Kritik und taucht immer wieder im Bericht des NRW-Verfassungsschutzes auf. Dessen Betreiber hatten das Video im Dezember auf ihrer Facebookseite veröffentlicht.

Redner in Münster ist "stolz auf Terrorismus"

Doch erst kürzlich hat das Middle East Media Research Institute (MEMRI), eine Organisation zur Beobachtung islamischer Medien des Nahen Ostens, die Aussagen des Mannes analysiert und ins Englische übersetzt. 

"[Oh Mahdi,] our hearts [and] our swords are with you… [The fate of] our children, our women, and the men of the Lord [is] laid upon your threshold… The soil of Yemen has been watered with their blood in the confrontation with the Zionists and the takfiris… In Syria and Iraq, we have written in blood that victory is coming… [We strive] for martyrdom on the day of glory… Death in your cause is the gate to Heaven… We have pledged our allegiance to the Jurisprudent Ruler [Khamenei]. We are soldiers willing to sacrifice our lives for Nasrallah. We belong to the party of [Khomeini]… We have been accused of being terrorists - we are proud of terrorism… We are the Shiites [and] we will only die free."

Für Erschrecken hat besonders der vorletzte Satz gesorgt: "Wir wurden beschuldigt, Terroristen zu sein – wir sind stolz auf Terrorismus". In seiner Rede preist der Sprecher den Ajatollah Chomeini sowie andere prominente Vertreter des iranischen Regimes. 

Klarstellung: In der ersten Version dieses Artikels wurde ein Mann als Redner bezichtigt, der an diesem Tag lediglich als Besucher in der Moschee war – die Rede aber NICHT gehalten hat und damit fälscherlicherweise des Inhalts bezichtigt wurde. 

Reaktionen auf Rede in Münster bislang überschaubar

"Nach einem solchen Vorfall müssen die Sicherheitsbehörden handeln und auch die Zivilgesellschaft und die Politik müssen sich fragen lassen, warum es gegen die Existenz eines Ortes wie das Imam-Mahdi-Zentrum keine massiven Proteste gibt", fordert der Autor und Journalist Stefan Laurin nach dem Vorfall in Münster.

Auch Sascha Lobo, Kolumnist bei Spiegel-Online, hat sich bereits über Twitter an das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie Heiko Maas gewandt: "Man könnte den Niederlanden, UK, Israel und der Arabischen Liga folgen und die gesamte, antisemitische Hisbollah verbieten", schrieb er am Donnerstag. Bislang blieben die Reaktion auf den Vorfall in Münster von Politik und Polizei jedoch aus. 

Ergänzung vom 30. August: Noch am Donnerstagabend – also nachdem der Artikel veröffentlicht wurde – hat sich Stefan Leschniok, Ratsherr für Hiltrup-Mitte und ordnungs- und sicherheitspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion Münster, bei unserer Redaktion gemeldet: 

"Ich hatte schon im Sommer 2018 unter Verweis auf den Verfassungsschutzbericht angeregt, über eine Schließung des Zentrums nachzudenken – leider ohne große Resonanz. Sollten diese gewaltverherrlichenden und antisemitischen Äußerungen, dieses offene Bekenntnis zum Terrorismus tatsächlich aus einer Rede im Zentrum stammen, so erneuere ich meine Forderung. Politik und Sicherheitsbehörden dürfen einem solchen Treiben nicht länger tatenlos zuschauen. Irgendwann ist das Maß des Erträglichen voll."

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