Aktion "Maria 2.0"

Streik! Warum diese Katholikinnen nicht mehr in die Kirche gehen

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Kirchenstreik! Einige Frauen aus dem Münsterland haben genug von den "unerträglichen Zuständen" im Gotteshaus und rufen zum Protest auf. 

Münster – Alles begann mit einem offenen Brief an den Papst: Vom 21. bis 24. Februar (Donnerstag bis Sonntag) tagt der Sondergipfel zur sexuellen Gewalt von Amtsträgern der Kirche in Rom. Diese Gelegenheit wollen einige Katholikinnen nun nutzen. 

Denn "wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche." Die Frauen aus Münster sind der Ansicht, dass das Übel der sexuellen Gewalt in der Kirche sowie deren Vertuschung von der gleichen Struktur begünstigt wird, welche die Hälfte der Menschheit – die Frauen – von jeglichem Amt, von Weihe und damit letztlich von Entscheidungskraft und Mitgestaltung ausschließe.

Münster: "Unerträgliche Zustände" der Kirche kritisiert

"Aufgrund dieser allseits bekannten, unerträglichen Zustände in unserer Kirche fühlen wir uns zum Handeln aufgefordert", erklären die Frauen aus Münster. In ihrem offenen Brief an Papst Franziskus sprechen sie offen über ihre Gefühle, Klagen und Forderungen. Bereits 156 Frauen haben das Schriftstück unterzeichnet, mindestens 200 sind notwendig. 

Sie beklagen:

  • die vielen Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art in der römisch-katholischen Kirche
  • deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger
  • das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen
  • das Fehlen echter Hilfe für alle, denen Gewalt angetan wurde
  • dass deshalb viele Menschen der Kirche die Botschaft nicht mehr glauben

Sie fordern:

  • kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben
  • die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte
  • uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden
  • Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche 
  • Aufhebung des Pflichtzölibats
  • kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten
Steigende Kirchenaustritte, viele Skandale: Die katholische Kirche sieht sich mit vielen Problemen konfrontiert.

Forderung aus Münster: "Holen wir Maria von ihrem Sockel"

Elisabeth Kötter, Mitinitiatorin der Aktion "Maria 2.0" aus Münster, sagt dazu: "Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel, in unsere Mitte, als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut, wie wir."

Doch bei Worten bleibt es nicht: Die Frauen aus Münster wollen Taten folgen lassen – mit einem Streik: vom 11. bis 18. Mai (Samstag bis Samstag) wollen die Katholikinnen keine Kirche mehr betreten und ihre Dienste niederlegen. "Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird", erklärt Elisabeth Kötter.

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Kirchenstreik – nicht nur in Münster erwünscht

Doch "draußen bleiben" heißt nicht "weg bleiben": Die Frauen wollen den Gottesdienst vor die Türen der Kirchen verlegen, ihre Klagen und Forderungen unter freiem Himmel zum Ausdruck bringen. "Wir tanzen, singen, beten, finden neue Worte und neue Ausdrucksformen", so Elisabeth Kötter aus Münster. Auch Männer seien dabei willkommen.

Die Frauen der Aktion "Maria 2.0" fordern alle Katholikinnen zur Teilnahme auf. Schließlich solle an so vielen Orten wie möglich – nicht nur in Münster – sichtbar werden, dass ein weiteres Erstarren und Beharren in und auf althergebrachten Strukturen nicht länger akzeptiert werde.

In der katholischen Kirche gab es zuletzt Beratungen über de Entschädigungen für Missbrauchsopfer (Symbolbild).

Ehrliche Worte aus Münster: "Unhaltbare Argumente" der Männerriege

Auch Ruth Koch, Mitglied des Pfarreirats in der Gemeine "Heilig Kreuz" in Münster, schreibt in der Kolumne der Woche von unfassbaren Verhältnissen: 

"Seit rund 2000 Jahren bestimmt in unserer katholischen Kirche eine Männerriege die Geschicke der Gläubigen und verwehrt der Hälfte der Menschheit den Zugang zu Gleichberechtigung, Mitbestimmung und Ämtern in der Kirche, mit Argumenten aus uralten Zeiten, die auf sämtlichen Ebenen, sei es biologisch, theologisch oder philosophisch nicht mehr haltbar sind. Auch dadurch, da bin ich sicher, wurden über Jahrzehnte Machtmissbrauch, Menschenverachtung und -verletzung möglich gemacht, geduldet und vertuscht und das alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus, der uns doch Gott nahe gebracht hat und die Frohe Botschaft von Gottes unbedingter Liebe. Ungeheuerlich! Wo bleibt der große Protest? Sicher, inzwischen setzen sich auch viele Kirchenmänner für Aufarbeitung und Wiedergutmachung ein und fordern ein Umdenken auch in der „Frauenfrage“. Das ist gut, aber nicht genug. Wir Frauen sind lange genug zum Bravsein und Erdulden, zum Dienen und Kuschen erzogen worden. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Die Frauen stehen vor der Tür. Bunt, friedlich, kreativ und nachdrücklich will unser Protest sein, weiblich eben. Die ersten Ideen entstehen. Für unseren Glauben, gegen Missbrauch, für eine glaubwürdige, gleichberechtigende Kirche."

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