Mordprozess

Ex-Frau angezündet: Urteil gegen Hotel-Manager gefallen

Der Angeklagte verdeckte sein Gesicht vor dem Prozessbeginn.
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Der Angeklagte verdeckte sein Gesicht vor dem Prozessbeginn.

Wegen versuchten Mordes musste sich der ehemalige Manager eines Hotels in Münster vor Gericht verantworten. Er soll seine Ex-Frau angezündet haben. Nun ist das Urteil gefallen.

  • In einem Prozess vor dem Landgericht in Münster ist ein Urteil gefallen. 
  • Gegen einen 36-jährigen Hotel-Manager wurde wegen versuchten Mordes verhandelt. 
  • Der Mann hatte seine Ex-Frau mit Benzin übergossen und angezündet. 

Münster – Gespannte Stille herrscht am Freitagmittag (15. Mai) im Gericht. Es sind die Minuten bevor das Urteil gegen einen ehemaligen Hotel-Manager gesprochen wird. Nur neun Besucher sitzen an diesem Tag im Zuschauerraum von Saal A23, alle tragen einen Mundschutz und halten genügend Abstand. 

Münster: Hotel-Manager wegen versuchten Mordes vor Gericht

Der Angeklagte selbst sitzt mit dem gleichen unbewegten Gesichtsausdruck neben seiner Verteidigerin, wie schon an den vorangegangenen Prozesstagen. Anzumerken ist ihm die Anspannung nicht, obwohl die Kammer gleich über die kommenden Jahre seines Lebens entscheiden wird. Er ist, wie auch schon an den Tagen zuvor, ordentlich gekleidet mit einem rosa gestreiften Hemd und einer Brille. Lediglich sein Bart ist nicht mehr so ordentlich gestutzt, wie zu Beginn des Prozesses in Münster.

Die Plädoyers sind bereits am vorigen Verhandlungstag vorgetragen worden. Die Staatsanwaltschaft Münster forderte eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Mordes. Die Verteidigung hingegen forderte für ihren Mandanten einen Freispruch. Gegensätzlicher hätten die vorgetragenen Stellungen nicht sein können. Ein anderer Prozess in der Stadt ging nun los: Ein Mann aus Bocholt soll den neuen Freund seiner Ex-Frau mit 35 Messerstichen getötet haben.

36-jähriger Hotel-Manager soll Ex-Frau in Münster angezündet haben

Der 36-Jährige sitzt an diesem windigen Tag im Mai auf der Anklagebank, weil er seine Ex-Frau mit Benzin übergossen und sie angezündet haben soll. Wegen dieser Anschuldigung ist er im August 2019 verhaftet worden. Der Angeklagte war der Manager des B&B-Hotels am Albersloher Weg, wo er eine kleine Wohnung für sich hatte. Dort war es mitten in der Nacht zu der Tat gekommen.

Gäste des Hotels in Münster riefen in der Nacht vom 10. auf den 11. August die Feuerwehr. Sie hatten starken Rauch wahrgenommen. Die Rettungskräfte mussten daraufhin die Wohnungstür des 36-Jährigen aufbrechen, die dieser zuvor verschlossen hatte. Darin stießen die Feuerwehrleute auf eine bewusstlose, brennende Frau im Eingangsbereich sowie den ebenfalls bei dem Brand verletzten Ex-Mann aus Münster

Opfer hat mit den Folgen des Feuers in Münster zu kämpfen

Obwohl der 36-Jährige angab, dass ein technischer Defekt das Feuer auslöste und er seine Ex-Frau nicht angezündet habe, waren die Polizei Münster und die Gutachter schnell anderer Meinung und verhafteten ihn. Währenddessen musste das 42 Jahre alte Opfer in einer Spezialklinik um ihr Leben kämpfen. Durch die schweren Verbrennungen mussten die Ärzte sie in ein künstliches Koma versetzen und mehrere Hauttransplantationen durchführen.

Die dreifache Mutter überlebte das Feuer schließlich, ist jedoch für ihr Leben gezeichnet. 43 Prozent ihres Körpers sind entstellt, die Narben insbesondere im Hals- und Dekolleteebereich werden ihr wohl lebenslang zu schaffen machen. Während des Prozesses in Münster berichtete sie von ständigem Juckreiz, Spannungsschmerz und eingeschränkter Beweglichkeit. Zudem leidet die Frau unter den psychischen Folgen des Feuers. An die Minuten während der Tat kann sie sich nicht mehr erinnern. 

Landgericht Münster: Streit ging Feuer in Hotel voraus 

Auch wenn der Angeklagte bestreitet, die Frau, von der er seit mehreren Jahren in Trennung lebt, angezündet zu haben, so räumte er doch ein, dass er sie in dem Hotel in Münster mit Benzin übergossen hatte. Zuvor sei es, so das Opfer, zu einem der vielen Streits gekommen, die in der Beziehung der beiden an der Tagesordnung waren. Thema sei zumeist die Wohnsituation der 42-Jährigen gewesen.

Denn die beiden haben ein gemeinsames Kind. Der Achtjährige wuchs jedoch bei der Mutter auf, in einem Ort, der rund 300 Kilometer von Münster entfernt ist. Das, und der Umstand, dass die 42-Jährige sich in dem Ort in Hessen ein eigenes und unabhängiges Leben aufgebaut hatte, gefiel dem Angeklagten nicht, ist sich das Gericht sicher.

Angeklagter aus Münster hat schon zuvor das Leben seiner Ex-Frau bedroht

Zudem soll der 36-Jährige aus Münster sehr eifersüchtig gewesen sein. Manchmal kam es auch zu körperlicher Gewalt. So hatte er einige Jahre zuvor seine Ex-Frau mit einem Messer bedroht und sie zu Oralsex gezwungen. Sie war anschließend mit den drei Kindern in ein Frauenhaus geflohen, jedoch fanden das Paar einige Zeit später doch wieder zusammen.

Die Familie fuhr in den Sommerferien 2019 für eine Woche zusammen nach Italien, um Urlaub zu machen. Dort, so schildert die Ex-Frau dem Gericht, sei es harmonisch zugegangen. Streit habe es nicht gegeben, im Gegenteil: Die geschiedenen Eheleute kamen sich wieder näher. Nach der Rückkehr der Familie nach Münster kam es jedoch zu der folgenreichen Tat. Der Sohn hielt sich während des Feuers in einem anderen Zimmer in dem Hotel auf.

Prozess in Münster: So lautet das Urteil gegen den Hotel-Manger

Das Gericht in Münster kam zu dem Schluss, dass der ehemalige Hotel-Manager schuldig ist. Jedoch nicht des versuchten Mordes oder Totschlags, sondern der besonders schweren Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Kammer verhängte eine Strafe von 13 Jahren Gefängnis und eine Schmerzensgeldzahlung von 100.000 Euro an das Opfer.

Die Richterin betonte, dass der 36-Jährige seine Strafe hätte verringern können – etwa indem er sich bei seinem Opfer entschuldigt hätte. Stattdessen äußerte sich der ehemalige Hotel-Manager kaum vor dem Gericht in Münster, ließ sich nicht zum Tathergang vernehmen und zeigte keine Reue oder Mitgefühl. “Da haben Sie wirklich alle Chancen verstreichen lassen”, so die Vorsitzende.

Der Brandstifter nahm sein Urteil größtenteils emotionslos hin. Nur hin und wieder schüttelte er den Kopf, während die vorsitzende Richterin die Strafe begründete. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, die Verteidigung könnte noch Revision einlegen, um die Arbeit der Schwurgerichtskammer in Münster überprüfen zu lassen. 

Angeklagt wegen Mordes ist auch ein 52-Jähriger: Er soll in Münster seinen Stiefvater erstochen haben.

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