Wahlergebnisse in der Domstadt

"Wahnsinn": Grünen-Sensation bei Europawahl in Münster

+
Die Grünen waren der große Gewinner bei der Europawahl – in Münster gab es doppelten Grund zum Feiern.

Die bundesweiten Wahlergebnisse bei der Europawahl 2019 waren eine deutliche Schlappe für die etablierten Parteien. Dafür erleben die Grünen einen starken Aufwind – und gehen in Münster sogar erstmals als stärkste Partei hervor.

Münster – Das schlechte Ergebnis der Christ- und Sozialdemokraten dürfte kaum überraschen: Die SPD befindet sich schon lange in einem Umfragetief und verliert immer mehr Wählerstimmen. Ihr Ergebnis bei der Europawahl 2019 war das schlechteste Ergebnis, das die Partei jemals bundesweit erhielt.

Auch die CDU musste vor allem in den vergangenen Tagen herbe Kritik für ihre Politik einstecken, die durch ein Video des YouTubers Rezo nur noch angeheizt wurde. Die Klimapolitik der Christdemokraten wurde vor allem von Jugendlichen heftig kritisiert. Die Union verlor bei der Europawahl deutlich an Stimmen – und davon dürften nicht zuletzt die Grünen auch in Münster profitiert haben.

Europawahl 2019 in Münster: Grünen stärkste Kraft, CDU und SPD abgeschlagen

Bei der Europawahl vor fünf Jahren kamen die Grünen in Münster auf 18,54 Prozent – 2019 konnte die Partei ihr Ergebnis nun verdoppeln: Mit 36,59 Prozent der Stimmen landeten die Grünen in Münster rund 12 Prozentpunkte vor der CDU. "Wahnsinn", kommentierte Robin Korte, Vorstandsmitglied bei den Grünen in der Domstadt, das Ergebnis bei Facebook knapp.

Die CDU dagegen verlor in Münster im Vergleich zur vergangenen Europawahl (2014) rund 9 Prozentpunkte. Der Absturz der SPD ist jedoch, ähnlich dem Bundesergebnis, viel größer: 14 Prozentpunkte gab es für die Sozialdemokraten weniger in der Domstadt. Außerdem erreichte die AfD in Münster nur 4 Prozent. Die weiteren Wahlergebnisse in der Domstadt in der Übersicht:

  • Grüne: 36,59 Prozent (2014: 18,54 Prozent)
  • CDU: 24,40 Prozent (2014: 32,95 Prozent)
  • SPD: 14,37 Prozent (2014: 28,64 Prozent)
  • FPD: 5,69 Prozent (2014: 4,81 Prozent)
  • Die LINKE: 4,98 Prozent (2014: 5,48 Prozent)
  • AfD: 4 Prozent (2014: 4,12 Prozent)
  • Die Partei: 3,22 Prozent (2014: 0,86 Prozent)
  • Sonstige: 9.97 Prozent (2014: 14,38 Prozent)

Sieg der Grünen in Münster: In zehn Wahlbezirken über 50 Prozent der Stimmen

In einigen Wahlbezirken in Münster lag das Wahlergebnis der Grünen noch weitaus höher: In 60 Wahlbezirken bekam die Partei am Sonntag über 40 Prozent der Wählerstimmen. In zehn Wahlbezirken gaben sogar über 50 Prozent der Wähler den Grünen ihr Kreuz. Im Bezirk 044/Overberg waren es sogar 55,83 Prozent.

In Münster Mitte lagen die Grünen bei durchschnittlich 41,97, die CDU lediglich bei 19,52 Prozent und die SPD bei nur 13,47 Prozent. In insgesamt fünf von sieben Stadtbezirken erhielten die Grünen die meisten Stimmen:

Stadtbezirk

Die Grüne

CDU

SPD

Hiltrup

27,42 Prozent

31,87 Prozent

16,41 Prozent

Nord

30,31 Prozent

27,13 Prozent

17,11 Prozent

Ost

30,80 Prozent

32,30 Prozent

14,37 Prozent

Südost

31,21 Prozent

28,14 Prozent

16,15 Prozent

West

35,45 Prozent

26,48 Prozent

13,63 Prozent

Mitte

41,97 Prozent

19,52 Prozent

13,47 Prozent

Stadt Münster

36,59 Prozent

24,40 Prozent

14,37 Prozent

Trotz der zum Teil deutlichen Verluste bei den etablierten Parteien ist die Wahlbeteiligung insgesamt gestiegen: 2014 wählten rund 62 Prozent der Münsteraner bei der Europawahl. Dieses Jahr gingen 73,66 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne.

Grüne siegen in Münster und bundesweit – wegen "Fridays for Future"? Ein Kommentar

Die Grünen erleben einen regelrechten Erdrutschsieg in der Republik. Die Kritik an der Klimapolitik der Großen Koalition sowie das steigende Interesse der Bevölkerung am Klimaschutz dürften den Grünen mit Sicherheit viele Stimmen eingebracht haben. Auch die bundesweiten Proteste der Bewegung "Fridays for Future" und das damit gestiegene Bewusstsein für die Dringlichkeit des Themas werden sich ebenfalls positiv für die Partei ausgewirkt haben. 

Doch auch der Umgang von Politikern der CDU mit den Demonstranten der Klimaschutzbewegung tat wohl sein Übriges: Immer wieder kam es zu negativen Statements ranghoher Politikern wie Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer oder NRW-Ministerpräsident Armin Laschet: Sie kritisierten die Schüler der Bewegung "Fridays for Future" vor allem dafür, dass sie die Schule schwänzten und nicht in ihrer Freizeit protestierten. 

Damit zeigten diese Politiker nicht nur, dass sie dem Klimaschutz nicht die nötige Ernsthaftigkeit entgegenbrachten – ganz abgesehen davon, dass sie nicht zu begreifen scheinen, dass ein Streik in der Freizeit überhaupt keinen Sinn ergibt.

Sie haben zudem das Anliegen und Engagement der demonstrierenden Schülerinnen und Schüler mit der vorgeschobenen Kritik für das Schwänzen außerdem herabgewürdigt und nicht erkannt, dass die zunehmende Politisierung der Jugend etwas sehr Positives für unsere Demokratie bedeutet. 

Genau dies begriffen jedoch die Grünen – und das spiegelt sich vor allem in der hohen Wahlbeteiligung der unter 30-Jährigen wider: 33 Prozent der jungen Wähler stimmten für die Grünen ab, lediglich 13 Prozent für die CDU und nur 10 Prozent für die SPD. CDU-Mann Ruprecht Polenz, Ex-Bundestagsabgeordneter aus Münster, brachte es bei Twitter auf den Punkt: "Es sind nicht die jungen Leute, die auf uns zukommen müssen, sondern umgekehrt."

Kommentare