Geschichte der Domstadt

Warum werden in Münster ständig Bomben gefunden – und wie viele werden es noch?

Bombe Münster
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In Münster werden regelmäßig Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden (Symbolfoto).

Regelmäßig kommt in Münster die gleiche Schlagzeile auf: "Bombenfund". Doch warum werden in der Domstadt eigentlich ständig Blindgänger entdeckt – und wie viele werden es noch sein?

+++ 8. Mai: Erneuter Bombenfund in Münster +++ 

Münster – Ständige werden bei Bauarbeiten in der Domstadt Bomben entdeckt. Dabei handelte es sich immer um Blindgänger – sogenannte Kampfmittelaltlasten – aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese Munition wurde damals bei Luftangriffen über Münster abgeworfen, ohne, dass sie beim Aufkommen explodiert ist. Oftmals blieb sie im Boden liegen und wurde durch Krater oder Schlamm verdeckt. 

Münster: Warum wurde die Stadt überhaupt angegriffen?

Auf Luftaufnahmen während des Zweiten Weltkriegs wirkt die Westfalenmetropole wie eine Kraterlandschaft: überall Einschlagslöcher. Als besonderes Datum in der Geschichte der Domstadt gilt der 10. Oktober 1943: An diesem Tag begannen die Alliierten ihre Bombardierung. Denn zur Zeit des Dritten Reichs war Münster die Hauptstadt der Region: 1940 hatte sie laut Volkszählung 145.000 Einwohner. 1945 waren es übrigens nur noch 79.000.

Die Bomben sollten das Zentrum und die Lieferwege treffen. Der Grund: Durch den Angriff auf die Bevölkerung erhofften sich die Alliierten eine Demoralisierung der Truppen an der Front, durch die Zerstörung von Hafen, Kanal und Bahnhof wollten sie den Transport des Militärs eindämpfen. Deutschland stand deshalb unter heftigem Beschuss. Insgesamt wurden in Münster 1128 Luftalarme ausgelöst. 

Das Signal gab den Münsteranern zu verstehen, dass sie sich in Schutzeinrichtungen begeben müssen, weil ein feindliches Flugzeug gesichtet worden ist. "Dabei war aber nicht klar, ob es weiterfliegt oder vor Ort Bomben abwirft", erklärt Axel Schollmeier, stellvertretender Leiter des Stadtmuseums. 1128 Luftangriffe: Das ist ein Alarm pro Tag über drei Jahre. Die Zahl der tatsächlichen Angriffe reduzierte sich jedoch auf ein Elftel. 

Wie viele Bomben wurden auf Münster abgeworfen?

Im Stadtmuseum gibt es eine städtische Statistik zu den Luftangriffen auf die Domstadt: Nach dem Zweiten Weltkrieg verlangten die Alliierten genaue Aufzeichnungen über die Zerstörung von Münster. 1952 bekamen sie ihre Antwort. 

Ganze 102 Luftangriffe hat es auf Münster zwischen 1942 und 1945 gegeben. Diese Zahl ist unbestritten. Bei diesen Attacken zielten die Alliierten auf den Dom und die Versorgungswege der Domstadt. Doch die Zielvorrichtungen dieser Zeit waren ungenau – und so wurde der Bereich innerhalb der Promenade zu 90 Prozent erstört. Laut Statistik durch: 

  • 32.000 Sprengbomben
  • 642.000 Stabbrandbomben
  • 8100 Phosphor-Kautschuk-Benzol-Kanister (Brandverstärker)
Diese Bombe wurde im Juni am Hansaring gefunden.

Zusammengerechnet sind das 674.000 Bomben, die aus der Luft auf Münster geworfen worden sind. Doch bei dieser Zahl gibt es Zweifel an der Genauigkeit: "Wie will man das gezählt haben?", fragt Schollmeier.

Münster: Wie viele Bomben liegen noch im Boden?

"Fachleute schätzen, dass rund 15 bis 20 Prozent der abgeworfenen Bomben nicht explodiert sind und als Blindgänger in Wohngebieten, Industrie- sowie Gewerbeanlagen und freien Flächen liegen", erklärt Manfred Spitthoff von der Feuerwehr Münster. Gerechnet auf die Gesamtzahl der abgeworfenen Bomben wären das in der Domstadt 101.100 bis 134.800 Blindgänger

Warum die Munition zu einem Blindgänger wird, hat viele verschiedene Ursachen: beispielsweise Materialfehler, Konstruktionsfehler, Produktionsfehler oder die Witterung. Auch die Abwurfhöhe, die Art des Zünders oder ein fehlerhafter Umgang mit der Bombe können eine Rolle spielen. Die Liste sei schier unendlich, hießt es vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. 

Meist werden diese Blindgänger heutzutage bei Bauarbeiten offen gelegt. In den 60er Jahren waren die münsterischen Tageszeitungen voll von Berichten über Bombenfunde. Die Bewohner wurden sogar zu Aktionen aufgefordert: Sie sollten beispielsweise im niedrigen Aasee nach den Kampfmittelaltlasten zu suchen. 

Was passiert, wenn eine Bombe in Münster gefunden wird?

Die Munition ist auch über 70 Jahre später noch gefährlich: Bei einer falschen Bewegung kann der Zünder ausgelöst werden und die Bombe explodiert. Deshalb rückt dann der Kampfmittelbeseitigungsdienst an, um den Blindgänger zu entschärfen und unschädlich zu machen. Auch die Feuerwehr Münster ist als Ordnungsbehörde vor Ort und evakuiert die Umgebung. Dabei gilt die Reglung: Pro Kilo der Bombe wird ein Meter im Umkreis abgesperrt.  

In Münster werden regelmäßig Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden (Symbolfoto).

Denn durch den Gesetzgeber ist nach dem Krieg verfügt worden, dass der technische Teil der Kampfmittelbeseitigung eine Aufgabe der Bezirksregierungen ist. Die Verwaltung des Einsatzes liegt hingegen bei den örtlichen Ordnungsbehörden der Kommunen.

In der Stadt Münster hat der Oberbürgermeister verfügt, dass die Feuerwehr in diesem Fall die Ordnungsbehörde ist. In anderen Kommunen sind das oft die Ordnungsämter. Die Mitarbeiter sind deshalb bei einem Bombenfund für Folgendes zuständig:

  • die Bearbeitung der Antragsverfahren zur Überprüfung eines Grundstückes nach Kampfmitteln
  • die Abstimmung und Anordnung von Maßnahmen zur Vorbereitung eines Grundstückes zur Kampfmitteldetektion
  • die Abstimmung und Anordnung von Maßnahmen zur Vorbereitung der Kampfmittelbeseitigung
  • die Vorbereitung und Lenkung von Gefahrenabwehrmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung (Evakuierungen)

Münster: Wie viele Bomben wurden mittlerweile gefunden?

Alleine 2018 wurden in Münster bislang sieben Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Auf Anfrage beim Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) der Bezirksregierung Arnsberg, welcher für Münster zuständig ist, konnte jedoch nicht geklärt werden, wie viele Blindgänger seit Kriegsende 1945 in der Domstadt gefunden worden sind. "Darüber gibt es keine Aufzeichnungen", sagt ein Pressesprecher. 

2018Wo? Wann? Wie viel?Infos
Friesenring 23. April 250 KiloNewsticker
York-Kaserne24. Mai250 KiloNewsticker
Hansaring21. Juni250 KiloNewsticker
Albersloher Weg 6. August250 KiloNewsticker
Kanalstraße28. August250 KiloNewsticker
Drolshagenweg 25. SeptemberunbekanntNewsticker
Klinikviertel17. Oktober250 KiloNewsticker
Gremmendorf14. November250 KiloNewsticker
2019Wo?Wann?Wie viel?Infos
Orléans-Ring1. Februar250 KiloNewsticker
Mondstraße6. März500 KiloNewsticker
Salzstraße28. MärzVerdachtNewsticker
Hafenweg9. April250 KiloNewsticker
York-Kaserne11. AprilunbekanntNewsticker
Lippstädter Straße3. MaiVerdachtNewsticker

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