Einsätze in der Innenstadt

Zwangsarbeit in Münster aufgedeckt: Erschreckende Details bekannt geworden

In Muenster wurden Nagelstudios wegen des Verdachts des Menschenhandels durchsucht. (Symbolbild)
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In Münster wurden Nagelstudios wegen des Verdachts des Menschenhandels durchsucht. (Symbolbild)

Zu sechs Festnahmen, unter anderem wegen Menschenhandels, kam es am Mittwochabend in Münster. Die Staatsanwaltschaft Münster hatte schon lange einen Verdacht – und durchsuchte nun bei einer Razzia drei Nagelstudios in der Innenstadt.

  • Am Mittwochabend führte die Polizei Razzien in der Innenstadt durch
  • Zoll und Staatsanwaltschaft durchsuchten drei Nagelstudios
  • Es besteht der Verdacht des Menschenhandels

Update: 21. November. Einen Tag nach der groß angelegten Razzia in der Innenstadt von Münster gab die Staatsanwaltschaft nun weitere Details bekannt. Demnach führten die Staatsanwaltschaft und das Hauptzollamt bereits seit Längerem verdeckte und intensive Ermittlungen gegen die Betreiber mehrerer Nagelstudios durch. Eine weitere Kontroll-Aktion gab es in der Nähe des Bahnhofs: Bei einer Razzia in Münster wurden vier Männer verhaftet

Sechs Personen wurden am Mittwochabend festgenommen: Vier Männer und zwei Frauen im Alter von 28 und 54 Jahren, sie alle sind im Vietnam geboren worden. Zwei der Festgenommenen sind Brüder und haben die deutsche Staatsangehörigkeit. "Die Beschuldigten lebten zuletzt unter anderem in Münster, Bergkamen, Paderborn und Rottweil bzw. hielten sich dort auf", berichtet die Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe gegen die Festgenommenen wiegen schwer:

  • gewerbs- und bandenmäßigem Menschenhandel und Einschleusens von Ausländern
  • Zwangsarbeit
  • Ausbeutung der Arbeitskraft
  • Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen (Schaden: etwa 1,9 Millionen Euro=

Den Festgenommenen wird vorgeworfen, sich zu einer Bande zusammengeschlossen und mindestens 50 Menschen illegal nach Deutschland eingeschleust zu haben. Diese sollten dann als billige Arbeitskräfte in der Kosmetikbranche dienen, und zwar in Nagelstudios unter anderem in Münster, Dülmen, Greven, Kleve, Paderborn und Troisdorf.

Die Bande arbeitete mit professionellen Schleuserbanden und brachte die vietnamesisch stämmigen Personen mit gefälschten Ausweispapieren über Osteuropa nach Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Münster vermutet, dass die eingeschleusten Personen zwischen 5000 und 25.000 US-Dollar für die illegale Einreise in das Bundesgebiet zahlten. "Es besteht der Verdacht, dass sie diese Summen durch ihre Tätigkeiten abzuarbeiten haben und dabei unter erheblichen psychischen Leistungsdruck stehen", so Botzenhardt.

Etwa 50 weitere Menschen, die sich bereits illegal in Deutschland aufhielten, sollen ebenfalls von den Festgenommenen beschäftigt worden sein. Ihnen allen soll weder Sozial- noch Krankenversicherungsschutz gewährt worden sein, auch sollen sie weniger als den gesetzlichen Mindestlohn erhalten haben. Sie sollenzehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche gearbeitet haben. Währenddessen sei eine Kamera mitgelaufen, um sie während der Arbeit zu kontrollieren.

Die Kontrolle der illegal Beschäftigten soll sogar noch weiter gegangen sein: Die Beschuldigten sollen die Menschen in schlichten Unterkünften in Münster, Dülmen, Greven, Kleve und Troisdorf notdürftig untergebracht haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich die Beschäftigten nur zwischen Arbeit und Unterkunft bewegten und sonst nicht am normalen Leben teilnahmen - nicht zuletzt auch aufgrund ihrer fehlenden Deutschkenntnisse.

"Die Beschuldigten sollen durch diese Art der Beschäftigung insbesondere die persönliche und wirtschaftliche Zwangslage sowie die Hilflosigkeit, in der sich die vietnamesischen Arbeitnehmer befunden haben, für eigene wirtschaftliche Zwecke ausgenutzt haben", führt Oberstaatsanwalt Botzenhardt die Vorwürfe weiter aus. Weiterhin sollen einige der Nagelstudios durch "Strohmänner" betrieben worden sein. Die Einnahmen, die vor allem aus Bargeld bestünden, seien ins Ausland und vor allem nach Vietnam überwiesen worden.

Am Mittwochabend schlugen die Staatsanwaltschaft und das Hauptzollamt Münster dann zu: Sie leiteten eine gezielte Festnahmeaktion ein und durchsuchten "neun Nagelstudios in Nordrhein-Westfalen, die Privatwohnungen der Beschuldigten sowie die Unterkünfte der Beschäftigten in Münster, Dülmen, Greven, Kleve und Troisdorf", wie Botzenhardt berichtet. Mit vor Ort waren ungefähr 400 Beamte der Zollverwaltung, des Polizeipräsidiums Münster, der Bundespolizei und der Steuerfahndung involviert, ebenso 14 Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Münster.

Neben den sechs Personen, die festgenommen wurden, wurde bei der Durchsuchung Bargeld in Höhe von etwa 300.000 Euro sichergestellt. Zudem wurden zehn Personen angetroffen, die möglicherweise illegal nach Deutschland eingereist sind. Die Festgenommenen werden noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt. Die Ermittlungen dauern derweil weiter an, wie Botzenhardt schließt.

Derzeit ermittelt die Polizei auch in einem weiteren Fall: Auf der Promenade in Münster wurde ein 20-Jähriger überfallen, brutal attackiert und anschließend ausgeraubt. Die Beamten fahnden nun nach vier Verdächtigen.

Menschenhandel in Nagelstudios? 6 Festnahmen bei Razzia in Münster

Erstmeldung: 20. November. Münster – Menschenhandel lautet der Verdacht, der am Mittwochabend (20. November) Einsatzkräfte von Zoll, Staatsanwaltschaft und Polizei in die Innenstadt führte. Dort durchsuchten sie drei Nagelstudios und nahmen sechs Personen fest

Zudem ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei in einem weiteren Fall: Eine 52-Jährige aus Borken wurde in ihrer Wohnung erstochen aufgefunden. Im Verdacht steht der Exfreund der Getöteten.

Nagelstudios in Münster durchsucht – Verdacht der Schleuserkriminalität

Bereits sei Längerem und im Stillen ermittelte die Staatsanwaltschaft Münster wegen "Banden- und Gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern" in den betroffenen Nagelstudios, wie Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf Nachfrage von msl24.de bestätigte. Konkret heißt das: In den Studios sollen Vietnamesinnen gearbeitet haben, die für den Job in Münster illegal nach Deutschland gebracht wurden. Zudem seien dadurch auch keine Sozialversicherungsleistungen für die Frauen gezahlt worden.

Am späten Mittwochnachmittag starteten die Staatsanwaltschaft Münster und der Zoll umfangreiche Maßnahmen und durchsuchten die betroffenen Nagelstudios. Sechs Personen wurden im Laufe des Abends festgenommen, wie Oberstaatsanwalt Botzenhardt bestätigt. Diese müssen mit Strafverfahren wegen Einschleusens von Ausländern und Vorenthaltung von Sozialversicherungsleistungen rechnen.

Festnahmen gab es kürzlich auch bei einer Razzia am Bahnhof in Münster, die zudem zehn Anzeigen zur Folge hatte. Die Einsatzkräfte stellten Drogen und Diebesgut sicher.

Razzia in Nagelstudios in Münster: Maßnahmen laufen weiter

Nähere Informationen zu den Maßnahmen in Münster wollte Oberstaatsanwalt Botzenhardt am Abend noch nicht öffentlich machen – da der Einsatz aktuell noch nicht abgeschlossen sei, würde die Pressemeldung mit den Details am Donnerstag (21. November) folgen. Laut einem Bericht der WN liegen die betroffenen Nagelstudios an der Windthorststraße, im Aegidiimarkt und an der Ludgeristraße. Es soll zudem in ganz Nordrhein-Westfalen zu weiteren Durchsuchungen gekommen sein.

Nicht nur in Münster kam es kürzlich zu Durchsuchungen: In Ochtrup kam es Anfang des Jahres zu einer Razzia bei verfeindeten Familienclans. Die Einsatzkräfte konnten Waffen sicherstellen, darunter Messer, Schlagstöcke und Pfefferspray. Zudem wurden mehrere Angehörige vernommen.

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