Protestaktion am Hansaring

Spinnen die eigentlich? Warum Autofahrer sich vom "Parking Day" angegriffen fühlen

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Von 12 bis 20 Uhr gilt auf dem Hansaring absolutes Halteverbot. (Symbolbild)

Absolutes Halteverbot gilt am Freitag auf dem Hansaring. Wollen die Aktivisten des "Parking Day" nur ärgern – oder steckt mehr dahinter? – Ein Kommentar von Stefanie Masuch.

Münster – Spinnen die eigentlich? Das ging mir durch den Kopf, als ich vom "Parking Day" hörte. Denn ich lebe im Erpho-Viertel, dort gibt es viele Nebenstraßen und noch mehr Zwei-Zimmer-Wohnungen. Der Platz ist also ziemlich begrenzt. Ziemlich blöd, da ich ein Auto habe. Denn es gibt bei Weitem nicht genug Stellflächen. 

Ich gebe es ja zu: Obwohl ich in der Innenstadt von Münster wohne, habe ich ein – wenn auch geteiltes – Auto. Zugutehalten könnt ihr mir vielleicht, dass ich es äußerst selten nutze, und wenn ich abends ab 20 Uhr in meinem Viertel einen Parkplatz suche, weiß ich auch wieder, wieso. 

Es mag Meckern auf hohem Niveau sein, aber wenn ich endlich Feierabend habe und schon seit fünfzehn Minuten Zuhause sein könnte – aber stattdessen zum dritten Mal um den Block fahren muss, weil es keinen freien Parkplatz gibt – ärgert mich das. Zudem werden ständig Parkstreifen gesperrt, oft wochenlang!, weil Baufirmen ihre Container abstellen. 

Der "Parking Day" in Münster: Ein Angriff gegen Autofahrer? 

Um es kurz zu fassen: Die Parksituation in meinem Viertel ist angespannt. Deshalb war ich auch empört, als ich gelesen habe, dass Aktivisten für einen Tag sämtliche Parkplätze am Hansaring für sich beanspruchen wollen – ganz offiziell. Beim "Parking Day" in Münster wird der Ringabschnitt gesperrt und alle Autos abgeschleppt, die bis 12 Uhr noch nicht verschwunden sind. 

Also Autofahrer entwickelte ich sofort solidarisches Mitgefühl für die Anwohner und habe mich über die Aktivisten geärgert. Ihr Plan ist es, für rund acht Stunden alle Parkplätze auf dem Hansaring in Münster zu "Parks" umzubauen – mit Sofas, netten Gesprächen und Konfetti. Geht's noch? Ich als Autofahrer fühle mich da persönlich angegriffen.

Der springende Punkt: Bürger in Münster sollen diskutieren

Doch dann habe ich angefangen, diesen Kommentar zu schreiben, der in seiner ursprünglichen Fassung noch ganz anders lautete. Erst im Austausch mit meinen Kollegen hat sich mir ein Detail offenbart, dass die Sache für mich änderte. Ein Detail, dass die Aktivisten nirgendswo so klar formuliert hatten: Beim "Parking Day" geht es nicht darum, dass sich ein paar Demonstranten einen lustigen Nachmittag machen, während sie alle Autofahrer im Hansaviertel ärgern. Vielmehr haben sie die Absicht, einen Diskurs anzuregen, wie die Bürger in Münster eine Stadt mit wenigen – oder sogar gar keinen – Autos gestalten könnte.

Und das war ein Argument, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Denn wenn ich nicht gelegentlich auf mein Auto angewiesen wäre, dann müsste ich mich auch nie wieder über die Parkplatzsituation vor meiner Haustür aufregen. Hätte ich gleich gewusst, dass die Aktivisten die Situation in Münster verbessern wollen, hätte ich den "Parking Day" anders wahrgenommen. 

Münster als autofreie Zone – ist das möglich?

Nur mal angenommen: Was wäre nötig, um die Innenstadt zur autofreien Zone zu machen? Die Bewohner bräuchten sinnvolle Alternativen zum Pkw. Das Fahrrad wird laut Statistik in Münster bereits für 40 Prozent der Wege genutzt, um von A nach B zu gelangen. Aber der Drahtesel eignet sich nun mal nicht für jedes Ziel, jedes Wetter und jede Jahreszeit. 

Eine Straßenbahn oder ein anders gearteter Shuttle im fünf-Minuten-Takt (zumindest im Innenstadtbereich) mit ausreichend Haltestellen, der Münster miteinander verbindet, wäre ein Anfang. Die Busse in der Stadt fahren bislang nur im 20-Minuten-Takt, sind gerade bei schlechtem Wetter deshalb oft überfüllt und einige Haltestellen werden nachts gar nicht erst angefahren. An diesem Modell zu schrauben, könnte mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen – oder abzuschaffen.

Carsharing und Lastenräder als Alternative zum Auto in Münster

Einen Schritt in die richtige Richtung gab es bereits 2019: Die Stadt Münster förderte den Kauf von 204 Lastenfahrrädern. Diese werden oft zum Transport von Kindern genutzt, eignen sich aber auch für größere Einkäufe und schwere Gegenstände. 

Um zunächst einmal dafür zu sorgen, dass die Zahl der Autos sich insgesamt verringert, könnte auch Carsharing eine gute Alternative sein. Dafür müssen die Konditionen jedoch deutlich attraktiver und der Verzicht auf das eigene Auto subventioniert werden. Darüberhinaus wird der E-Scooter derzeit schon oft im Stadtgebiet benutzt – warum er jedoch eigentlich kein Auto-Ersatz ist, erklärt unsere Redakteurin Lisa Fraszewski in ihrer Klima-Kolumne

Es bleibt abzuwarten, welche Lösungsansätze die Teilnehmer des "Parking Days" entwickeln. Initiativen wie das Hansaforum in Münster können auf Dauer auch für einen Unterschied sorgen. Bis dahin bleibt jedoch zu hoffen, dass solche Protest-Aktionen mit Straßensperrung nicht zu oft vorkommen, denn bis ausreichend vernünftige Alternativen geschaffen wurden, trifft das Parkverbot am Hansaring die Falschen. 

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