Ein Tag – Sechs Kilometer – elf Highlights

Prinzipalmarkt, Domplatz, Aasee – So erleben Sie Münster an nur einem Tag

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Der St.-Paulus-Dom gehört zu den Wahrzeichen Münsters.

Münster an einem Tag: Wer die Domstadt nur mal kurz besuchen oder als Einwohner sogar neu kennen lernen möchte, für den haben wir genau das Richtige: einen Rundgang. 

  • Rundweg durch Münster: Ein Tag – Sechs Kilometer – elf Highlights
  • Innerhalb von zwei Stunden können Sie die wichtigsten Orte gesehen haben
  • Mehr als nur Sightseeing: Wir geben Ihnen Tipps zu Restaurants und Cafés in der Nähe

Mit einer Fläche von 303,28 Quadratmetern und über 310.000 Einwohnern gehört Münster zu Deutschlands Großstädten. Seit 2016 ist die Domstadt sogar deutschlandweit auf Platz 20. Durch den mittelalterlichen Aufbau der Stadt liegen die wichtigsten Punkte aber sehr nah beieinander. 

Wer nur einen Tag oder einen Kurzurlaub in Münster verbringen möchte, der orientiert sich am besten an der Promenade. Die ehemalige Stadtmauer verläuft heute als Allee um die Innenstadt. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich innerhalb dieses Ringes – auch bei unserer Tour.

Start und Ziel des Rundgangs: Der Hauptbahnhof von Münster

Der Rundweg startet am Hauptbahnhof der Domstadt – außerhalb der Promenade. Doch was Touristen meist zuerst auffällt, sind nicht die Züge und Busse, sondern die zahlreichen Fahrräder. Denn in der Studentenstadt gibt es generell sehr viele Drahtesel – fast doppelt so viele wie Einwohner. In Münster sagen die Einwohner übrigens nicht Fahrrad, sondern "Leeze".

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Die Leezen sind in Münster das Hauptverkehrsmittel – und haben eigentlich immer Vorfahrt, behauptet zumindest der Radfahrer. Seien Sie als Fußgänger also vorsichtig und laufen Sie niemals gemütlich den Radweg entlang. Im besten Fall wird nur wütend geklingelt. Im schlimmsten Fall kracht es. 

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Vom Hauptbahnhof führt der Weg geradeaus über die Windhorststraße in die Innenstadt. Nach rund 300 Metern erscheint zu beiden Seiten die Promenade: Sie biegen rechts ein. Aber Achtung vor den Fahrradfahrern. Spazieren Sie am besten nicht direkt in der Mitte, sondern auf den Fußwegen an der Seite. 

Nach weiteren 300 Metern erscheint auf der linken Seite die "Brasserie Alex" (Salzstraße 35). Tipp: Wer noch nicht gefrühstückt oder eine lange Anreise hinter sich hat, der kann hier eine Pause einlegen. Besonders zu empfehlen: Die Dachterrasse. 

Direkt nach der Brasserie gelangen Sie an die Salzstraße: Münsters ältester Handelsweg. Biegen Sie links ab und folgen Sie dem Kopfsteinpflaster in die belebte Innenstadt hinein. Vorbei an verschiedenen Geschäften und Restaurants gelangen Sie nach 450 Metern auf einen offenen Platz. Besonders markant: die spätgotische St.-Lamberti-Kirche zu ihrer Rechten.

Station 1: Die St.-Lamberti-Kirche

Sie gehört zu Münsters Wahrzeichen und liegt in prominenter Lage. Bereits 1375 wurde sie als Markt- und Bürgerkirche gebaut: die St.-Lamberti-Kirche. Sie ist nicht nur für ihr imposantes Aussehen bekannt, sondern vor allem für die drei Käfige an der Südseite. 

Dort wurden die Anführer der Wiedertäufer (Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling) im Jahr 1536 aufgehängt. Entgegen populärer Behauptungen sind die Revoluzer, die einen radikalen Zweig der Reformation einschlugen, nicht in den Käfigen verhungert.

Ihre Leichen wurden als Warnung für die Bevölkerung dort oben aufgehangen, um Anhänger abzuschrecken. Zuvor hatte man sie allerdings auf dem Prinzipalmarkt zu Tode gefoltert: Ihnen wurden mit glühenden Zangen die Zungen ausgerissen, ihre Körper wurden zerfetzt. Erst nach vier Stunden wurden sie durch den Dolch erlöst.  

Seit Januar 2014 hat die St.-Lamberti-Kirche noch eine weitere Besonderheit: Martje Saljé (37). Die gebürtige Bremerin arbeitet als Türmerin: Zu jeder halben Stunde, von 21 Uhr bis Mitternacht, tutet sie in das Türmer-Horn. In drei Himmelsrichtungen (Süden, Westen, Norden) schallt das Signal und gibt der Domstadt bekannt: Es ist alles in Ordnung. 

Denn ihr Beruf stammt aus dem Mittelalter. Damals hatten Türmer die Aufgabe, die Bevölkerung vor Gefahren zu wahren. Also meist Brände oder feindliche Angriffe. Obwohl die Aufgabe von Martje Saljé nur noch der Tradition und Brauchtumspflege dient, lässt sie auch bei Rauchwolken den entsprechenden Signalton von der St.-Lamberti-Kirche ertönen. Vorher ruft sie aber die Polizei und Feuerwehr an. 

Tipp: Wer den besten Kaffee in Münster probieren möchte, der macht einen kleinen Umweg zur "Röstbar" (Drubbel 1 bis 2). Die Kaffeerösterei gibt es bereits seit 2008, ihre Sorten sind mittlerweile in fast allen Läden der Domstadt zu finden. In dem kleinen Durchgang haben die Betreiber ihren fünften und kleinsten Laden aufgemacht.

Station 2: Der Prinzipalmarkt – Ideal zum Flanieren

Von der St.-Lamberti-Kirche geht es weiter über das Kopfsteinpflaster: den Prinzipalmarkt – Münsters Flaniermeile – entlang bis zum Historischen Rathaus. Mit dem Bogengang und den mittelalterlichen Fassaden wirkt die Straße sehr altertümlich. Dabei wurden dort fast alle Gebäude während des Zweiten Weltkriegs zerstört – und erst von 1947 bis 1958 wieder originalgetreu aufgebaut. 

Übrigens: Der Prinzipalmarkt ist keine Fußgängerzone, sondern eine Straße. Das heißt, Busse und Fahrräder haben Vorfahrt. Stellen Sie sich für ein schönes Foto also am besten nicht einfach in die Mitte der Straße.

Weiter die Straße herunter erscheint zur Linken der Stadthausturm: Dort ertönt seit 2001 wieder täglich ein Glockenspiel – um 11, 15 und 19 Uhr. Im Sommer (Juni bis August) wird durchgängig "Kein schöner Land in dieser Zeit" gespielt, den Rest des Jahres wechseln die Lieder. 

Hinter dem Turm biegen Sie links ab und dann direkt wieder nach links. Dann stehen Sie im Rathausinnenhof, der übrigens einmal im Jahr zur Kunstbühne wird – beim "Schauraum", dem Fest der Museen und Galerien (August/September). 

Durch den Torbogen geht es links vorbei am Ratskeller mit dem Restaurant Pfefferkorn und zurück auf den Prinzipalmarkt. Tipp: Wer Lust auf die deftige Küche Westfalens hat, der ist am Prinzipalmarkt genau richtig. Ob im Ratskeller oder beim Stuhlmacher nebenan: Probieren Sie das "Töttchen", Münsters Delikatesse.

Station 3: Der St.-Paulus-Dom

Danach laufen Sie geradeaus weiter auf den St.-Paulus-Dom zu. Er ist das Herzstück und ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Hier ist Münster entstanden, dass sagt schon der Name. Denn der wurde vom lateinischen "Monasterium" abgeleitet – übersetzt: Kloster, Stiftskirche, Dom. 

Seit dem 6. Jahrhundert befand sich an der Stelle des Domplatzes ein kleine sächsische Siedlung names Mimigernaford. Dort wurde im Jahr 793 ein Kloster (monasterium) errichtet, das später in den Dom umgewandelt wurde. Davon gab es insgesamt vier:

805

Erster Dom

(Ludgerus-Dom)

karolingisch

bis 1377

unbekannt

Zweiter Dom

ottonisch

bis 1225

1192

Erweiterung um das Westwerk

(Alter Chor, Türme)

romanisch

weitgehend

erhalten

1264

Dritter Dom

(St.-Paulus-Dom)

gotisch

erhalten

Das Highlight des heutigen Doms ist die Weltzeituhr im südlichen Chorumgang, auch als Astronomische Uhr bekannt. Sie wurde 1542 fertiggestellt und ist seitdem in Betrieb. Immer um 12 Uhr mittags (sonntags um 12.30 Uhr) wird dort mit dem Glockenspiel die "Dreikönigsgeschichte" aus Kapitel 2 des Matthäus-Evangeliums gezeigt. Sehenswert ist übrigens auch der Innenhof des Doms mit den Gräbern der Bischöfe. 

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Tipp: Wer eine Pause machen möchte, der findet gegenüber vom Dom gleich drei beliebte Anlaufstellen: Die Floyd Coffee-Lounge (Domplatz 6) für Studenten, das gehobenere Marktcafé (Domplatz 7) und das etwas andere Fyal (Geisbergweg 8). 

Vom Dom geht es die Straße "Spiegelturm" hinunter über die Aa. Der kleine Fluss hat seinen Namen von dem althochdeutschen Wort "aha" (gesprochen: "acha"), was die übliche Bezeichnung in Westfalen für Flüssen und Bäche war. Hinter der Brücke thront die Überwasserkirche – auf Masematte: trans pani murmelbeis. Sie wird häufig auch als Liebfrauenkirche bezeichnet. 

An ihr laufen Sie links vorbei den kleinen Weg entlang. Aber Vorsicht: Der rote Streifen ist für die Fahrradfahrer. Am Ende des Kopfsteinpflasters taucht das Antiquariat Solder auf. Der kleine Laden ist deutschlandweit bekannt – aus Film und Fernsehen. Denn dort werden regelmäßig die neuen Folgen für den "Wilsberg"-Krimi gedreht. 

Station 4: Das Fürstbischöfliche Schloss

Vom Antiquariat Solder geht es die Frauenstraße entlang weiter bis zum Schlossplatz. Am Ende der Straße ragt bereits der Barockbau des Fürstbischöflichen Schlosses auf – ein weiteres Wahrzeichen von Münster. Die Residenz des vorletzten Fürstbischof (Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels) wurde von Johann Conrad Schlaun entworfen und 1787 fertiggestellt. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Wiederaufbau ist es seit 1954 der Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU). In Münster gibt es keinen Campus für die Studenten. Alle Seminare sind quer über die Stadt verteilt. 

Links am Schloss vorbei führt ein kleiner Gang durch einen geschwungenen Torbogen in den Schlossparks, der von einem großen Wassergraben umrahmt ist. Ein besonders Highlight ist der Botanische Garten der Uni Münster (WWU). Er wurde 1803 gegründet und seitdem liebevoll gepflegt. Kein Wunder also, dass er zu den beliebtesten Ausflugszielen in Münster zählt.

Tipp: Das "Schlossgarten Café" (Schlossgarten 4) bietet eine große Auswahl an Kuchensorten und liegt in ruhiger, gemütlicher Lage – mitten im Grünen. Aber bringen Sie Geduld mit: Das Personal braucht oft seine Zeit. 

Station 5: Der münsterische Aasee

Vom Botanischen Garten führt der Rundgang nun durch das Seitentor des Botanischen Gartens auf die Hüfferstraße. Nur wenige Meter entfernt findet sich wieder der Eingang zur Promenade. An dieser Stelle findet in den Sommermonaten der Promenadenflohmarkt statt – ein Großereignis, dass jedes Mal tausende Besucher anlockt.

Lesen Sie dazu: Trödeln im Mondschein – Nachtflohmarkt von Freitag auf Samstag

An der kleinen Kreuzung kurz vor dem Schwimmbad laufen Sie bergab auf die Aa zu und halten sich links von ihr. Am Ende des Weges unterqueren Sie eine Brücke und stehen plötzlich direkt vor dem Aasee: Er ist 40,2 Hektar groß, 2,3 lang und nur zwei Meter tief. Dieser Stausee wurde in den 1914 künstlich angelegt und 1976 auf seine jetzige Fläche erweitert.

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Tipp: In der Umgebung finden Sie gleich mehrere Restaurants und Cafés. Am auffälligsten ist aber wohl das "A2 am Aasee" (Annette-Allee 3) an den Aaseeterrassen. Besonders beliebt sind hier die Cocktails. Zumindest, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. 

Da das Schwimmen im Aasee aus gesundheitlichen Gründen nicht erlaubt ist, sind besonders die anliegenden Grünflächen beliebt. Wenn Sie noch genügen Zeit haben, wagen Sie ruhig einen Spaziergang um den See – entweder nur bis zur Terminbrücke (2,5 Kilometer) oder bis zum Modersohnweg (5,2 Kilometer). Ansonsten laufen Sie dem Plan entsprechend auf die Wiese am Kopf des Aasees zu. Besonders im Sommer und an Feiertagen dient sie überwiegend den Studenten als Treffpunkt – zum grillen und feiern.

Auffällig sind auch die drei weißen Kugeln auf der Wiese: die Giant Poolballs. Sie wurden 1977 im Rahmen der Skulpturprojekte von Claes Oldenburg erstellt und sollen riesige Billiardkugeln auf grünem Untergrund imitieren. Meistens sind sie jedoch mit Graffiti beschmiert.

An dieser Stelle endet die Sightseeingtour und führt über die Promenade zurück zum Bahnhof. 

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