Unterwegs in der Fahrradhauptstadt

11 Gründe, warum Münsteraner mit der Leeze fahren

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In der Domstadt gibt es mehr Fahrräder als Einwohner.

"Wenn du kein iPhone hast, hast du kein iPhone", hat uns die Werbung erzählt.  Heißt das auch: Wenn Sie kein Münsteraner sind, sind Sie kein Münsteraner? Keine Sorge, das lässt sich lernen. Zum Beispiel beim Thema Fahrrad.

Münster – Wir haben Regeln und wissenswerte Fakten zusammengetragen, die alle Radler der Domstadt kennen sollten. Denn in der vom ADFC gekürten deutschen Fahrradhauptstadt gibt es massig Besonderheiten für Fahrradfahrer. Zugezogene und Wahl-Münsteraner finden sich da meist nur schlecht zurecht. Aber nur wenn man mit allen Punkten vertraut ist, gilt man auch als waschechter Domstädter. 

1. In Münster gibt es mehr Fahrräder als Einwohner. Denn bei rund 311.000 Einwohnern (Stand: 2016) gibt es etwa 500.000 Leezen. Das macht 1,5 Fahrräder pro Kopf. Stolze 95% der Domstädter besitzen mindestens ein Rad. Wer radlos ist, hat bei der regelmäßig stattfindenden Fietsenbörse die Möglichkeit, eins von über 800 gebrauchten Rädern zu ergattern. 

2. Alle 98 Minuten wird ein Fahrrad geklaut. Laut Statistik waren es 2015 rund 330.000 geklaute Zweiräder in der Westfalenmetropole. Um dem Diebstahl vorzubeugen empfehlen Experten: Investieren Sie Ihr Geld in ein schwer zu knackendes Schloss. Auch wichtig: Das Fahrrad irgendwo anschließen, sonst kann es weggetragen werden. Nur bitte nicht am Fahrrad daneben. 

3. Die Stadt hat sogar schon ein Fest für ihre Fahrradfahrer ausgerichtet: "Leezenliebe" in der Stubengasse. Der Festtag im Mai bot den Besuchern Informations- und Mitmachstände. 

4. Täglich sind hier mehr als 100.000 Menschen mit dem Rad unterwegs. 40% der gefahrenen Strecken werden mit der Leeze zurückgelegt. 

5. Die Infrastruktur für Fahrradfahrer ist schon ziemlich gut ausgebaut. Auch viele Münsteraner über die Verhältnisse gerne meckern. Doch Fahrradwege auf dem Bürgersteig sind hier selbstverständlich, ebenso die Fahrradampeln. An größeren Kreuzungen gibt es sogar Fahrradschleusen, die den Radlern bei Rot erlauben, vor die Autos zu fahren. Auch haben die Radler hier eigene Abbiegespuren.

6. Bei so vielen Fahrrädern in einer Stadt wird das Abstellen manchmal zur Geduldsprobe. An Knotenpunkten stehen häufig so viele Leezen, dass man für das eigene keinen Platz mehr findet. Geschweige denn es nachher wieder findet. 

Dafür gibt es aber die Radtstationen, von denen drei in der münsterischen Innenstadt verteilt sind. Die Größte findet sich direkt am Hauptbahnhof. Sie bietet 3300 Stellplätze. Weitere Stationen finden sich in der Stubengasse und in der Königsstraße. 

7. Das eigene Rad lässt sich auch schön individualisieren. Beispielsweise mit einer alten Obstkiste hintendrauf, einer Blumenkette am Lenker oder einer bunten Klingel mit schönem Sound.

8. In Münster gibt es zwölf ausgewiesene Fahrradstraßen. In so einer Straße haben Radler immer Vorrang. Autos und Motorräder werden zwar geduldet, müssen aber geduldig sein. Zum Beispiel, wenn mehrere Fahrradfahrer nebeneinander herfahren, um sich zu unterhalten. Das Auto darf in diesem Fall nicht überholen. Es sei denn, die Straße ist breit genug. 

Außerdem gilt hier ein Tempolimit von 30 Km/h. Die Promenade ist übrigens keine Fahrradstraße, denn hier ist kein motorisierter Verkehr erlaubt. Der 4,5 Kilometer lange Rundweg auf den ehemaligen Stadtmauern ist ausschließlich für Radler, Fußgänger, Jogger und Skater. 

9. Mit dem Fahrrad ist man bei kurzen Strecken meistens schneller. Gerade im Berufsverkehr hat das Zweirad Vorteile. Und Parken im Innenstadtbereich ist einfacher und kostenlos. 

10. Echte Münsteraner fahren auch bei Regen mit der Leeze. Aber nicht mit Regenschirm. Stattdessen trägt man hier Regenjacken oder -Ponchos. 

11. Übrigens können auch Fahrradfahrer ihren Führerschein verlieren, wenn sie zu viel Alkohol getrunken haben. Allerdings gelten Radler erst ab 1,7 Promille als fahruntüchtig. Aber auch schon bei weniger Blutalkohol können sie bestraft werden. Bei "alkoholtypischem Verhalten", wie die Polizei es nennt, kann es zwei Punkte geben und außerdem mehrere hundert Euro Bußgeld. 

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