Anklage wegen Beihilfe zum Mord

Hunderte Tote: Prozess gegen ehemalige KZ-Wachmänner

Die Liste der ermordeten Gefangenen im Kozentrationslager Stutthof ist unerträglich lang. Zwei ehemaligen Wachmännern des KZ wird nun am Landgericht Münster der Prozess gemacht. Doch das hohe Alter und die Gesundheit der Angeklagten musste zunächst begutachtet werden: Sind sie überhaupt verhandlungsfähig?

Münster – Am Landgericht in Münster wird ein geschichtsträchtiger Prozess geführt: Ein 94-jährigen Mann aus Borken und ein 93-jährigen Wuppertaler müssen sich wegen Beihilfe zum Mord in mehreren hundert Fällen verantworten: Im Konzentrationslager Stutthof sollen die Angeklagten bei der Ermordung hunderter Gefangener geholfen haben. 

Am 15. November wurde Anklage erhoben. Nun wurde die Verhandlungsfähigkeit der mutmaßlichen Täter geprüft. Die beiden Angeklagten, ehemalige SS-Sturmmänner, wurden 1942 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig im heutigen Polen eingesetzt. 

Sie sollen bei der Ermordung von Gefangenen geholfen haben. Die beiden 90-Jährigen bestreiten nicht, in Stutthof als Wachmänner gearbeitet zu haben – doch sie hätten sich nicht an den Morden beteiligt. 

Gutachten empfiehlt: Freie Tage für die Täter einplanen

Beim sogenannten Stutthof-Prozess liegt nun das Gutachten über die Verhandlungsfähigkeit der beiden vermeintlichen SS-Männer vor: Die beiden Angeklagten seien "nach ihren körperlichen und psychischen Fähigkeiten nur eingeschränkt verhandlungsfähig." Ihnen sollen, so das Gutachten weiter, nur wenige Stunden am Stück vor Gericht zugemutet werden. 

Maximal zwei bis drei Verhandlungstage die Woche sowie Raum für flexible Pausen empfiehlt das Gutachten. Und dazwischen sollen freie Tage eingeplant werden. Da der Angeklagte aus Borken jedoch außerdem akut erkrankt sei, folge nun ein weiteres Gutachten. 

Staatsanwaltschaft und Verteidigung können binnen zwei Wochen zum Gutachten für den Angeschuldigten aus Wuppertal Stellung nehmen. Beim Angeklagten aus Borken muss nun erst das Ergänzungsgutachten abgewartet werden. Erst, wenn all dies erledigt ist, kann das Hauptverfahren eingeleitet werden. 

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